@ysabell
TT an TS

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Das braucht Dir wirklich nicht leidzutun, Ysabellchen, und ich habe es keinen Augenblick so empfunden, als seist Du mißmutig! Es war auch von mir in der Eile etwas mißverständlich ausgedrückt, so daß es so verstanden werden konnte, daß ich meinte, jeder, der etwas Großartiges zustande bringt, jeder, der leidet usw. sei deshalb ein Narz.
So ist es natürlich nicht und so war es auch nicht gemeint.
Sondern es geht immer um dieses dicke Herausstreichen von etwas, mag es nun überhaupt wahr sein oder nicht, und vor allem auch um die Voreiligkeit der "Offenbarung". Wenn man jemanden dann schon länger kennt und man erzählt im Verlauf auch von Dingen wie Erfolge oder Leiden oder Mißgeschicke usw., dann ist das nur natürlich. Aber wenn schon der zweite Satz ist: Ich besitze einen Hubschrauber und eine Hühnerfarm oder Ich habe schon fünf Leute umgelegt oder Ich bin schon mal im Fernsehen gewesen oder Ich kenne den Sido persönlich oder Ich habe immer nur gelitten, wegen dieser sch. Frauen / Männer oder an diversen Krankheiten oder Ich bin ein einmaliger Zuhörer / Liebhaber / Pechvogel usw., dann kann man davon ausgehen, daß man einen solchen Knallkopf vor sich hat und sollte besser Leine ziehen, ehe man in ein schnellendes Auf-und-Ab-Kuriositätenkabinett verwickelt wird.
Natürlich gibt es auch Narze, die nicht so plump und offensiv sind, aber auch die werden bald einmal ihre Besonderheiten und Außergewöhnlichkeiten anklingen lassen, um zu sehen, welche Wirkung sie damit erzielen. Denn dieses Beeindruckenwollen ist ja ein ganz wesentliches Merkmal, ebenso wie die Übergriffigkeit, die schnelle Verletztheit, wenn etwas nicht entsprechend gewürdigt wird.
Und daher meine ich, eine sooo große Kunst ist es auch wieder nicht, einen Narz zu erkennen, und eigentlich sollte das ganz natürlicherweise auch abstoßen, wenn man von Narzissmus nicht einmal noch gehört hat. Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe den Eindruck, den ziemlichen deutlichen sogar: Es geht den Betroffenen besser damit, sagen zu können, sie seien Opfer eines Narzissten geworden, als etwa sagen zu müssen, ich bin auf einen Schaumschläger und Angeber und Rosenstreuer und Sternevomhimmelholer hereingefallen. Denn bei einem Narz ist man eben ein Opfer, wie auch in der entsprechenden Literatur so bestärkend zu lesen ist, während man bei einem kindischen Prahlhans ein ich weiß nicht was wäre, Aschenputtel vielleicht. Ich verstehe das zwar, aber ich halte es nicht für den besten Weg, weil einen die Opferrolle über alle Gebühr gefangenhält und einen erst recht hinabsaugt ins Elend.
Aber wie gesagt: mit tollen Leistungen, tatsächlichen außergewöhnlichen Begabungen, Leiden usw. an sich hat das nichts zu tun, sondern damit, welches Gewicht und welche Bedeutung dem gegeben wird und wie schnell das ganz im Mittelpunkt steht. Jeder Mensch, der tatsächlich außergewöhnlich begabt ist oder Besonderes geleistet oder gelitten hat, weiß, daß das ein Geschenk oder Geschick ist, und nicht etwas, mit dem man stolzbrüstig prahlen kann. Die wirklich Außergewöhnlichen erkennt man an ihrer Stille, nicht an ihrem Geschrei.
@sonne-5273
Ja, ich finde Imaginationen auch als sehr gute Möglichkeit, gewisse festsitzende Muster oder Verletzungen im Unbewußten zu verarbeiten bzw. zu verändern. Das Unbewußte "denkt" ja nur in Bildern, bloße Gedanken, ohne jeden bildlichen Gehalt, sind völlig wirkungslos. Da kann man nachdenken, bis einem das Gehirn platzt.
Wenn man diese Imagination gut beherrscht, sich ganz in ein Bild, eine Szene hineinversenken kann, dann wirkt das - auf unbewußter Ebene - wie ein ganz reales Erlebnis und hat auch ganz dieselben Folgen.
Ach, in Deiner Imagination albern @Tempi und ich herum und spielen auf der Wiese

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Das könnte sogar sein. Vielleicht packe ich sie an den Fesseln, stelle sie auf den Kopf, da sie das ja so gerne hat, und lasse mir dann von ihr haarklein erzählen, wie die Szene aus umgekehrter Perspektive wirkt, also wie das aussieht, wenn beispielsweise Ysabell und Kontra auf der Luftmatratze scheinbar am Himmel hängen und nicht und nicht herabfallen wollen

. Obwohl sich Kontra in Wahrheit ja gar nicht im Wasser aufhalten würde, sondern den Ex-N. gleich in den Schwitzkasten nehmen und ihn Ema vermutlich augenblicklich mit ihrer asiatischen Kampfkunst zerbröseln würde

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Jedenfalls bin ich unter diesen bedrohlichen Aussichten immer entschlossener, lieber in der Truhe liegenzubleiben und mir so hoffentlich jedes Ungemach zu ersparen

. Außer, Tempi würde es einfallen, mir, an der Truhe sitzend, Gesellschaft zu leisten und mir ihre exorzistischen Liedchen vorzusingen

. Denn dann würde ich mich lieber sogar von Euch anderen niederprügeln und rupfen lassen, ganz Opferhahn für alle angestauten Emotionen

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