Hallo ihr Süßen,
ich kann leider gerade nur ein bisschen texten
@pferdediebin
Zitat:Es gibt übrigens Kinder, die nie Krabbeln, sondern "Shuffeln", so nennt man das. Die bewegen sich so seitwärts im sitzen vorwärts, wobei sie ein Bein als Stütze angewinkelt lassen. das sieht tatsächlich nicht besonders elegant aus. Aber behindi?
Vielleicht war das damals noch nicht so bekannt?
Ich krieg schon wieder Aggressionen.
ich weiß was Du meinst

Habe Babies gesehen, die "Shuffeln", aber auch dazu war ich nicht imstande. Ich war schon echt behindi. War ja auch bei diversen Docs samt Hirndurchleutung usw. Und es hat ja Jahre der Körpertherapie, dann bis vielleicht. zum 16 Lebensjahr Krankengymnastik und einiger andere Dinge gebraucht, damit ich aufgepäppelt wurde.
Sollten wir uns mal treffen, werde ich Dir vormachen, wie ich z.B. als Baby aß. Diese typischen verdrehten Bewegungen eines behinderten Kindes.
Aber ich neige ja dazu, in fast allem Problematischen auch, gewiss nicht nur, etwas positives zu finden. Und so denke ich, dass meine Behinderung automatisch Nachsicht bei den Erwachsenen auslöste. Also Schonung. Zudem wurde ich später u.A. von meiner Körpertherapeutin sehr viel berührt, was es Daheim nicht gab.
@prisma
Zitat: dass jeder Mensch zur Selbstreflexion fähig ist?
nein
Zitat: Dass jeder Mensch ein Gewissen hat?
nein
Zitat:Hat dich das nicht gestört, dass du dich ihm angepasst hast?
naja, das war keine große Anpassungsleistung, habe es nur in seiner Wohnung gemacht, aus Respekt sozusagen. Würde ich überall machen, wo ich zu Besuch bin. Habe halt wenn ich bei ihm war hinter mir selbst her geräumt oder meine Schuhe vor der Tür ausgezogen. Ansonsten lebte ich ja genau so weiter.
Zitat:Hast du das denn lange aushalten können?
ich fands dennoch anstrengend, ja, weil es uns viel Zeit raubteund Spontanität blockierte. Ich bin so ein Typ, der z.B. Sonntags im Bett frühstückt, alles liegen lässt und raus. Wir haben dann aber stets 1-2 Stunden aufgeräumt und dann erst raus. Fand das blockierend.
Zitat:Ja, du hast Recht, das ist ganz normal, dass man sich so fühlt, wenn man es nicht gewohnt ist. Hast du die neue Gewohnheit dann beibehalten oder bist du doch wieder zur alten zurückgekehrt?
Beziehst Du das aufs Aufräumen? Denn das habe ich ja nie zur Gewohnheit gemacht
Aber andere Gewohnheiten schon, wie z.B. das Lernen, oder auch Meditieren. Ich bin ja ein fiebriger Grübler. Anfangs fiel es mir verdammt schwer für z.B. 1 Stunde mal den Denker auszuschalten, später lief es wie von selbst.
Ich glaube, dass man sich bei vielem neuen zunächst etwas disziplinieren muss und schließlich findet man Gefallen dran. So doch z.B. auch wenn man mit irgend einer Sucht aufhört oder anfangs vielleicht nur Sport macht, um schlanker zu werden und plötzlich merkt man- hui! Es macht ja Spaß!
Zitat:Ich habe drei Jahre später als du angefangen, Tagebuch zu schreiben, allerdings habe ich mich selbst belogen, habe meine Erinnerungen verfälscht, mich selbst manipuliert, weil ich mir meine Taten nicht eingestehen konnte. Ich habe früh erkannt, dass mit mir etwas nicht stimmt, dass ich anders bin als andere, und ich fand es....toll. Ich wollte nicht so sein wie jeder, ich habe mich oft für etwas Besseres gehalten und wenn es schlimme Sachen waren, so dachte ich "Hauptsache nicht so wie jeder andere!" Ich wollte mich selbst bemitleiden, wollte das Opfer sein und im selben Moment die Königin, zu der jeder aufblicken kann. Ich bin eine Perfektionistin geworden, weil ich keine Fehler machen will.
natürlich könnte man das jetzt analytisch auseinander nehmen, es bewerten, Deine Einsamkeit darin sehen uvm., aber das erste, was mir in den Sinn kam, als ich das las, war, dass Du doch zunächst einmal als Kind Dein eigenes kleines Königreich in diesem Tagebuch und auch im Denken errichtet hast. Und das halte ich für einen gesunden Impuls, wenn ein Kind es besonders schwer hat. Ganz ähnlich wie in manchen Märchen. Ein kleiner Potagonist, der sich allein durch die Welt schlagen muss und ungehnte Kräfte entwickelt, auf Drachen davon fliegt, übermähtige Feinde besiegt, fabelhafte Begleiter findet, zaubern kann uvm.
Mich berührt das.
Stell Dir mal ein fremdes acht oder auch zwölf jähriges Mädchen vor, die Dir das erzählt, was Du oben geschrieben hast.
Was würdest Du denken oder fühlen?
Zitat: Ich bin eine Perfektionistin geworden, weil ich keine Fehler machen will. Und Fehler möchte ich nicht machen, weil ich sie mir nicht eingestehen kann, genauso wie ich mir nicht eingestehen kann/konnte, im Unrecht zu sein. Ich habe wirklich eine zeitlang gedacht, dass ich Dinge besser weiß als andere, dass die anderen keine Ahnung haben. Ich habe hohe Arbeitstiere bewundert und mir gedacht, wenn der das schafft, schaffe ich das auch. Heute weiß ich, dass ich es nicht besser weiß als andere, aber es fällt mir immernoch schwer, Fehler zuzugeben. Schwächen kann ich allerdings zugeben, habe gelernt, meine Fähigkeiten/Kompetenzen besser einzuschätzen. In meinem Tagebuch habe ich oftmals von Ungerechtigkeiten geschrieben, auch darüber, dass ich Liebe möchte, aber nicht bekomme, von falschen Freunden usw. Da Gefühle immer ins Lächerliche gezogen worden sind, habe ich materiellen Dingen stets einen höheren Wert beigemessen.
echt faszinierend- Du scheinst genau den entgegen gesetzten Pol gewählt zu haben. Ich bin auf der anderen Seite der Medaille gewesen und hab`s auch dort übertrieben: ich bin blöder als alle anderen,; wenn der es schafft, schaffe ich es nimmer!; Gefühle über alles! Hohe Arbeitstiere nein danke!; man verschone mich mit allem materiellen! Ich brauche nur Luft und Liebe!; erstmal den Fehler bei mir suchen usw.
