Zitat:So etwas hormonisiert mich einfach überhaupt nicht.
Juhuuu! Unser Threadvokabular wächst!
Zitat:Also entweder Du täuscht Dich grundsätzlich oder ich wäre in diesem Punkt ausnahmsweise die Ausnahme eines Mannes.
Ich nehme mal an, dass Du eine der wenigen Ausnahmen bist. Ich weiß schon, dass auch Männer auf gewisse Weise der Liebeswahnsinn befällt. , ein Freund von mir war z.B. nach einer Weile richtiggehend wütend auf mich weil ich seine Gedanken so einnahm, dass er über Monate an Schlafmangel litt. Aber dennoch meine ich, dass es diesen Unterschied ziwschen Mann und Frau gibt. Habe auch oft davon in Psychobüchern gelesen. Beweisen kann ich es natürlich nicht, dennoch schien es mir schon als Teenie so zu sein. Ist mir damals stark aufgefallen weil ich ja einerseits ständig mit der Jungstruppe meines Bruders unterwegs war, andererseits mit meinen Mädels. Das war ein Unterschied wie Tag und Nacht und der Wunsch, diesbezüglich innerlich wie ein Junge zu ticken, nahm ernsthaft neurotische Ausmaße an.
Ich habe ein prägendes Bild aus Teeniezeiten im Kopf: Hochsommer, alle zusammen im Stadtpark. Die Jungs spielen Fußball und sind ganz offensichtlich mit ihrer Aufmerksamkeit komplett bei dem, was sie tun. In diesem Fall Fußball. Zeigte sich aber auch bei anderen Tätigkeiten. Die Mädchen saßen auf einer Picknickdecke und haben über die Jungs geredet. Das hat in mir solch einen Groll ausgelöst, dass ich damals aufsprang und meine Freundinnen zum Spiel animierte. Vergeblich.
Die Jungs waren also auf eine Sache konzentriert, die Mädchen auf die Jungs.
Mein egener Bruder war schon immer auch ein Liebesbesesseer, also sehr intensiv, dennoch ging er genauso besessen seinen Interessen nach und war dann ganz bei der Sache. Dadurch hat er unglaublich spannende Dinge erfunden. Ich schrieb derweil Liebesgedichte- also wieder der Bezug zum Mann.
Heute ist das nicht mehr so bei mir, aber wenn ich richtig doll verliebt bin, verblassen meine Interessen eine Weile ein wenig.
Generell habe ich schon den Eindruck, dass Frauen tendenziell beziehungsorientierter sind, auch in ihren Freundschaften. Das Soziale, sich miteinander wohl zu fühlen, Anteilnahme, Harmonie usw. scheint stärker als beim Mann ausgeprägt.
Ausnahmen selbstverständlich mitgedacht.
Und da ich nun einmal weder die Liebe, noch die wahre Freundschaft für ein häufiges Phänomen halte, finde ich es nicht besonders sinnvoll, die meiste Energie dort hinein zu stecken.
Mir scheint ein "Nerd-Leben" seit jeher am erfüllensten, wie auch immer es aussehen mag. Ganz in einer Leidenschaft zu leben und aufzugehen. Sei es Musik, Malerei, Wissenschaft usw.
Und wenn man dann das Glück hat, einmal wirklich zu lieben und einen wirklichen Freund zu haben, oder vielleicht. sogar eine tolle Familie, ist das Glück vollkommen- natürlich immer nur fast
In jungen Jahren habe ich wirklich ständig an die Liebe gedacht, es war leider wohl sogar mein Hauptlebensinhalt. Das bedaure ich sehr weil ich es schlicht für Lebenszeitverschwendung halte.
Und sicherlich war ich auch so sehr auf die Liebe bezogen weil ich sie bei meinen Eltern vermisste.
Ich habe meinen Frieden damit, aber darum genieße ich heute das bloße Verliebtsein wenig. Sie zieht alle Aufmerksamkeit auf das Objekt der Begierde. Es sind andere Dinge, die die Liebe wertvoll für mich machen.
Tja, und so kommt es wohl auch, dass ich mich stets von nerdigen Männern angezogen fühle. Männer, bei denen ich wirklich spüre, dass sie für ihre Sache brennen. Dann dürfen sie gerne auch in der Verliebtheitsphase etwas durchticken
Wenn ein Mensch ganz in seinen Interessen lebt, löst das bei mir eine unwiderstehliche Anziehung aus, auch bei Frauen. Kommt ja auch bei ihnen vor. Ich kann dann körperlich ein richtiges Sehnsuchtsbrennen in mir spüren.
Zitat:Ich bin nämlich im Zustand der Verliebtheit durchaus nicht im Libido- oder Logosmodus. Sondern ich knalle mindestens so vollkommen durch wie Du. Auch ich kann dann an gar nichts anderes mehr denken, ich bin sogar beruflich dann völlig gelähmt, weil mir jede in diesem Sinne brauchbare Kreativität ganz verloren geht. Es ist tatsächlich nichts anderes als eine himmelsdavongetragene Totalverblödung, anders kann man es nicht nennen.
Ja schau. Und ist das etwa ein Genuss?
Darum kann ich nicht nachvollziehen, dass manche Menschen sogar Sehnsucht danach haben, ständig verliebt zu sein.
Und so schlimm war es bei mir nie. Es ist weniger so, dass ich nur noch an den Mann denke, wie ich gestern schrieb, ich "fühle" ihn einfach dauernd und mein körperlicher Chemiecocktail ist völlig durcheinander.
Ich erinnere folgendes bei einem Exfreund: Wir trafen uns oft Freitags nach Feierabend und verbrachten das Wochenende bei ihm. Monatgs musste er immer um 5h aufstehen, ich aber erst um zehn. Ich stand also mit ihm auf, ging Heim, versuchte meinen Tag zu starten, mein ganzer Organsimus war aber derartig im Liebesmodus, dass ich ernsthafte Schwierigkeiten hatte, in meinen Alltag zurück zu finden. Meistens habe ich dafür bis Mittwoch oder Donnerstag gebraucht. Ich spürte richtig, wie ich dann wieder ruhig und bei mir war. Tja und am Freitag traf ich ihn schon wieder. So schaffte ich nur meine nötigsten Verpflichtungen und kam in dieser Zeit keinen Schritt weiter, was mich echt zur Verzweiflung trieb. Liebe kann für mich kein Lebensinhalt sein. Es war nichtmal Liebe, sondern Verliebtheit, was es noch schlimmer machte.
Damit ich das ganze als "wertvoll" empfinde, braucht es viel mehr, als die gemeinsamen Verliebtheitsgefühle, nämlich gemensame Inhalte, Interessen. Sonst laufe ich in der Liebe irgendwie ins Leere. Es fühlt sich ernsthaft wie eine Entleerung an. Das möchte ich nie wieder erleben. Einfach nur im Gefühl zu leben, finde ich etwas wenig. Und langweilig!
So wollte ich ihn halt seltener sehen weil mich das alles frustete. Und ihn frustete es, mich so selten zu sehen. Er vermutete einen anderen Mann. Oh man, dabei reichte mir einer vollkommen, ja, es war schon zu viel.
Zitat:Gerade beim letzten Mal, also wegen der Ex, deretwegen ich hier angelandet bin, habe ich einen richtiggehenden Webervogelvogel bekommen und habe über Monate, ehe wir uns überhaupt gesehen hatten, wie verrückt Nest gebaut. Das war echt der reinste Irrsinn! Mich wundert, daß vom ursprünglichen Haus überhaupt noch etwas übriggeblieben ist.
Zitat: Noch dazu war das in der kälteren Jahreszeit, Februar, März, April, und ich habe draußen in der Kälte gefräst und geschraubt und geschnitten usw. wie ein festgefrorener Eisnarr. Ich kann das selber gar nicht fassen, wenn ich daran zurückdenke.
Ja, im nachhinein fasst man sich an den Kopf
Zitat:Wäre ich da nur von der Libido oder vom Logos beherrscht gewesen, hätte ich mich lediglich kurzfristig um die Bettstatt gekümmert, also meinetwegen das Bett frisch überzogen und zwei Kerzen auf den Nachttisch gestellt und zuletzt noch eine Flasche Champagner und zwei Gläser. Aber so war das eben gar nicht, sondern ich bin von einem umfassenden Nestbauwahn befallen worden.
In diesem Sinne habe ich mich auch gewaltig zum Affen gemacht, Schwesterchen im Geiste!

Bei Aszendent, den Du ja nicht weißt aus Zeitgründen, würde ich bei Dir übrigens auf Widder tippen - ein kleiner großer Hansdampf in allen Gassen, der vor Tatendrang weder so richtig zum Schlafen noch zum Essen kommt, wie ich vermute

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Aber sag doch mal, hat Dich dieser Zustand damals glücklich gemacht?
Zitat:Ich darf heute eine Speisesaal-Eisenbahn durchschauen und reparieren.
eine ganze Speisesaaleisenbahn?! Oder nur ein Abteil?
