Martina77
Gast
Tja, warum bin ich eigentlich immernoch hier in diesem Forum? Das frage ich mich in letzter Zeit häufiger.
Der Hintergrund kurz zusammen gefasst:
Ich hatte vor Jahren eine Ehekrise mit meinem Mann mit im Hintergrund schwelender Fremdverliebtheit in einen Kollegen. Als ich mich dann von meinem Mann getrennt habe, kam es zu einer kurzen Außenbeziehung mit dem besagten Kollegen. Als ich dann in meiner neuen eigenen Wohnung angekommen war, war eigentlich schon alles wieder vorbei. Dennoch blieb ich noch eine Weile getrennt. In dieser Zeit ging es mir psychisch und physisch sehr schlecht. Als mein Mann das nicht mehr mit ansehen konnte, holte er mich zurück und ich ließ mich dazu überreden, bei ihm zu bleiben. So war rein physisch erstmal wieder für mich gesorgt. Aber ich litt unter heftigem LIebeskummer um den Kollegen, blieb noch lange ambivalent und konnte mich nicht wieder in meine Ehe einfinden.
Erst nach einer Therapie mit unter anderem gemeinsamen Sitzungen, ging es besser. Ich kündigte meine Stelle, hielt mehr schlecht als recht Kontaktsperre zum AM, bis dann der nächste Schlag folgte. Ich erfuhr, dass der AM die ganze Zeit über schon eine sich anbehnende Beziehung zu einer anderen Frau führte. Sie war ebenfalls Kollegin und hatte bereits lange vor mir, wahrscheinlich auf Drängen des AM, gekündigt. Als die Beziehung zu ihr gescheitert war, meldete er sich wieder bei mir und wollte unsere "Affäre" fortführen. Da das ganze für mich aber nie als Affäre beabsichtigt war, lehnte ich dankend ab und brach endgültig jeden Kontakt zu ihm ab.
Alles in allem zog es sich über mehrere Jahre. Mein Mann wusste zu jedem Zeitpunkt bescheid und tolerierte es. Er hatte große Verlustängste, wollte einiges gar nicht so genau wissen. Ich aber konfrontierte ihn mehrfach und sagte ihm immer und zu jeder Zeit die Wahrheit.
Erst nach dem endgültigen Kontaktabbruch, der Therapie, mehreren Stellenwechseln und endlosen schwierigen und zermürbenden Gesprächen mit meinem Mann ging es langsam besser. Heute ist es wieder gut und dennoch vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht über alles nachgrübele. So vieles ist passiert. Dinge die ich zutiefst bereue und die ich heute anders angehen würde. Aber zugeben muss ich auch, dass es sehr schöne Momente gab. Momente voller Lebensfreude. Immerwieder drängt es mich, hier darüber zu schreiben. Auch wenn glaube ich in meinen Gedanken alles gut geordnet und sortiert ist. Warum tue ich das also?
Und jetzt kommt mir ein Verdacht! Ich bin eine sagen wir mal durchschnittliche Frau. Ich hatte nie viel Erfolg bei Männern, bin jetzt aber auch nicht so grottenhässlich, dass mich niemand gewollt hätte. Meinen Mann traf ich mit 19 Jahren und er wurde mein erster richtiger Freund. Wir sind jetzt seit zig Jahren zusammen und feiern bald schon Silberhochzeit. Mein Leben verlief bis auf die Trennung samt Außenbeziehung nicht sehr aufregend. Und genau das scheint mir der Grund zu sein, warum ich diese schwere Zeit in meinen Gedanken so lange lebendig halte und hier immernoch darüber schreibe.
Auch wenn ich mich für meine damaligen Handlungen nicht gerade rühmen möchte, scheint es mir doch die bei weitem aufregendste und lebendigste Zeit meines Lebens gewesen zu sein. Und genau deshalb halte ich hier die Erinnerungen daran wahrscheinlich wach. Was ich also tun muss ist klar und doch so schwer. Ich müsste die Lebendigkeit von damals wieder in mein Leben holen. Aber wie denn mit Anfang 50, einem spießigen Reihenhaus, einem langjährigen Ehemann und einem sehr durchschnittlichen Leben? Die Option Affäre scheidet aus. Aber sowas von. Und Corona macht uns gezwungener Maßen zu Einsiedlerschnecken. Ob wir da je wieder raus kommen? Ich weiß es nicht!
Was meint ihr?
LG Martina