Zitat von Tin_:Zusatz: Angst vor dem Alleinsein habe ich, weil ich mich total wertlos fühle und glaube, keinen Partner mehr zu finden.
Wir reden hier über Minderwertigkeitskomplexe. Nicht der Mann ist hier das Problem. Es ist und war immer schon deine innere Einstellung zu dir selbst.
Ich hätte ja nie gedacht, dass ich das mal schreiben werde, aber ja Tin, DU HAST RECHT! Und das meine ich jetzt gar nicht ironisch, sarkastisch oder sonstwas. Das ist einfach das traurige Fazit, dass ich ebenfalls ziehe. Ich glaube tatsächlich nicht daran, noch einmal einen Partner zu finden, würde ich mich trennen. Es gibt in meiner Umgebung sehr viele attraktive und jüngere Frauen, die teilweise seit Jahren vergeblich einen geeigneten Partner suchen. Das heute übliche Onlinedating scheint für Frauen jenseits der 40 nicht wirklich erfolgreich zu verlaufen. Vielleicht sind die Ansprüche zu hoch, möglicherweise auf beiden Seiten. Vielleicht suggeriert das Onlineportal eine jederzeit verfügbare Zahl an geeigneten Partnern, so dass die Kandidaten zu wählerisch werden. Wie auch immer, das wäre nicht mein Problem, denn ich würde mich ohnehin für das Alleinesein entscheiden.
Meine bisherigen Erfahrungen mit Männern sind ja nicht allzu positiv verlaufen. Und tatsächlich erscheint mir mein miesepetriger und uncharmanter Mann bisweilen das kleinere Übel zu sein. Immerhin liebt er mich, sorgt für mich und ist fürsorglich und zuverlässig. Er trinkt nicht, er raucht nicht, er spielt nicht, jedenfalls nichts kostenpflichtiges. Er betrügt mich nicht und er lässt mich selten alleine. In Corona-Zeiten lässt er mich eigentlich sogar nie alleine, denn er arbeitet im Homeoffice und seine wenigen Hobbys ruhen. Wie gesagt, eigentlich ist er das, was viele Frauen sich wünschen würden.
Auch ist es so, dass ich mich ihm trotz aller Unzufriedenheit sehr verbunden fühle. Wir haben so vieles miteinander erlebt. Schönes und trauriges. Wir haben inzwischen beide keine große Familie mehr. Ich habe den Kontakt zu meiner Familie komplett abgebrochen. Seine Geschwister sind zu meiner Ersatzfamilie geworden. Sobald Corona vorbei ist, werden wir mit zweien von ihnen in Urlaub fahren. Ich mag sie sehr und sie sind mir gute Freunde geworden.
Was mein Selbstbewusstsein betrifft, hast du einen Volltreffer gelandet. Ich habe keins! Woher auch? Ich habe eine sehr autoritäre Erziehung genossen und habe sehr viel Abwertung erlebt. Die wenige Anerkennung, die ich erfahren habe, habe ich außerhalb der Familie durch Leistung gewonnen. Aber immer bin ich schnell an meine Grenzen geraten, denn mich gegen Kollegen oder Chefs durchzusetzen war mir nicht möglich. Heute habe ich mich trotz Studium konsequent auf eine Hilfstätigkeit herunter gearbeitet. Aber diese macht mir zum ersten mal überhaupt richtig Spaß und ich sehe darin einen Sinn. Das erscheint mir das allerwichtigste zu sein, etwas sinnvolles zu tun für andere Menschen.
Der AM wie gesagt hat meine Leistungsbereitschaft für sich zu nutzen gewusst. Und als er spürte, dass es bei mir noch mehr zu holen gab, hat er das eben ausgenutzt. Traurig bin ich darüber, weil es das erste und einzige Mal in meinem ganzen Leben war, dass ich mich von einem derart attraktiven Mann wertgeschätzt und begehrt gefühlt habe. Eigentlich hätten sofort alle meine Alarmsirenen angehen müssen aber der Traum war einfach zu schön und die Hoffnung zu groß. Worum es ihm ging war aber eigentlich sonnenklar, es ging jedenfalls nicht um mich.
So gesehen erscheint mir mein Mann sogar als Hauptgewinn. Einen anderen oder gar einen besseren werde ich nicht mehr bekommen. Also bleibe ich und nehme, was ich kriegen kann. Meine Unzufriedenheit mir der Situation bekämpfe ich so gut es eben geht. Ich mache mir etwas vor, wenn ich behaupte, der AM wäre ein toller Mann gewesen, der mich begehrte. Er war ein ....! Diese Worte schreib ich hier nicht auf, sonst werde ich sofort eliminiert.
Nochmal passiert mir so etwas jedenfalls nicht mehr. Da bin ich mir 100 prozentig sicher. Noch einmal würde ich keinem Mann mehr glauben, dass er tatsächlich mich meint. Ich bin ü 50, klein, grauhaarig und dick. Mein Körper besteht aus Cellulitis und meine Gelenke knacken wie bei einer 80 jährigen. Betreutes Wohnen? Gar keine schlechte Idee! Tatsächlich hätte ich gerne eine barrierearme Wohnung. Hier in unserem Haus können wir vielleicht noch 10 Jahre bleiben. Dann aber kommen wir die Treppen nicht mehr hoch. Vielleicht kann ich meinen Mann ja doch noch dazu überreden. Und Urlaub machen wir dann eben an der Nordsee statt im Wohnwagen. Ist ja auch umweltbewusster.
Ich werde einfach nur anfangen müssen, mir die Dinge schön zu reden. Das klappt bei allen anderen ja auch.