@Sweetcherrypie
Nachdem die Seherin mich so nett motiviert hat, schreibe ich dir nun doch noch etwas zu deinem Dilemma. Denn ich erkenne noch nicht, dass du weiter gekommen bist. Ich nehme dazu nur Zitate aus den Beiträgen, die du auf der ersten Seite dieses Fadens geschrieben hast.
Zitat:>>Nun, nachdem alles rauskam, ich am Boden zerstört bin und gesagt habe, er soll sich entscheiden, hat er den Kontakt zu ihr abgebrochen und sagt mir, er will mich nicht verlieren. Er will nicht, dass unsere Familie kaputt geht (unsere Kinder sind schon groß, die Älteste ist 28) und er bereut alles. Er würde alles versuchen, damit alles wieder gut wird. Ihm geht's sehr schlecht. Er leidet. <<
Zunächst mal ist es keineswegs normal, dass er bei dir bleiben möchte. Viel häufiger ist mit der Entdeckung die Trennung klar, oder aber der Betroffene eiert noch wochenlang herum, ob er bleiben oder gehen soll. Es ist also positiv, dass er bei dir bleiben will. Es ist positiv, dass er den Kontakt abgebrochen hat. Es ist sogar positiv (für dich), dass er leidet und es ihm schlecht geht. Damit leidet ihr nämlich beide. Würde er fröhlich zur Neuen ziehen, würdest du mehr leiden.
Zitat:>>Aber woher soll ich denn wissen, dass er wegen mir/unserer Ehe leidet und nicht wegen ihr und dem Vermissen?<<
Gar nicht. Und das ist auch völlig unwichtig. Natürlich leidet er darunter, einen Menschen zu verlieren, der für ihn eine wichtige Rolle gespielt hat. Aber den Preis muss er nun mal zahlen. Er würde mehr leiden, wenn er dich verlieren würde. Und er ist bei dir und nicht bei ihr. Weil er sich dazu entschieden hat, bei dir bleiben zu wollen. Du bist ihm wichtiger als sie es ist. Das bleibt festzuhalten. Zumindest in diesem Zeitfenster. Das kann sich aber noch ändern, wenn du ihn sehr lange hinhalten willst.
Zitat: >>Er hat mir immer wieder versichert, dass in unserer Ehe für ihn alles in Ordnung ist, er glücklich und zufrieden ist und über Probleme konnten wir immer offen reden. Warum tut er mir dann sowas an?<<
Nun das stimmte dann eben nicht. Er hätte es gern gehabt, über alles reden zu können, aber es blieb – aus welchen Gründen auch immer – etliches ungesagt. Und das hat er dann der Kollegin irgendwann gesagt. Und die hatte Verständnis dafür. Damit fing das Chaos an. Er wusste da noch nicht, dass es ein Chaos werden würde, sondern hielt es für einen schönen Austausch. Diese Ahnungslosigkeit führt zu unendlich viel Trennungsleid. Und vielleicht findest du die Kraft, dieses Trennungsleid zu verhindern. Nicht seinetwegen, sondern deinetwegen.
Zitat:>>Es hätte so viele Gelegenheiten gegeben mir die Wahrheit zu sagen. Wäre er sofort damit herausgerückt, hätte ich vermutlich anders reagiert als jetzt. <<
Es mag sein, dass du das jetzt so siehst, aber es ist völlig unsicher, dass du es im Fall einer früheren Beichte genauso gesehen hättest. Und für ihn war es noch unsicherer. Er wollte es (nach meiner Erfahrung) so lange geheim halten, damit er es beenden konnte. Das ist fast immer der erste und wichtigste Grund für die Geheimhaltung. Später ändert sich das dann.
Zitat:>>Und seine Gefühle für sie werden doch nicht einfach verschwinden. Ich kann das doch nicht jahrelang aushalten. <<
DOCH! Genau das ist seine Aufgabe: Die Gefühle für sie zu beenden, sie für weniger wichtig einzustufen als die Gefühle für dich. Das ist eine schwierige Aufgabe und er wird Hilfe dabei brauchen. Aber es ist SEIN Job, das zu tun. Das ist unverhandelbar.
Zitat:>>Es tut so weh. Und mein Vertrauen ist komplett weg. Was soll ich denn nur tun?<<
Es gibt vieles das zu tun kannst. Es gibt auch vieles, um das Vertrauen neu zu gewinnen. Aber das ist später an der Reihe. JETZT geht es nur darum, ob du die Trennung willst oder nicht. Er will sie nicht. Wenn ihr euch also trennt, dann trennst Du dich und beendest die Ehe. Nicht er. Das muss dir klar sein.
Und wenn du bei ihm bleibst, dann bleibst du DEINETWEGEN bei ihm, und nicht seinetwegen. DU würdest vermutlich sehr leiden, wenn dein Lebensplan beendet wäre und du ab jetzt Single wärest. Noch hast du die Wahl, das nicht zu tun.
Zitat:>>Ich weiß nicht, wie er mir das beweisen kann. Es ist einfach alles Vertrauen weg. Selbst wenn ich sein Handy jeden Tag kontrollieren würde: die Nachrichten könnte er ja wieder löschen. Ich kann nicht kontrollieren, was er bei der Arbeit tut.<<
Das ist eine sehr kluge Einsicht. Mit Kontrolle kannst du die Beziehung nicht erhalten, sondern damit tötest du auch noch den letzten Rest an Gefühlen zwischen euch. Neues Vertrauen entsteht anders, dazu gern später mehr
Zitat:>>Wenn ich unserer Beziehung noch eine Chance geben würde: wie viele Jahre würde ich leiden, zweifeln, Angst haben?<<
Vermutlich weniger, wie wenn du dich trennst. Denn die Folgen sind noch unabsehbar. Und du würdest immer wieder mit dem Gedanken konfrontiert: Vielleicht wäre es doch besser gewesen, ich hätte mich nicht getrennt. Trennen kannst du dich natürlich immer noch. Wieder zurück geht aber nur äußerst selten und das gelingt dann auch kaum. Noch ist also alles offen. Und das sehe ich positiv.
Zitat:>>Ich glaube, dass ich ihn vor die Wahl gestellt habe war aus der ersten Verzweiflung heraus. Ich wollte, dass er den Kontakt zu ihr abbricht. Ich weiß nicht, ob unsere Ehe noch eine Chance hat. Ich bin so verletzt.<<
Deine Verletzung ist es sehr schwieriges Kapitel und leider kann er wenig dazu tun die zu heilen. Aber ich weiß, dass man das heilen kann. Dazu gibt es mehrere Wege, aber auch das gern später.
Zitat:>>Er sagt, er hat den Kontakt abgebrochen. Er leidet, ihm ist übel, er sagt er bereut alles. Steht Rede und Antwort.<<
Das ist eine sehr gute Ausgangssituation für den Weg zu einem Neuanfang zwischen euch beiden. Viele haben das nicht so und würden es sich wünschen. Vielleicht findest du noch den Mut, mit ihm zusammen diesen Weg zu versuchen. Er muss ja nicht gelingen. Aber wenn du dich trennst, ist diese Chance weg für immer.
Ich wünsche dir den Mut dazu. Ich verwende da gern ein altes Bild. Wenn du dich trennst, um ihn für deine Untreue zu bestrafen, machst du es wie die Biene. Die sticht, das tut sehr weh. Aber anschließend stirbt sie. Und bei euch stirbt damit die große Chance auf einen Neuanfang. Ich sehe nicht, dass du glücklicher wärest, wenn du dich von ihm trennst. Vielleicht ändert sich das ja noch. Wir werden sehen.
Viel Mut und Kraft!