Zitat von thegirlnextdoor: Mit älteren Kindern wäre so ein Modell ohne direkte Übergabe eine sehr feine Sache!
Zitat von thegirlnextdoor: Generell ist es natürlich eine super Sache, wenn BEIDE noch so viel Verantwortung tragen wollen
Zitat von NineNinchen: Wo es funktioniert ist es super.
Na ja, ich sag mal so, als ehemaliges betroffenes zerrissenes Scheidungskind, mit dem Wechselmodell ist das wohl so eine Sache, die gut für die Eltern ist, und ihnen , bzw. einem Elternteil, ggfs auch Geld spart, aber ob das für jedes Kind so optimal ist, da habe ich ehrlich gesagt meine Zweifel...
Mag natürlich sein, dass es auch auf das Kind selbst drauf ankommt, ob es damit zurechtkommt oder eher nicht so.
Zitat von HerrZ: Ich mag mal das 50/50 Modell vorstellen, was wir damals versuchten.
Mo-Mi: A
Mi-Fr: B
Fr-Mo: A/B wechselweise
Gibt einen 2/5 Rhythmus.
Ferien
1. Hälfte Sommer, Herbst, Silvester: A
Ostern, 2. Hälfte Sommer, Weihnachten: B
Im Folgejahr Wechsel.
Keine direkten Übergaben, sondern nur Wechsel der Verantwortung um 12:00. Kids gingen nach Schule zu wer dran war
Ich muss sagen, dass ich das ganz toll finde, dass Du als Papa so um Deine Kinder gekämpft hast. Dafür hast Du meinen vollen Respekt. Hätte ich mir das aussuchen können als ich klein war, hätte ich auch meinem Papa den Vorzug gegeben, glaube ich, und wäre wohl lieber bei ihm gewesen und groß geworden. Rückblickend gesehen wäre das auch tausendmal besser für mich und mein Leben gewesen, und hätte mir wohl sehr viel Kummer und Leid erspart. Aber damals, als ich noch klein war, kamen Kinder nach einer Scheidung bis auf extrem seltene Ausnahmefälle fast automatisch immer zur Mutter, und ein Kind hatte kein Mitspracherecht. Heute werden ja auch schon recht kleine Kinder dazu befragt, aber früher war das noch nicht so. (Na ja, aber das wäre wohl auch aufgrund der Berufstätigkeit meines Vaters nicht machbar gewesen).
Wie gesagt, es mag individuell sein und auch auf das jeweilige Kind ankommen, aber mich hätte dieses Wechselmodell als Kind komplett aus der Bahn geworfen (was eine Splittung der Familie für die meisten Kinder ja per se schon macht) und ich glaube ziemlich sicher, auch noch mehr zerstört...
Ich war niemals wirklich in solch einem Wechselmodell drin, das gab es früher so auch noch nicht, aber ich war hin- und hergerissen zwischen diversen Aufenthaltsorten, Mama, Papa, Oma, Tante, später dann vorwiegend das Haus vom zweiten Mann meiner Mutter... ehrlich, auch wenn dort überall vertraute Verwandte waren, mich hat das nachhaltig komplett innerlich zerrissen. Ich habe dadurch meine "Wurzeln" verloren, diese Zerrissenheit und ständige innere Unruhe, das Gefühl, niemals irgendwo ein richtiges Zuhause zu haben, dass mir jederzeit alles wieder weggerissen werden kann, mein Kinderzimmer und alles, und später alles andere, dieses Gefühl ist mein Leben lang geblieben, letztendlich bis heute, und das liegt weit über vierzig Jahre zurück...
Das hat mein gesamtes Leben beeinflusst, und da zusätzlich die Beziehungen zu den Menschen in meinem Umfeld auch nicht gerade die besten waren, weil ich früh das Vertrauen in alle verloren habe, war ich mein gesamtes Leben lang eine Getriebene...
Hätte man mich als Kind gefragt, wie ich das alles finde, hätte ich sehr wahrscheinlich auch auf alles abgenickt und mir nichts anmerken lassen, da ich nicht gewollt hätte, dass Mama oder Papa böse oder traurig sind, und ich innerlich fortwährend im Grunde in einem Loyalitätskonflikt war, und froh, dass ich überhaupt geduldet war, zumal der zweite Mann der Mutter uns Kindern immer mit Kinderheim gedroht hat, wenn wir nicht brav und gehorsam waren. Aber damals hätte mir das niemand angemerkt, wie schlimm das für mich war. Ich hätte es niemals jemandem gesagt. Und ich glaube, die Kinder, von denen man glaubt, dass die das okay finden, müsste man Jahrzehnte später nochmal fragen, wie sie das wirklich damals empfunden und gesehen haben. Aufgrund meiner eigenen Erfahrung, und auch der der anderen Trennungskinder, mit denen ich teilweise in einer "Familie" aufgewachsen bin, würde ich persönlich meinen eigenen Kindern ein Wechselmodell
niemals antun.
Möchte niemandem zu nahe treten, aber eben meine persönlichen Erfahrungen einfließen lassen...