sonne-5273
Gast
wow, was Du Dir für viele Gedanken gemacht hast. Und für mich sehr interessante.
Zitat:Als Samantha geht, kann er mit einem Mal richtig weinen und ist imstande, sich auf so schöne Weise von seiner Exfrau zu verabschieden. Im Grunde gibt er seiner Exfrau das gleiche mit auf den Weg, was auch Samantha im mitgab, oder?
Ja. Genauso sehe ich das auch. Und seine Worte, die er schreibt finde ich so schön. er bittet sie um Verzeihung für all den Schmerz, den beide sich gegenseitig, aber den auch er ihr zugefügt hat, für alle Vorwürfe. Erkennt, dass er ein Bild von ihr sehen und hören wollte und nicht SIE, wie sie wirklich ist, weil er das eben noch nicht konnte. Und er dankt ihr dafür, dass sie ihn durch die gemeinsame Zeit mit zu dem gemacht hat, der er heute ist. Und dass er ihr heute dankbar dafür ist. Wo immer sie auch sein wird, wer auch immer sie sein wird, er sendet ihr Liebe. Und - dass sie seine Freundin bleibt - bis zum Ende.
Zitat:Ich habe übrigens durch meine eine lange Beziehung ähniche Entwicklungen wie Theodore durchgemacht.
Die Einsichten, die er zum Schluss hat, seine Fähigkeit in Liebe zu gehen usw., hatte ich auch erst durch viele Entwicklungsprozesse.
Das freut mich für Dich, Ysa. Ich hatte selbst mit Männern leider so eine sichere Bindungserfahrung noch nicht. Leider musste ich erst den Zusammenhang zu meinem Elternhaus verstehen. Ich habe mich aber entwickelt durch v.a. eine sichere Bindungserfahrung zu einer Freundin, die mich bedingungslos angenommen hat und vielen guten Therapieerfahrungen.
Vielleicht ist es aber auch irgendwie insofern verständlich. Du hast Dich doch bei Männern immer irgendwie sicherer gefühlt als bei Frauen, oder? Bei mir war es anders herum.
Zitat:Am Anfang empfand ich Samantha fast etwas mütterlich. Es geht nur um seine Bedürfnisse, die sie befriedigt. Sie spiegelt ihm, was er braucht, sie geht auf ihn ein. Sie wird immer eingeschaltet, wenn er sie braucht. Später beginnt sie eigene Bedürfnisse zu entwickeln, begenet ihm als Frau und funkt ihn an, statt nur selbst angefunkt zu werden und ab diesem Zeitpunkt scheint es zwischen S Und T zu kriseln?
Ja. Da gebe ich Dir genau Recht. Sie beginnt erst damit ihm mütterlich zu begegnen. Was auch ganz wichtig war für ihn, in meinen Augen. Und - stimmt. den Gedanken hatte ich noch nicht. Aber ab dem Moment, wo er auch - diese Mann/Frau Eben hinzukommt, kommt die Reibung. Interessant. Für mich lag in meinen Gedanken hier immer der Grund darin begründet, weil sie nunmal ein Rechner ist und bleibt und es zu S.. nie kommen wird. Übrigens sah ich hier die Parallele zu einer therapeutin. Hier kann es natürlich auch mal zu solchen Empfindung kommen, aber aufgrund der Rolle und der Besonderheit der endlichen Beziehung wird es niemals zu einer realen (natürlich auch nicht S.uellen) Beziehung kommen.
Zitat:ist mir etwas entgangen? Seine große Liebe ist doch seine Ex-Ehefrau, oder?
Wer Kathren ist, weiß ich gerade nicht mehr.
Nein. In meinen Augen hieß die Ex-Frau Kathrin.
Zitat:Das ist sehr interessant, ich kann es aber nur rational verstehen, auch wenn ich verstanden habe, dass Theodore erst nachdem er Samantha in sich "heinein genommen" hat, von seiner Ehefrau trennen kann.
Ist doch auch ok. Ich habe es auch erst emotional verstanden, als ich es gefühlt habe. Das geht mir mit so vielen Themen so. Da beschäftige ich mich mit etwas rational - zuletzt auch dieses Kriegsthema und wie es über die Generationen weitergegeben wurde, habe soviel darüber gelesen gehabt. und erst seit letztem Jahr ist es mir auch emotional total bewusst.
Zitat:Du glaubst nicht, was der Film alles in mir auslöste! Ich hätte ihn am frühen Abend schauen müssen weil ich nach Filmen nie direkt einschlafen kann. War danach derartig absorbiert vom Film, der Athmosphäre, das ich raus musste. Bin durch die Nacht spaziert, danach noch lange gelesen und dann am Morgen erst eingeschlafen.
oh weh. das kenne ich aber auch.
Zitat:Ich fragte mich, ob ich im Verborgenen noch immer nicht ganz die Verbidnung zu dem Mann gelöst habe, der mich an Theodore erinnerte. Ich will ihn wirklich nicht zurück. Das wäre wie eine Reise in frühere Entwicklungsstufen und fühlte sich alles andere als gut an.
Ich bin gespannt, was Du herausfindest. Aber vielleicht kommt jetzt auch einfach ein Mann, der Dir in Deiner jetzigen Reife ein gutes Gegenüber sein kann. Das wünsche ich Dir wirklich sehr! Ich weiß nur, dass Menschen mit autistischen Zügen ja v.a. im emotionalen Bereich große Probleme besitzen, was ich mir in einer Beziehung sehr schwierig vorstelle. Da müsste es doch emotional häufig zu Missverständnissen und wenig Momenten gefühlter Nähe kommen? Ich komme nur darauf, weil Du doch mal sagtest, dass Du autistische Männer anziehend findest. War das bei dem besagten Theodore-Ex auch so?
Zitat:Ja, so kann man es wirklich verstehen. Sehr interessanter Gedanke.
Andererseits stünden die Menschen vielleicht auch mehr in Beziehung, wenn es diese Operating Systems und anderes nicht gäbe. Es steht doch immer ein technisches Gerät zwischen den Menschen.
Wenn ich heutzutage Mütter sehen, die ihre Babys im Kinderwagen vor sich herschieben und gleichzeitig die ganze Zeit aufs Handy schauen oder wenn ich überhaupt Eltern und auch Paare mit ihren Kindern beobachte, die eigentlich die ganze Zeit auf ihr Handy schauen . da stelle ich mir das Szenario, wo und wie dieser Film spielt als logische Weiterentwicklung unserer heutigen Zeit vor. Ganz ehrlich. Über Blickkontakt und wertschätzendes Interesse und gleichbleibende gehaltene Aufmerksamkeit wird ja Bindung aufgebaut. Wenn alle immer nur noch ihr Handy anschauen, anstatt ihr GEgenüber. dann entstehen zwangsweise immer krassere Bindungsstörungen unter Menschen.
Die erlebe ich ja heute schon sehr extrem und bei der technischen Entwicklung derzeit, sehe ich die Filmszene als ultimativ gruselige Weiterentwicklung. wo es kaum mehr irgendjemanden zu geben scheint, der überhaupt noch Bindung kann. Deshalb kam ich auf den Gedanken, dass diese OS irgendwie eine Art positive Gegenbewegung darstellen könnten.
Zitat:Auch am Anfang in diesem S.chat steht die Technik zwischen den beiden Lustmolchen. Übrigens fand ich diese Szene zum Piepen, wenn auch völlig abgedreht bis gruselig. Was für eine Idee! Diese Frau, die heiß wird, wenn sie fantasiert mit dem *beep* der toten Katze gewürgt zu werdenDass die Katze tot sein muss, passt ja zur allgemeinen Beziehungslosigkeit. Zwischen der S.chatfrau und T entsteht nichtmal eine kurze Lustbeziehung. Er dient nur als Medium für ihre Fantasien.
Krass oder? Guck Dir CS an. da geht es ja schon ähnlich zu. Ich verstehe, dass es absolut ambivalente Gefühle in Dir auslöst. tut es ja auch. Absurd "komisch" und beklemmend zugleich.
Zitat:darauf wäre ich nie gekommen. Mir waren Samanthas Worte unverständlich. Sie sagt ja auch, das Herz sei keine Box, die irgendwann voll sei. Und sie liebt die anderen 6OO Menschen ja genauso wie ihn. Also fehlt da nicht die Exklusivität? Ich denke aber, dass ich das zu eng sehe und Du die Philosophie dahinter verstanden hast. Fühlt sich stimmig an.
Hier war ich auch eher wieder bei dem Therapeutengedanken. Da ist es für mich wieder stimmig. Aber 600 Menschen bezieht sich natürlich auch die Computerwelt. Auch in meinen eigenen Therapien musste ich irgendwann realisieren, dass mein Therapeut nicht nur Kontakt zu mir hat, sondern auch noch zu anderen Menschen. Dennoch ist er zu mir ernsthaft in Kontakt gegangen und hat mir wahrgenommen. War bei mir zumindest so. Aber ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als mir das zum ersten Mal in den Sinn gekommen ist.
Zitat:Was macht Samantha eigentlich für eine Entwicklung durch? Die habe ich nicht begriffen. Sie lernt diesen "hyperintelligenten" virtuellen Mann kennen und von da an verändert sie sich und geht schließlich. Wohin sie geht, habe ich nicht verstanden.
Mein Gedanke war, dass klar ist - dass es sich um eine endliche Beziehung handeln muss, da sie ja nun mal kein Mensch ist, sondern ein Computer. Sie werden nie ein Liebespaar werden, weil es eben nicht geht. Die Momente, in denen Beiden das immer klarer wurde - mal ihr - mal ihm - sie die Realität mehr sehen konnten - fand ich jedes Mal besonders traurig. Für Samantha bestand für mich die Entwicklung darin, mehrere Menschen zu lieben. Aber sie ist und bleibt ein OS. Diese Momente, wo die Unmöglichkeit durchschimmert, aber die Realität noch nicht ganz wahrgehabt werden kann, fand ich jedes Mal am traurigsten. Was den hyperintelligen virtuellen Mann angeht, da hatte ich gedanken an sowas wie . Supervision unter OS. echt witzig.
Danke Dir sehr für den spannenden Austausch. Ysabell
Allen Anderen hier, die nur Bahnhof verstehen, weil sie den Film gar nicht kennen, sorry für die Ausführlichkeit. Ich wünsche Euch Allen hier einen ganz schönen Restsonntag

(Falls das Datum stimmt.)
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