Hallo zusammen! Ah, ich sehe: Die alte Truppe hat mal wieder ein Stelldichein. Auch wenn die Umstände nicht die besten dafür sind - eigentlich finde ich das toll, dass man hier immer mal wieder aufeinander trifft.

Ich habe mich in den letzten Monaten ziemlich auf die Socken gemacht. Phase II (Trauer) hatte ich ungefähr am 27.7. hinter mir gelassen, laut meinem Tagebuch. Tagebuch führen in dieser Zeit halte ich übrigens für eine extrem wichtige Sache. Es ordnet die Gedanken und man kann beim zurückblättern staunend feststellen, dass es einem wirklich schon schlechter gegangen ist.
Mir war eigentlich bereits im Augenblick der Trennung klar, dass ich nun die Chance packen muss, mal allein zu leben. Das hatte ich in den vergangenen 30 Jahren nie getan und ich fürchtet mich davor. Ja, ich hatte Angst, allein zu sein. Ich kannte das nicht. Ich war immer Familienmensch, aber die dritte Trennung innert 8 Jahren hat mir klargemacht, dass ich nun erstmal allein Leben muss, um wieder irgendwann eine neue Partnerschaft einzugehen. Ich habe das wie gesagt bei meiner Trennung schon so vorausgeahnt, musste aber erst durch Schock- und Trauerphase durch. Man darfs nicht forcieren, ich dachte, ich könne nach dem Schock gerade in die Neuorientierungsphase - klappt nicht. Man muss die Wunde erst säubern, bevor man sie zunäht. Sie schwärt nämlich sonst im Untergrund und das wird viel schlimmer.
Ich habe in diesen 120 Tagen viele Bücher gelesen. Das Übliche, denke ich so, was sich jeder in den Phasen I und II reinpfeift: Plötzlich Single, Herzschmerz ade, Schiess ihn doch einfach in den Wind, Glücklich alleinsein und so weiter. Ausser die "Ex-back"-Lektüre, das halte ich für gemeine Geschäftemacherei mit Leuten, die völlig verzweifelt sind.
Dann bin ich via "Jetzt!" von Eckhart Tolle und weiterer Bücher aus diesen Bereichen plötzlich erwacht. DAS war es. Hier lag mein Problem begraben. Ich war ein sehr Ego-bezogener Mensch. Mein ganzes Leben habe ich mich davor gefürchtet, meinen eigenen Ansprüchen nicht genügen zu können: Geschäftliche, politische und finanzielle Erfolge und natürlich ein Topmädel an meiner Seite. Wenn man mir sowas wegnahm, jammerte ich wie ein kleines Kind. Ich identifizierte mich über meinen "Besitz" und ja - ich hielt auch meine Beziehungen für meinen Besitz. Ich bereue diesen Ansatz und er war wohl auch schuld, dass ich in den Beziehungen immer ängstlich war, den "Besitz" zu verlieren. Was dann schlussendlich zu all den sich selbst erfüllenden Prophezeiungen geführt hat - die Mädels zogen Leine.

Ich erachte es heute als grosses Glück, diese letzte Lektion nun vom Leben erteilt bekommen zu haben. Ich stürzte aus dermassen grossen Höhe herab, dass es mein Ego in der alten Form nicht überleben konnte und ich endlich reflektierte: Alter. Was ist los? Genau: Ich fragte mein Ego: Was ist mit DIR los? Dualismus in Reinform. Ich habe rausgefunden, dass ich ICH sein muss. Dass es nicht mein Ego und mich gibt, sondern nur EIN ICH.
Es würde zu weit führen hier, die ganze Sache im Detail auszuleuchten. Nur so viel. Wenn ihr dauernd in der Vergangenheit grübelt (die niemals mehr geändert werden kann) oder Euch vor der Zukunft fürchtet (die niemand voraussehen kann) dann solltet Ihr Euch mal dieses Buch schnappen. All die anderen Schmöker hab ich von meinem Kindle wieder gelöscht. Dieses Buch hat mich im Leben wirklich vorwärts gebracht.
Machts gut und bis die Tage, Euer Zardoz