@Kontra
Zitat von Kontra:@verliebtverliebt
Ich habe gestern mit der Freundin eines mir sehr lieben Freundes ein Gespräch geführt, an das ich gerade beim Lesen deiner letzten Texte denken musste.. im Grunde ging es um den Respekt der gegenseitigen Entscheidungsfreiheit, und bei allem, was du dir an abwertenden und negativen Gedanken zu deiner Situation und seinen möglichen Gefühlen machst, denke ich gerade: Kannst du ihn das bitte selber entscheiden und bewerten lassen? Ihn selber denken lassen, ob er nur nett zu dir sein will und froh ist, dich los zu sein?
Du schreibst das so, als sei das völlig klar - dem ist meines Eindrucks nach aber nicht so. Bei allem, was du von seinem Verhalten bisher geschildert hast, erkenne ich nur eine Zurückhaltung, die auf sein Alter, seine Herkunft und die sehr spezielle Situation als Affärenmann und Mieter von dir/euch, zurück zu führen ist. Bis vor kurzem wusste er ja nicht mal von deinen Gefühlen, soweit man das von außen beurteilen kann. Klar, für dich ist das alles super offensichtlich, aber für ihn? Vielleicht fragt er sich auch: Was möchte diese tolle Frau eigentlich von mir? Ich bin viel jünger, ich bin abhängig von ihr, vielleicht bemitleidet sie mich auch einfach nur? Denn: du bist nach wie vor verheiratet, warst lange nicht ehrlich wegen deiner Gefühle. Ich wäre mir da nicht so sicher, dass du ihm egal bist, sondern würde eher eine gleichermaßen starke Unsicherheit auf seiner Seite vermuten..
Nur mal ein paar Gedanken von hier.
Vielen Dank, Kontra, für deinen Beitrag! Er hat mich sehr nachdenklich gemacht.
Das, was ich in sein Verhalten reininterpretiere, sind alles meine Projektionen.
Ich versuche ja, auch das für möglich zu halten, was ich nicht für möglich halte.
Aber inwiefern mir das gelingt, kann ich schlecht beurteilen.
Sind die Empfindungen / Einschätzungen im zwischenmenschlichen Bereich nicht vielleicht ALLES nur Projektionen des eigenen Denkens?
Als Beispiel der Streit mit meiner Freundin, die MIR haargenau das vorwarf, was SIE selbst ist. Also offensichtlich.
Oder ich schrieb gestern:
Zitat von verliebtverliebt:Sondern ich würde mich freuen, wenn es sich in die Richtung verändern würde, dass er ZEIT mit mir verbringen möchte. Ja, das fühlt sich richtig an, das ist es. Glaube ich. Wenn er sich mit mir WOHLFÜHLEN würde.
Aber wenn ich genau überlege, müsste es heißen:
"Sondern ich würde mich freuen, wenn es sich in die Richtung verändern würde, dass
ich ZEIT mit ihm verbringen möchte. Ja, das fühlt sich richtig an, das ist es. Glaube ich. Wenn
ich mich mit ihm WOHLFÜHLEN würde."
Da liegt der Hase im Pfeffer! Ich habe nämlich festgestellt, dass ich vor ihm Angst habe, dass ich flüchte, dass ich mich zurücknehme aus Angst, aus Unsicherheit was auch immer. Und ich verlange immer, dass er kommt, dass er die Entscheidungen trifft, dass er die Initiative ergreift. Und er hat es ja am Schluss ausschließlich getan. Aber er HAT es getan. Das ist doch eigentlich eine richtig starke Leistung von ihm. Ich fühle mich von ihm erzogen wie ein Kind. Er hat mir gezeigt, wo seine Grenzen sind, wo meine Grenzen zu sein haben. Auf leise, bestimmte Art. Und ich habe gehorcht. Ich bin durch kleine Dinge gleich eingeschüchtert und begehe kein zweites Mal etwas, was ihn vielleicht stören könnte. Vielleicht bin ich zu gehorsam?
Und ab heute werden unsere Treffen, sollten sie stattfinden, auf einer ganz anderen Basis stattfinden. Vielleicht muss sich unser Verhältnis neu entwickeln. Wenn ich zu ihm fahre, gibt es z.B. viel weniger Anlass, über irgendwelche sachlichen Dinge wie Reparaturen oder ähnliches zu sprechen. Worüber unterhalten wir uns? Wie ist es, wenn er Gastgeber ist? Es wird ganz anders sein. Das ist nicht so leicht für mich, ich muss es aber mal ausprobieren.
Zitat:warst lange nicht ehrlich wegen deiner Gefühle.
Das stimmt so nicht so ganz. Ich habe ihm mehrfach meine Gefühle offenbart. Aber nie so theatralisch fordernd. Am Schluss jetzt, da habe ich ihm oftmals Leichtigkeit und Sorglosigkeit vorgespielt, um unser Zusammensein nicht zu beschweren. Aber ansonsten weiß er schon Bescheid, dass er mir sehr viel bedeutet.
Tag des Abschieds IIIch würde sagen, mein Bestellzettel an das Universum ist komplett erfüllt. Es ist die Frage, ob die Bestellungen tatsächlich funktionieren, oder ob ich schon im voraus unterbewusst weiß, was kommen wird und die Bestellung eine Folge meines Wissens ist. Ich tippe auf ersteres.
Heute ist wirklich ein richtiger Abschiedstag. Ich musste nämlich zu einer Beerdigung. Eine relativ junge Arbeitskollegin ist heute bestattet worden. Mir war wirklich ganz und gar nicht danach, hatte ich selbst schwer mit dem Thema Abschied zu tun, und ich hatte sogar schon überlegt, nicht zur Beerdigung zu fahren.
Heute Morgen gegen halb elf klingelte es an unserer Haustür: ER!

Ich hatte nicht mit ihm gerechnet. Gestern hatten wir noch Sperrmüll rausgetragen. Er sah umwerfend aus in seiner Arbeitskleidung. Das Sperrmüllraustragen ging ganz schnell, und es kam keine gute Unterhaltung zustande. Zum Schluss fragte ich noch verzweifelt nach ein paar Zig. und dann fuhr er, wollte am Sa. wiederkommen, um den Rest zu erledigen. Ich blieb verlassen auf der Straße zurück.
Deshalb war ich überrascht, als er heute vor der Tür stand. Mit einer riesigen Blumenpflanze, in Zellophan eingewickelt. Er wollte sich bei mir entschuldigen dafür, dass die Woche so schlecht lief, dass er so wenig Zeit hatte. Ich war richtig gerührt und wusste gar nicht, was ich sagen sollte. Jedenfalls hat er nochmal wiederholt, dass wir weiter in Kontakt bleiben werden, dass ich auch durchaus spontan bei ihm vorbei kommen kann und einfach klingeln. Ich habe ihn umarmt und mich so gefreut. Und auch nochmal betont, dass ich ihm überhaupt in keinster Weise böse bin. Nur eben schwer traurig, aber es werde schon. Ich hätte ja jetzt meinen Roller und meine ganzen Hobbies, und irgendwann könnte ich ihn vielleicht auch ein bisschen vergessen. Aber nur ein bisschen. Ja, und dann musste ich los, und er hat das Häuschen besenrein gemacht.
Als ich von der Beerdigung kam und die Dorfstraße entlangfuhr, kam er mir mit dem Auto entgegen, wir fuhren langsam aneinander vorbei, lächelten uns zu, und ich wusste nicht, dass er jetzt fertig ist und die Schlüssel schon dagelassen hat. Ich kam von einem Abschied und ich fuhr zu einem Abschied, ohne anzuhalten.
Und am Abend fühlte ich mich zum ersten Mal seit langer Zeit ruhig und entspannt. Mit der Blume hat er mich beruhigt. Und ich genoss die Wärme und das friedliche Beisammensein mit Mann und Katzen vor dem Fernseher, hatte Lust zum Lesen und zum Telefonieren und dachte: Es wird schon!