Hallo liebe JayJay,
deine Situation ist wirklich keine schöne. Es ist doch ehrlich gesagt das Unvorstellbare, was sich hier manifestiert und was auch so sprachlos macht. Der Ekel kommt noch dazu und den konnte ich schon während des Lesens mitempfinden. Ich denke, das wird einigen Lesern hier so gehen.
Der Hass auf die Neue ist auch zu spüren, aber bedenke bitte eines: Dein Mann hat sich den kleinsten gemeinsamen Nenner gesucht. Du betonst immer wieder, dass er so ehrlich zu dir sei...hat er dir denn gesagt, dass er unzufrieden ist mit eurer Ehe und was genau geändert werden müsste? Oder kam die Trennung für dich wirklich so aus heiterem Himmel?
Es gibt eigentlich immer (!) Anzeichen, die da sind, die aber oft weggewischt werden, weil für einen selber doch soweit im Großen und Ganzen alles gut läuft (während der andere leidet und das ggf. auch äußert). Hast du deinen Mann ernst genug in seinen Belangen genommen? Ich will ihn nicht in Schutz nehmen, ganz und gar nicht.
Ich versuche nur zu sagen, dass man immer auch eigene Anteile an der Situation mitträgt (die 24-Jährige jetzt mal außen vorgelassen, das hätte wohl keiner so geahnt...).
Es ist für dich ein leichtes, dich dem Hass auf die Neue hinzugeben. Aber wäre sie es nicht, wäre es eine andere gewesen und die Tatsache, dass dein Mann so schnell eine Neue hat, lässt mich annehmen, dass er schon lange sehr unzufrieden mit eurer Paarbeziehung war. Die Frage ist eben, hat er das auch geäußert oder nicht.
Aber zurück zu dir. Du begehst wieder ein bisschen Fahnenflucht, wie wohl schon in eurer Ehe, wenn du dich auf die Neue versteifst und denkst, sie sei das Problem. Sie ist es nicht. (ja, tut mir leid...) Das einzige, was du wirklich Positives tun kannst ist zu schauen, wo deine Anteile in dem aktuellen Ende liegen. Ich sage mal aktuell, denn es ist wohl wirklich jedem klar, dass dies Konstellation nicht lange halten wird.
Und bitte gib dich nicht der Illusion hin, dass die beiden die Innigkeit teilen, die du und dein Mann miteinander hattet und habt. Bis jetzt kommt sich die junge Dame vielleicht verliebt vor, denkt sich, wow, ich habe mir so einen tollen Mann geangelt. Ich muss richtig was Wert sein, wenn er seine Frau und seine Tochter für mich verlässtDAS wird nicht lange gut gehen (und siehst du hier deinen Spiegel mit dem sich etwas Wert sein, dein eigenen Wert sich über jemand anderen zu definieren...? Ich bin mir nichts wert, habe nichts Besseres verdient vs. ich habe ihn mir geangelt, ich muss was Wert sein...), denn bis dato war die Kleine sein Anker in der Not.
Aber wenn sie erstmal zusammen leben, er nachts furzt, es stinkt nach dem WC Gang, der Gute sich vielleicht abends nicht immer die Zähne putzt, mal Durchfall hat oder andere Wehwehchen aufkommen...dann wird die "ach, ich muss was tolles sein Brille" ganz flott ausgetauscht gegen: oh Gott, was für ein alter Sack...da braucht nur ein junger Typ vorbei schauen und den verbal mal richtig runterputzen, da ist sie doch sicherlich hin und weg...kurzum: Das wird nicht lange halten!
Aber darauf darfst du nicht bauen, denn das Grundproblem, warum er gerade nicht bei dir ist, warum es ein Wir derzeit nicht gibt, liegt in eurer Paarbeziehung begraben. Ja, die ero. lässt nach, aber S. sollte es immer noch geben. Wenn man so lange verheiratet und zusammen ist, dann agiert man irgendwann automatisch als Team, der andere wird nicht mehr als der andere wahrgenommen, den es zu begehren gilt, der ist halt da. Und das ist genau das, was dich gerade sicherlich auch so schmerzt. Die Selbstverständlichkeit des anderen und seine Präsenz...das fehlt!
Wie gesagt: lass bitte nicht zu, dass dich der Hass auffrisst...das wäre auch für deine Tochter kein gutes Vorbild. Das ist gerade eine enorme Lebensaufgabe für dich. Die Frage ist, wie du sie meistern möchtest. Als hasserfülltes Opfer, was sich wieder mal wertlos fühlt, oder als die Frau, die sie ist: selbstbewusst, stark, mit Herausforderungen umgehen können und die Ehrlichkeit zu besitzen, mal in sich zu gehen und zu schauen, wo die eigenen Anteile am Scheitern dieser Beziehung sind...denn der andere darf niemals eine Selbstverständlichkeit werden! Ich denke, da liegt ein Hauptpunkt begraben bei euch...und seinen eigenen Dämonen entkommt man niemals. Wenn das Thema sich etwas Wert sein, nichts Wert sein, bei dir tief verankert ist, dann übernimmt so eine Ehe auch eine Funktion, die sie eigentlich nicht Inne haben sollte: Sie gibt dir Wert. Andersherum ist es aber leider "richtiger". Denn du gibst der Ehe ihren Wert...alles Gute. Ich denke, das wird schon wieder bei euch, aber nur, wenn du dich mit deinen Anteilen auseinandersetzt und zwar mit dir, nicht unbedingt mit deinem Mann...fang an, dein eigenes Ding zu machen und gut zu dir zu sein!