Liebe Zauberei3,
Du darfst Menschen, die Dir nicht gut tun und Dich nicht stärken wollen, ignorieren.
Da Deine Geschichte mit einem anderen Thread verglichen wurde, in der ein Mann seine Frau ausbremst und sich von ihr bedienen lässt, weil ihm alles zu viel wird, und dann bei verlegten Sachen auch ihr einen Vorwurf macht, und nur zur Beseitigung von Zweifeln:
Bist Du Al.koholikerin oder hast andere charakterverändernde oder hirnschädigende Substanzen zu Dir genommen?
Zitat von Zauberei3: Evtl passiert ihm ein Fehler und ich komme ohne Spionage aus-... oder er bricht sein Schweigen..
Warte nicht darauf.
Du wirst von Tag zu Tag schwächer und wirst am Ende die Person, die aus Dir geworden ist, auch nicht mehr retten wollen.
Geh mit den Gedanken mal völlig von ihm weg. Stell Dir vor, er würde morgen von einer Erdspalte verschluckt und Du stündest mit den Kindern, Deinem Einkommen und eurem Haus und Kram ganz allein da: Wie würdest Du Dir dann Deine neue Zukunft einrichten?
Würdest/Müsstest Du Dich wohnlich verkleinern?
Würdest Du gerne an einem anderen Ort ziehen?
Würdest Du gerne anders/mehr/weniger arbeiten?
Wohin würdest Du reisen?
Hättest Du einen Babysitter, um abends mal raus zu kommen?
Würdest Du Sport machen? Und wenn ja, welchen?
Welche Freunde hättest Du und wie oft würdest Du sie treffen wollen?
Würdest Du Dir eine Therapeutin suchen, um Deine Vergangenheit aufarbeiten und ad acta legen zu können?
Wie muss ein Tag strukturiert und Dein Leben eingerichtet sein, damit es Dir gut geht und Du abends zufrieden und ohne Sorgen einschlafen kannst?
Kauf Dir ein kleines Heft, setz Dich in ein Café und schreib alles auf, was unabhängig von Deinem Mann mit Deinen Zukunftswünschen und Deinem Wohlbefinden zu tun hat.
Da dürfen auch Dinge drin stehen, von denen Du keine Ahnung hast, wie Du sie jemals erreichen sollst oder bei denen klar ist, dass sie nicht erreichbar sind.
Es geht darum, Deinen Kopf aus dem Nebel der letzten Jahre herauszubekommen und ihn 20 Meter über jede Wolke in den Sonnenschein zu strecken. Damit Dein Nervensystem, das die ganze Zeit auf Schutz und Abwehr gepolt ist, sich wieder daran gewöhnt, in Sicherheit und Fülle zu existieren.
Erst wenn Du diesen Zustand überhaupt wieder denken kannst, werden Deine Handlungen nicht mehr Flucht, Verharren, Kämpfen und Anbiedern sein, sondern zu konstruktiven Handlungen für Dich selbst werden.
Hast Du einen Garten? Dann setz Dich jeden Abend für 15 Minuten da hin und Liste auf: auf der linken Seite all die Dinge des Tages, die Du Dir an diesem Tag am liebsten weggewünscht hättest. Vom tropfenden Saftkarton bis zum Schweigen beim Abendbrottisch. Und auf die rechte Seite listest Du die Dinge, die Du Dir an diesem Tag herbeigewünscht hättest. Von einem gemütlichen Brunch mit Freunden bis zum selbstreinigenden Fenster.
So wie Du schreibst und denkst, scheinst Du ziemlich tief in einem Dauererregungszustand zu stecken. Aus dem musst Du durch sortieren und Fühler ausstrecken und Dir selbst Sicherheit und Zukunft schenken erstmal wieder raus krabbeln, bevor Dir wirklich wirksame Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Und Dein Mann kann Dir nicht dabei helfen. Er könnte es. Aber er wird es nicht. Du brauchst ihn aber auch nicht wirklich. Es geht ohne ihn. Und es geht auch sogar, sofern nötig, gegen ihn.
Nur muss die Kraft, die Du derzeit für Aushalten, Verdrängen, Gedankenkarussell und Aufrechterhalten aufwendest erstmal wieder frei werden für Konstruktives.
Stell Dir vor, Du gibst seit Jahren bei angezogener Handbremse Gas. Und bittest Deinen Mann, die Handbremse doch endlich zu lösen. Macht er aber nicht.
Und Du gibst aktuell weiter Gas.
Versuch mal vom Gas zu gehen und Dich in Gedanken langsam daran zu gewöhnen, dass das Auto mit der angezogenen Handbremse weder das einzige Auto, noch das beste Auto auf der Welt ist. Und nur, weil es früher ein Auto war, das Dich weit gefahren hat, ist die Handbremse mittlerweile irreparabel festgerostet und es wird Zeit, sich erst mit dem Kopf und dann mit dem Körper ein neues Auto zu suchen.
Du schaffst das genauso wie wir das alle geschafft haben!