@pferdediebin
Also ich finde nicht, daß Du in ein Fettnäpfchen getreten wärst.
Ich interpretiere es auch nicht im Sinne von "verantwortungsvoller Mensch". Ich habe zu meiner Mutter nicht einmal irgendeine besondere Beziehung, auch schon als Kind hatte ich die nicht. Bei mir ist es schlichtweg so, daß ich nie vor den Dingen davonrenne, egal, in welchem Zusammenhang. Und wenn etwas nun einmal so ist, weil es eben das Leben so mit sich bringt, dann ist es so, unabhängig davon, ob mir das immer gefällt oder nicht. Letztlich kann man sich ja weniger aussuchen, als man zumeist glaubt.
@Elerya
Mir scheint, daß Du innerlich selber ziemlich verunsichert bist, also was Beziehungen betrifft. Mir kommt vor, wenn ich das so lese, als würdest Du etwas vermeiden wollen. Also vielleicht zu große Nähe oder Abhängigkeit oder auch ein mögliches Verlassenwerden. Oder vielleicht denkst Du Dir irgendwo auch, es könnte ja vielleicht einen noch passenderen Partner geben als jenen Mann, den Du jeweils kennenlernst.
Vielleicht ist Dir auch einfach noch nicht der Richtige begegnet, bei dem dann gleich alle Kerzen auf dem Adventkranz hell entflammen und man Weihnachten gar nicht mehr erwarten kann

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Auf jeden Fall würde ich mich, was Liebe und Beziehung betrifft, hier schon von der eigenen Intuition leiten lassen und nicht von äußeren Ratschlägen oder Einschätzungen.
Was ich mich frage, ist, ob Du überhaupt wirklich eine Beziehung willst, oder ob es hier vielleicht eher darum geht, daß es nach den allgemeinen Maßstäben üblich ist, eine Beziehung zu haben, oder um andere Motivationen, die eigentlich nicht wirklich etwas mit Liebe zu tun haben. Vielleicht fühlt es sich deshalb dann nicht wirklich stimmig an.
@ysabell und @Ned
Wenn ich Eure Diskussion so verfolge, habe ich den Eindruck, daß Ihr deshalb auf keinen grünen Zweig kommt, da Ihr, wenn ich mich nicht wieder irre, von zwei ganz verschiedenen Dingen redet.
Soweit ich es verstanden habe, meint Ned ja mehr diese "Aufreißmöglichkeiten", und hier würde ich schon auch sagen, daß es Frauen wesentlich leichter haben. Denn da genügt es tatsächlich, mit dem A. zu wackeln und schon kommen die Kerle angerückt erhobenen Mittelstücks. Das kann man nicht verleugnen. Zudem ließe sich dazu auch leicht der Beweis erbringen: ein paar entsprechende Anspielungen auf einem einschlägigen Portal und vielleicht noch ein Minirockfoto und das Postfach wäre voll. Einem Mann würde das niemals gelingen, setzt er auf dieselbe Masche. Der müßte, um auch nur halb so erfolgreich zu sein, auf ganz andere Anreize setzen als auf s...elle. Wobei das real dann aber nur funktioniert, wenn er diese dann auch tatsächlich bieten kann. Denn vom Ferrari zu schreiben und dann mit einem Moped anzurücken würde die Anziehung wohl gleich ins tiefste Minus absacken lassen

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Ich bin nun ja nicht mehr in der Welt, aber zu früher Zeiten, als das noch ganz anders war, habe ich selber erlebt, daß auch Frauen - und nun muß ich einmal uncharmant werden -, bei deren Anblick einem nichts anderes als der blanke Schrecken in alle Glieder gefahren ist, immer Männer hatten, wenn sie das wollten. Bei Männer in einem ähnlich Zustand war das hingegen nicht so, außer eben, sie hatten etwas anderes Begehrenswertes zu bieten. Ich würde sagen, schätzungsweise ab Baumeister wird es auch für einen Mann etwas leichter.
Das andere aber ist, wenn es tatsächlich um Liebe geht und nicht bloß um irgendwelche mehr oder weniger oberflächlichen Anreize. Denn in diesem Fall bringen weder A.gewackle noch Ferraris auch nur das Geringste ein. Liebe gehört sozusagen einer Welt an, die nicht von dieser Welt ist und daher auch nicht auf diesen Fährten dahergewandelt kommt. Sondern hier muß man schon tief ergriffen werden vom Wesen eines Menschen, und was der ist und hat und tut und macht spielt dann keine Rolle mehr. Da geht es um Gefühle, deren Herkunft wir gar nicht ermessen können (auch wenn das gerne versucht wird), und eben nicht bloß um Instinke oder Defizitausgleichungen oder Normanpassungen oder Bequemlichkeiten usw.
Und hier bin ich auch ganz der Meinung von @ysabell und @ema: Entweder die Liebe bricht eben aus, durchaus wie eine Art Wahnsinn, oder sie bricht eben nicht aus. Auch wenn es ja unter anderem die Meinung gibt, Liebe könne auch etwa aus einer Freundschaft erwachsen. Oder auch, wie in anderen Kulturen, in denen es noch die Zwangsheirat gibt, die Liebe komme dann schon mit der Zeit. Aber all dies halte ich eher, falls sich gefühlsmäßig überhaupt etwas tut, für eine Art Stockholm-Syndrom oder auch ein eigenes Schönreden (so nach dem Motto: "bei anderen ist es auch nicht anders", und irgendwelchen abgehalfterten Beziehung begegnet man ja an jeder Ecke).
Ja, @ysabell , dann scheine ich vielleicht eine Ausnahme zu sein. Denn mich kann dieser Liebeswahnsinn derart erwischen, daß ich mich tatsächlich selber nicht wiedererkenne. Ich werde dann fast selber zum Blumensträußchen

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Das wird wohl stimmen, daß Frauen im Allgemeinen beziehungsorientierter sind als Männer. Ich glaube, das liegt aber auch an der Urnatur dieser verzwickten Sache, weil im Hintergrund vielleicht doch auch diese Nachwuchssorge mitschwingt. Und zu früheren Zeiten war der Mann - insbesondere auch für den Nachwuchs - mehr oder weniger überlebenswichtig.
Umgekehrt: in jenen Kulturen, in denen der Mann, als Vater, mit dem Nachwuchs gar nichts zu schaffen hat, sondern Brüder, Onkel und andere männliche Anverwandte für die Kinder einer Frau sorgen (und insgesamt die Familie der Frau), gibt es auch von seiten der Frau nicht diesen Beziehungsdrang, und insgesamt geht es dann auch viel freier und entspannter zu. Daher gehe ich davon aus, daß diese Beziehungskrämpfe ganz wesentlich mit unserer schrägen Art des Familienverständnisses zu tun haben. Wenn es nur noch Mutter, Vater, Kind gibt, dann geht es gefühlt ja ums Überleben. Und hinzu kommt ja noch die nicht weniger schräge Meinung, ein Kind brauche Mutter und Vater. Das kann ja nur zu Krämpfen führen.
Ja, ich habe ja nicht gesagt, es sei ein Genuß, so völlig von der Rolle zu sein

. Auch habe und hatte ich ja nie den Drang, dauernd verliebt sein zu wollen. Bei mir war es praktisch immer so, daß ich sozusagen am falschen Fuß erwischt worden bin - und wenn das passierte, war ich verloren

. Ich habe selber ja auch gar nie gesucht, sondern manchmal ist es einfach passiert, wie schicksalsmäßig.
Und wie glücklich mich dieser Zustand damals gemacht hat, also jener des Nestbauwahns! Ich wollte ja ein richtiges kleines Paradies erschaffen, und immer, wenn wieder etwas geschafft war, habe ich mich zutiefst zufrieden gefühlt und habe wahrscheinlich die halbe Nacht und noch im Schlaf gelächelt. Ich weiß selber nicht, weshalb das damals dermaßen ausgeartet ist - aber es war so, als würde ich an unserem gemeinamen Lebensglück bauen und der Nestbau sei nur die äußere Erscheinung davon. Zu dem Zeitpunkt gab es für mich gar nichts anderes mehr als dieses gemeinsame Lebensglück. Zudem kann ich selber nur dann glücklich sein, wenn es auch die Geliebte ist, und das hat mich in diesen ganzen Wahnsinn hníneingetrieben.
Es heißt offenbar nicht umsonst: Im Wahnsinn liegt die Wahrheit.
