OT @Kaetzchen
Zitat:Noch weiß ich nicht, ob da was dran ist, aber meine Theorie wäre, dass so was wie eine Scheidung nach einer langjährigen Bindung unser Bindungssystem grundsätzlich stört (weil es halt unnatürlich ist) und man danach entsprechend unter den Nachwehen leidet (mangelnde/fehlende Bindungsfähigkeit durch verstärkt auftretende Verlustängste z.B., die jeder anders kompensiert, Männer halt gern durch Affären).
Nach deinen Kriterien darf ich eine Antwort versuchen.
Die Beobachtungen würde ich so teilen, aber anders herleiten.
"Natürlich" sind keine 1o Jahre monogame Beziehung für Homo Sapiens Sapiens. Natürlich wäre ca. die Hälfte.
Das Modell monogame Ehe ist der Bildung privaten Eigentumes über die Generationengrenze und der Stabilisierung einer Gesellschaft geschuldet. (Polygamie für Männer gleichfalls, doch die Stabilisierung misslingt, wenn zuviele junge Männer leer ausgehen). Du hattest a.a.O. mal geschrieben, das "Pflichtgefühl eines Mannes, bei seiner Familie zu bleiben habe biologische Gründe" oder so ähnlich. Gründe gibt es, aber keine biologischen, wenn der Nachwuchs aus dem Gröbsten raus ist, ist das Bioprogramm abgelaufen.
Das Modell Ehe könnte immer noch passen, wenn die Menschheit mit durchschnittlich 4o ins Grab sinken würde.
Man muss bei deiner Theorie ferner aufpassen mit post hoc ergo ante hoc-Argumentation.
Es gibt Untersuchungen darüber, wieviele Männer und Frauen regelmässig über fremde Geschlechtspartner phantasieren, da gibt es genetische und/oder soziologische Prädispositionen, wer sich eher trennt und wer eher bleibt.
Ich habe darüber auch sinniert und würde positiv formuliert sagen, wer einmal eine Trennung erfolgreich gemeistert hat, der weiss auch, was bei +-1o Jahren nervt und was man abwählt, wenn dieselben Anzeichen auftreten. Bei (hoffentlich) gewachsener wirtschaftlicher Autonomie.
In Zweitehen hast du also potenziell trennungswilligere, trennungserfahrenere, wirtschaftlich unabhängigere Personen im Pool. Inkl. Patchworkfamilien, was größere Schwierigkeiten mit sich bringen mag.
Im Ggs. zu Leuten, die ernsthaft nochmal jede Kröte schlucken für "Wer wird für mich da sein, wenn ich alt und grau bin".
Der Lernprozess, den viele Männer machen, wenn die erste LTR kaputt geht, den traue ich Frauen noch viel eher zu.
Oder kürzer gesagt: "unser Bindungssystem" ist erst gestört, wenn 5 Jahre Beziehung utopisch erscheinen, es gibt kein 2o-Jahre-Bindungssystem.
Alles andere nenne ich nicht "gestört" sondern realistische Lebensführung.
Edit:
Eine Frau, die zwischen 2o und 3o keine Kinder bekommt, ist biologisch gesehen ein evolutionärer Irrläufer, gesellschaftlich wird es mehr und mehr zur Norm.
Letzteres ist wiederum nicht mit "natürlich" zu verwechseln.