Nobody
Gast
ich versuch mal im Anonymen WWW Hilfe zu finden. Es ist zwar nicht meine Art, aber man will ja nichts unversucht lassen.
Ich weiß eigentlich nicht wo ich anfangen soll. Am besten von vorne.
Ich bin 40 Jahre alt, seit 19 Jahren verheiratet, hab einen Sohn mit 16, eine kleine Firma, Haus usw.
Die ersten Jahre in unsere Beziehung sind eigentlich recht gut gelaufen. Es gab viele schöne Zeiten und einige wenige schlechte Tage. So gesehen eine "normale" glückliche Ehe. Die "Macken" meiner Frau tolerierte ich, bzw. lernte damit umzugehen und Ich denke auch das es umgekehrt so war oder noch so ist.
Dass ich ein Problem mit unserer Beziehung habe, stellte ich vor einem Jahr fest. Ich war mit meinem Sohn im Italien Urlaub, ohne Frau. Sie ist nicht begeistert von Italien und von Camping schon gar nicht. ( Wir waren uns aber beide einig, dass ich mit dem Sohn alleine fahren soll)
Aber ich war dann am Strand alleine. Ich vermisste Sie. Kein Spaziergang zu zweit in den Sonnenuntergang, keine die mit mir den Sternenhimmel bewundert hätte. Kurzum: Ich hatte viel Zeit nachzudenken und stellte fest was mir an unserer gemeinsamen Beziehung fehlt.
Mir fehlt das Gefühl geliebt und gebraucht zu werden! Öfters mal von Ihr in den Arm genommen zu werden und zu hören: Ich liebe Dich! oder das von Ihr die Initiative Ausgeht das es wieder Zeit wird miteinander zu schlafen.
Nach knapp zwei Wochen hatte ich den Mut, mit Ihr über "meine" Probleme zu reden. Wir sprachen "meine" Probleme durch und versuchten es besser zu machen bzw. daran zu arbeiten.
Jetzt ist ein Jahr vergangen, und es ist schlimmer als vorher. Ich habe es ehrlich satt derjenige zu sein, der hier die Beziehung alleine aufrecht erhalten will. Zumindest kommt es mir so vor.
Ist es zu viel verlangt:
- mal in den Arm genommen zu werden
- zu hören: Ich liebe Dich! und nicht nur "ich Dich auch"
- spontan einen Spaziergang zu machen oder mal zum Essen gehen
- nicht angeschnauzt zu werden, wenn der Teller im Geschirrspüler am falschen Platz ist
Zum Thema Sex: 1x in vier oder fünf Monaten und dann nur "Missionar" nach unzähligen Versuchen Sie ins Bett zu kriegen ist doch nicht ganz normal. Ich kann ja verstehen das Sie nicht mehr so viel "verlangen" danach hat. Aber mir wird sogar die Möglichkeit genommen es für Sie leichter zu machen. Kino gehen, Essen gehen oder ähnliche Sachen die einen netten Abend versprechen, werden im Keim erstickt.
-Heute nicht, vielleicht morgen.
-Viel zu heiß um etwas zu unternehmen ( im Winter ist natürlich zu kalt)
-Mir geht es heute nicht so gut
-......
Madam sitzt am Abend lieber auf der Couch und schaut TV!
Ich kann nicht mehr. Es zieht mich runter. Schnauze voll.
Seit 4 Wochen hab ich für mich entschieden: Kein Kuss, keine "Sexanfragen", kein Ich liebe Dich. Mit dem Ziel vielleicht bemerkt Sie ja etwas. Bis lang aber noch nicht.
Noch ein Gespräch mit meiner Frau?
NEIN Danke! Hab ich doch schon mehrmals versucht. In allen Variationen. Direkt und Indirekt! Für Sie ist so ja immer alles in Ordnung und das mit dem Sex kommt von den Tabletten, dem Wetter und was weiß ich noch.
Mittlerweile bin ich so dermaßen verletzt und gekränkt, das ich am liebsten alles hinschmeißen möchte. Jeder Satz den Sie sagt und ich nicht der gleichen Meinung bin, bringt mich innerlich zum rasen. Am liebsten würd ich Sie dann anschreien und Ihr meine Meinung
darüber sagen. Aber bevor ich das mache, denk ich: Für was? Ändern würde das bei Ihr auch nichts mehr.
Auf der anderen Seite sehe ich die Sache auch so:
- 20 Jahre Ehe wegwerfen für ein paar "nicht gesagte" Gefühle?
- Trennung nur weil ich mehr Sex und "Ich Liebe Dich" will?
- die Existenz aufgeben, nur weil ich meinen nicht alles haben kann?
- Menschen unglücklich machen, nur weil ich meine Gefühle nicht unterdrücken kann?
Und hier die Masterfrage:
Was soll ich tun? Soll ich meine Bedürfnisse komplett vergessen?
Und jetzt sitz ich vor meinem Laptop, bemühe mich einen einigermaßen leserlichen Brief zu schreiben, und meine Gefühle und Wünsche in Worte zu fassen.
Vielleicht kommt eine gute Fee aus dem Desktop, nimmt mich an der Hand und sagt wie es weitergeht.
Vielen Dank für jeden Leser, der die Geduld hatte meinen Brief zu entziffern und zu verstehen versucht hat.
Franz.