Zitat von schlumpf2011:
Mir geht es so la la - diese Demütigung sitzt nochmals tief. leider!
Versuch es mal so zu sehen:
Mit einer Demütigung hat sein Geschreibsel überhaupt nichts zu tun. Es ist vielmehr eine Selbstoffenbarung.
Besser hätte er seine eigene Armseligkeit gar nicht in Worte fassen können.
Was er schreibt, ist folgendes:
Ich habe mein ganzes Leben auf einem Lügengerüst aufgebaut. Ich bin ein Mensch, der nicht zu sich selbst und seinen Handlungen, Wünschen und Bedürfnissen stehen kann. Ich mogele mich irgendwie durch, indem ich mir selbst und anderen permanent etwas vormache. Etwas anderes kann ich nicht. Deshalb werde ich weiterhin so handeln und hoffen, dass ich damit durchkomme.
Das Blöde ist, dass ich jetzt dich dafür brauche, dass du mein wackliges Lügengerüst deckst und unterstützt. Das ist umso blöder, da ich ja genau weiß, dass ich auch dich belogen und dir damit sehr weh getan habe.
Ich weiß auch, dass du bei Licht betrachtet gar keinen Grund hast, mich weiterhin zu decken. Im Gegenteil.
Deshalb mache ich jetzt das, was ich am besten kann: Ich manipuliere dich ein bisschen, damit du auf der Spur bleibst, in der ich dich gerne hätte und die für mich wichtig ist.
Diese Manipulation besteht im wesentlichen aus zwei Zutaten:
Erstens Beschwichtigung:
Ich suggeriere dir, wie schwer auch mir es fällt, mich von dir trennen zu müssen. In der Hoffnung, dass mein Geschwurbel erfolgreich verschleiert, dass ich das gar nicht muss, sondern vielmehr will, weil es für mich gerade die meisten Vorteile bringt.
Mein Gerede davon, wie schwer das alles gerade für mich ist, soll dir außerdem das Gefühl geben, dass das zwischen uns doch etwas ganz besonderes ist und war. Auch das mache ich, damit ich dich emotional weiterhin am Nasenring habe. Denn so einen besonderen Menschen kannst du ja unmöglich in die Pfanne hauen, wenn er gerade in Schwierigkeiten steckt. Oder?
Und damit wären wir bei zweitens: Dem schlechten Gewissen.
Wenn du mich (uns!) jetzt verrätst, dann ist es deine Schuld und deine Verantwortung, wenn mein Leben (mein Lügengebäude) zerbricht.
Kannst du mit dieser Schuld wirklich umgehen? Willst du mich zerstören, nur weil ich dich geliebt habe? So ein schlechter und kalter Mensch bist du doch nicht, oder?
DAS ist es, Schlumpf, was in seiner Nachricht steht.
Wen demütigt er in Wahrheit damit?
Und aus Erfahrung sage ich dir noch, was außerdem - unausgesprochen - zwischen diesen Zeilen steckt:
Da steckt noch: Wenn du mich verrätst, verrätst du unsere große Liebe. Unsere große Verbundenheit. Dann schlägst du die Tür zwischen uns für immer zu. Das willst du doch nicht?
Denn selbstverständlich werde ich mich eines Tages wieder bei dir melden. Sobald sich der Sturm hier zu Hause ausreichend gelegt hat und meine Frau nicht mehr so misstrauisch ist. Am Ende geht die wirklich noch, wenn ich jetzt noch einen draufsetze!
Aber irgendwann wird sich das alles beruhigt haben.
Und natürlich schlage ich dann wieder bei dir auf! Und erzähle dir, dass ich dich nie vergessen konnte. Weil du mir so wichtig bist. Und dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis meine Gefühle für dich oberhand über alle Vernunft und Sachzwänge erlangen.
(Monogam in einer Ehe leben, das kann ich doch gar nicht. Weißt du ja. Habe ich ja all die Jahre bewiesen. Deshalb brauche ich bald natürlich wieder eine Geliebte. Wäre schön, wenn du das bist. Ist ja alles schon so gut eingespielt bei uns. Mit einer anderen wäre es viel anstrengender, das erstmal so zu richten, dass sie mitspielt, wie es mir passt. Du kannst das! Denn du verstehst mich ja so gut!).
Willst du dich diesem Spiel echt weiter zur Verfügung stellen, Schlumpf?
Und jetzt überlege selbst, welche Reaktion (oder eben nicht) auf diese seine Worte angemessen ist.