ysabell
Gast
@verliebtverliebt
fühle Dich von Ysa in die Arme geschlossen. Ist keine Floskel. Ich weiß, wie dramatisch sich so ein Abschied anfühlt, da hilft wahrscheinlich erstmal kein gutes Zureden, es braucht eine Zeit des Trauerns und Abschiednehmens. Nimm Dir diese Zeit und umsorge Dich gut. Genauso, als wärst Du körperlich sehr verletzt. Bei körperlichen Verletzungen sieht man ein, dass es kein Drumherum gibt, man wartet, bis man genesen ist. Beim Herzschmerz neigt man dazu, es zu übergehen.
Aber ich bin mit meinen fast vierzig Jahren an einem Punkt, an dem ich zwar um den höllischen Liebeskummerschmerz weiß. . . , doch. . . wie soll ich es bloß sagen? Die Liebe und damit meine ich nicht nur die Liebe zu einem Mann, sondern einfach Bindungen und ein etwas allgemeineres Gefühl der Liebe, ist etwas sehr wesentliches in jedem Menschenleben. Kein Mensch kann auf Dauer ohne Liebe leben. Dennoch glaube ich mittlerweile- nicht Theorie, sondern am eigenen Leib erlebt-, dass wenn man sein eigenes Leben- mit all den Zielen, Wünschen, Bedürfnissen, die man hat- sehr ernst nimmt, diesen Ernst auch fühlt, ein Mann, der einen verlässt, einem den Lebensssinn- oder wie sollte ich es nennen?- nicht nehmen kann. Das alles, und das ist doch etwas sehr umfassendes, kann unmöglich so sehr von einem einzigen Menschen abhängen. Natürlich verliert man während des starken Liebeskummers erstmal jede Lust auf einfach alles, das ist völlig normal, aber das eigene Leben ist nicht so abhängig von einem einzigen Menschen, bzw. das eigene Lebensglück sollte meiner Erfahrung nach, nie zu abhängig von einem Mann sein.
Ich habe gerade solch eine Sorge, dass das hart klingen könnte und Du mich missverstehst, ich schreibe Dir das aber ganz weich und voller Mitgefühl. Ich möchte Dir Deinen Kummer auch gar nicht wegreden, oder Dir vermitteln, dass er vergeht, wenn Du nur die richtigen Gedanken denkst. Nein, überhaupt nicht. Eher willich Dir dieses Gefühl der. . . der Aussichtslosigkeit? nehmen. Ich denke, dass Du Dein eigenes Leben vielleicht zu wenig ernst nimmst. Denn nimmt man es sehr ernst, kann es einem nicht durch einen Mann genommen werden. Ebenso wenig ganz gegeben werden- sofern der Wunsch in Erfüllung geht und die Liebe erwidert wird. Ja, man trauert dann nicht weniger, es schmerzt und schmerzt, aber man erlebt keine Aussichtslosigkeit und das Leben ist dennoch noch immer voller Sinn.
Ich komme wohl auf all diese nicht nachvollziehbaren? Gedanken weil ich mein Glück früher so sehr von der Mann-Frau-Liebe abhängig machte und das heute gar nicht mehr so empfinden kann.
Vielleicht bist Du an einem Wendepunkt in Deinem Leben? Du nimmst wahr, wie unbefriedigend Deine Situation mit Deinem Mann ist, was fehlt. . . , dass es so nicht weiter geht, und dieser andere Mann, der nun geht, hat da eine Lücke schließen können. . . Das ist ja auch okay so, aber wir geraten in Abhängigkeit, wenn wir uns selbst so wenig ernst nehmen, dass wir glauben, dass diese "Lücke" in unserem Leben nur durch einen Menschen geschlossen werden kann. Es fühlt sich verdammt gut an, wenn man erkennt, dass man selbst diese Lücke schließen kann. Auch wenn man noch nicht weiß, wie das geschehen soll.
Wer schrieb
Heißt Katastrophe übersetzt nicht auch Wendepunkt?
Das Folgenede ist echt keine Kopfgeburt, sondern meine Erfahrung. Früher kannte ich derartige Gedanken nicht: wenn heute ein Mann aus meinem Leben geht, tut es weh, Aaaaua! Da gibt`s nichts drum herum zu reden. Mit einem Mal keiner mehr da, der einen in den Arm nimmt, der so viel Freude bringt usw., aber heutzutage sehe ich nicht mehr nur den Verlust- ich hatte etwas und habe es nun nicht mehr- , ich fühle mich trotz dass ich es nicht mehr habe und darum trauere, beschenkt und bereichert. Ich habe wichtige Erfahrungen gemacht, und seien es nur wundervolle Liebesnächte. Und das bleibt in mir wie ein kleiner schatz- jaaaa, in einer Truhe
@sonne, Pferdediebin und Whynot
bitte entschuldigt, dass ich nicht wie versprochen meldete. Ich habe leider nicht den Schlaf der Gerechten geschlummert. Meine Tage waren so voll, mein Kopf und Herz ebenso voll. Sobald ich frei hatte, konnte ich nur noch rumliegen, nichts mehr tun. In mir geht so viel vor sich. Und wenn es zu viel wird, empfinde ich regelmäßig so etwas wie eine Mitteilungsresignation. Es ist zu viel und ich wüsste nicht, wo beginnen. Und für andere Themen ist in mir dann einfach kein Raum mehr.
Morgen kann ich erstmals ausschlafen, bin am frühen Abend tatsächlich in einen tiefen Schlaf gefallen und jetzt gerade aufgewacht.
Mir ging auch in Bezug auf unsere Themen hier so viel durch den Kopf, aber ich konnte es nicht mehr mitteilen. Einfach too much.
Es fällt mir z.B. schwer, hier weiter über all die Themen, die sich ergeben, zu schreiben, wenn ich weiß, dass es einen Konflikt zwischen Pferdediebin und Kontra gibt. Das kommt mir dann wie ein drüber hinweggehen vor. Andererseits weiß ich aber auch keine Lösung.
Natürlich, Verletzungen sind unvermeidbar, ich denke, gerade wenn man einen intensiven Kontakt hat, kann es schnell zu Empfindlichkeiten und Verletzungen kommen. Aber meinem Gefühl nach, braucht es dann auch eine Klärung. Hier aber habe ich das Gefühl, dass der Konflikt einfach weiter besteht und hier herum schwebt. Dann sich doch lieber mal anbrüllen und dann ist gut.
Liebe Sonne, ich habe die ganzen Tage an Dich gedacht. Habe mich schlecht gefühlt weil ich gerade Dir nicht antwortete. Du hast so lange gewartet, bis Du Dich hier gezeigt hast, hast von Deinen Ängsten des nicht wahrgenommen werdens geschrieben. Und nun habe ich Dir einfach nicht geantwortet. Aber ich habe Dich wahrgenommen
Es tut mir Leid.
Exkurs: Mein Go.tt bin ich froh, dass ich meine Worte zwischendurch gespeichert habe, denn eben war der ganze Text weg.
Du hast ja den Film Jenseits der Stille gesehen. Ich denke, dass er mich so berührt, weil es mein Lebensthema ist, mit dem ich zur Zeit wieder voll konfrontiert bin. Und ich merke, dass auch bei mir jetzt ein Wendepunkt gekommen ist. Ich muss etwas tun. Die anderen kann ich nicht verändern, aber ich selbst kann etwas verändern. Ich bin gerade schlagartig so stark mit unserem alten Familiensystem konfrontiert und sehe mit enem Mal meine Rolle darin sowas von klar. Es ist ernst, aber auch gut. Weil ich sehe, was ich tun kann.
Sogar in Therapie, die ja eigentlich nur noch gelegentlich ist, ging es, wie seit sehr langer Zeit nicht mehr, rund. Das hat mich sehr mitgenommen und gefordert. . .
Ach mist, es ist einfach daneben, ein Thema anzusprechen und dann selbst nicht mehr zu reagieren. Wir waren bei unseren Großvätern und den Kriegsenkeln, der Verhärtung usw. Es hat in mir bis zum Kollaps so viel in Bewegung gesetzt. Ich merke so deutlich wie noch nie, dass meine gesamte Familie, bis auf mich selbst, innerlich so lebt, als sei Krieg, oder so, als seien alle im KZ. Großes Leiden und keiner hilft. Das übersieht man ja im Alltagstreiben immer wieder. Jetzt ist es mir aber so klar. Die leben alle innerlich im KZ. Verlassene Kinder, die nach Rettung verlangen. Und ich habe immer eine innere Haltung gehabt, die mir nicht einmal bewusst war: wie kann ich so "banale" Dinge tun, wie mein eigenes Leben zu leben, wenn doch gerade Krieg ist? Wie rücksichtslos von mir. Einer der häufigsten Sätze in meinen Tagebüchern, die ich seit meinem 5. Lebensjahr führe, ist "Ich habe kein eigenes Leben". Seit Jahren schon schreibe ich diesen Satz nicht mehr in mein Tagebuch, dennoch ist das Thema noch lebendig. Wie kann ich es wagen, meinen Interessen nachzugehen oder nur mal lechtfüßig durchs Leben zu gehen, wo meine Familienangehörigen doch im"Krieg" sind, es um Leben und Tod geht?
Was für ein Irrsinn! Darum hat mich auch Arthur Millers "Alle meine Söhne" so berührt. Es ist unfassbar, dass wir unser Familiendrama an jede Generation weiter geben, wenn auch manchmal nur homöopathisch verdünnt
Gute Nacht @all
Ich weiß nicht, ob ich in nächster Zeit hier schreiben werde. Ich möchte euch aber nicht im Unklaren lassen. Dazu sind wir uns hier viel zu nah gekommen.
Oh je. Ich hoffe so sehr, dass Du nochmal zwischendurch hier liest, damit Du noch meine Worte aufnehmen kannst dazu.
Ich habe mich von Dir immer SEHR wahrgenommen gefühlt. Bitte versuche mich auch mit meiner Verantwortung für MEINE Gefühle - auch an der verletzten Stelle, die ich Euch hier mitgeteilt habe, zu sehen. Ysa, Du bist für Dich verantwortlich und ich kann auch damit umgehen, wenn Du mir mal nicht antwortest. Na und? Glaub mir - ich bin schon groß
Danke!

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