Liebe Zauberei3,
ich kann mir das ziemlich gut vorstellen, wie das die letzten 2 Jahre bei euch war und dass Du zwischen Unglauben und Verdacht, Ansprechen und Detektivarbeit schwankst.
Bei mir hat es auch ziemlich genau zwei Jahre gebraucht, bis ich mir sicher war, dass mein (heute Ex-)Ehemann mich sabotiert.
Er gibt es bis heute nicht zu. Und ich hatte auch lange das Gefühl, dass ich verrückt bzw. kognitiv eingeschränkt sein könnte. Denn bei uns kamen nur wenige Sachen völlig weg, sondern sie veränderten sich. Weg kam mein Portemonnaie vor einer 800 km Geschäftsreise, was ich erst bemerkte, als ich tanken wollte. Aber auch sowas: Aus einem 200g Becher Joghurt wurde ein 500g Becher. Und als ich ansprach, dass das ja praktisch sei, dass wir so viel Joghurt hätten, wurde er ganz böse, dass ich den doch selbst gekauft hätte. Hatte ich nicht. Dinge, die ich im Kofferraum hatte, tauchten in der Kammer auf. In meinem Shampoo war Wasser. Ich wurde mehrmals eingeschlossen und das sollte dann das zweijährige Kind gewesen sein.
Alles keine großen Themen (bis auf das fehlende Portemonnaie, das er mir dann per teurem Kurier hinterher schickte). Aber die Verunsicherung und vor allem seine unnatürliche Reaktion, wenn ich was suchte oder vermisste, machte mich völlig fertig.
Ich hab seitdem auch (ist knapp 10 Jahre her) immer noch einen Hau weg. Es gibt einzelne Gegenstände in der Wohnung, von der meine Kinder wissen, dass sie unter keinen Umständen weggetragen oder darin rumgekruschtet werden darf. Dazu gehört meine Handtasche. Aber eben auch sowas wie die Geschirrhandtücher.😕
Wie ich mir sein Verhalten heute erkläre: (nur eine Theorie von mir und meiner Psychologin)
Es war seine passiv-aggressiver Art, einen inneren Konflikt, den er selber hatte, auszuhalten.
Er fühlte sich in unserer Familie unwohl, war aber abhängig von mir und wusste nicht, wie er das aus eigener Kraft ändern kann. Dieses schlechte Gefühl musste irgendwie kompensiert werden und das ging wohl nur, indem er mich heimlich bestrafte/sabotierte/mein Umfeld so veränderte, dass ich mich auch unwohl und verunsichert fühlte. Mir sollte es quasi nicht besser als ihm gehen.
Seit der Trennung ging nichts mehr in meinem Haushalt schief oder verschwand, wurde ausgetauscht oder verschlossen.
Einzig bei den Übergaben unseres Kindes ging es noch weiter. In der Übergabetasche fehlte immer(!) etwas. Das Lieblingsstofftier, die Regenstiefel oder sämtliche Unterwäsche. Erst neulich ein T-Shirt, das unser Kind von meinem Bruder geschenkt bekommen hat und sehr liebt.
Was für mich das entscheidende Indiz war, dass hinter der Fassade Feindseligkeit oder Scham steckten, war seine Reaktion auf die "Sabotage". Er hat nie normal reagiert, indem er z.B. mit mir zusammen überlegt, wo etwas sein könnte oder mit mir zusammen dafür sorgt, dass wichtige Dinge einen bestimmten Platz bekommen. Sondern er wurde wütend und vorwürflich oder hat mein Problem (z.B. das eingeschlossen werden) ins Lächerliche gezogen.
Bei Dir weint Dein Mann und macht Dir den Vorwurf, dass Dein Verhalten die Ehe gefährdet.
Bei seinem Beruf wäre eine natürliche, logische Reaktion, mit Dir einen Demenztest zu machen oder über die angebliche Eifersucht zu sprechen oder eine andere Ordnung herzustellen. Da passt Weinen und Vorwürfe eher nicht. Weinen passt aber bei Scham über eigenes, z.B. zwanghaft es oder passiv-aggressives Verhalten. Und Vorwürfe können auch gut Projektion sein. Er sieht, dass sein Verhalten eure Ehe gefährdet und wirft es Dir vor, um sich zu verteidigen.
Ich würde auch im Zweifel auf Dein Bauchgefühl hören. Dein erster Impuls war, eine andere Frau dahinter zu vermuten.
Wenn er sich jetzt fremdverliebt hat, aber sich diese neue Liebe nicht erlaubt, weil er sich Dir noch verbunden oder über die Kinder an Dich gekettet fühlt bzw. die Kraft nicht aufbringt, sein Leben zu ändern und sein bisheriges Leben aufzugeben, um für das andere Leben frei zu sein, dann kann es sein, dass die "Diebstähle" ein Ventil für den inneren Druck des Konflikts sind und Du und der Jüngste die Opfer sind, weil wenn ihr nicht wäret, hätte er keinen Konflikt.
Alles nur Spekulatius.
Aber nur so ergibt das alles Sinn.
Da er ja vom Fach ist, würde ich ihn fragen, ob er mir die Ursachen für erst im Erwachsenenalter auftretende Impulskontrollstörungen nennen kann. Falls er fragt, warum. Es würde Dich interessieren, weil Du neulich was gehört/gelesen hast.
Spricht er sachlich darüber, bist Du genauso schlau wie zuvor. Wird er unwirsch oder verächtlich, hat keine Zeit oder macht Dir Vorwürfe, weiß er, was mit ihm los ist und kann es bloß nicht steuern.
Dann bist Du im Grunde in derselben Situation wie eine Frau, deren Ehemann suchtkrank geworden ist, und musst zusehen, dass Du nicht co-abhängig oder wahnsinnig wirst.
Pass gut auf Dich auf und hör auf Deinen Bauch.