Rens
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Meine Ex (34) hat sich vor 6 Wochen von mir (38) nach einer 8 Jährigen Beziehung, davon die letzten 1,5 Jahre verheiratet getrennt. Sie sagte sie glaubt nicht mehr an eine Veränderung in unserer Ehe.
Wir hatten eine Beziehung mit vielen Höhen und Tiefen, sind schon früh zusammengezogen und auch in den 8 Jahren zusammen berufsbedingt 3 mal umgezogen, vor 2,5 Jahren auch ins deutschsprachige Ausland.
Die Probleme die zur Trennung geführt haben verfolgen uns schon seit ca. 6 Jahren. Ich habe mich immer mehr emotional und körperlich zurückgezogen und sie hat mir oft gesagt wie wichtig diese Dinge für sie sind. Wir hatten "alle Jahre wieder" das Thema aufkommen und im Grunde war immer die Kernaussage das sich etwas ändern muss sonst ist sie irgendwann weg.
Das hat dazu geführt das ich immer diese unterbewusste Angst in mir hatte, mich aber nie damit auseinandergesetzt habe warum ich mich so verhalte. Meine Ex sagte mir oft ich soll eine Therapie machen und mich damit auseinandersetzten, da auch das Verhältnis zu meinen Eltern eher kühl ist.
Ich habe gehört was sie gesagt hat aber nicht mit dem Herzen. Ich habe es immer wieder verdrängt, mich damit auseinanderzusetzen. Wir hatten vor 4 Jahren schon einmal eine Trennung für einen Monat, damals ist sie ausgezogen. Ich war weiter zuhause in meiner Komfortzone, bin arbeiten gegangen und hab mir gedacht: Ok die Lösung ist ich muss ihr einfach mehr Liebe zeigen. In diesem Monat habe ich ihr all das gezeigt und gegeben was sie sich so sehr gewünscht hat und es ist mir auch leicht gefallen. Sie kam wieder zurück, wir starteten einen Neuanfang und eine Paartherapie. Nach 4 Sitzungen sagte uns die Therapeutin das sie uns als paar nicht weiter helfen kann da sie sieht das wir uns wirklich lieben. In einem einzigen Gespräch danach mit mir alleine sagte sie mir aber auch, das es sein kann das ich an einer leichten Depression leiden könnte. Ich hatte keine gute und offene Einstellung zu Therapie und Persönlichkeitsentwicklung u.ä., war daher eher verschlossen.
Wir kamen wieder in den gleichen Trott. Natürlich hatten wir auch Sex, natürlich haben wir uns auch mal umarmt oder geküsst, allerdings war von meiner Seite auch immer wie eine unsichtbare Mauer um mich herum. Kuscheln vorm Fernseher oder im Bett wurde immer seltener, auch gemeinsame Unternehmungen wurden weniger. Ich hatte Angst mich mit mir auseinander zu setzen! Trotz all dem hatten wir eine sehr respektvolle Beziehung, in der alltägliche Dinge gut liefen und wir trotz meiner Schwierigkeiten über Gefühle zu reden, auch immer eine vertrauensvolle Basis hatten.
Sie sagte mir Dinge wie das ich der Mann bin den sie attraktiv findet und der Mann bin von dem sie einmal Kinder möchte.
Rückblickend muss ich sagen das mein kühles Verhalten und der Rückzug in Ablenkungen wie TV und Lustlosigkeit in den letzten 3 Jahren noch viel mehr zugenommen hat. Durch Corona habe ich vor einem halben Jahr meinen Job verloren, was natürlich meine innere Motivation nicht gerade verbessert hat. Sie ist seit über einem Jahr im Homeoffice gewesen und wir haben uns so täglich zuhause non-stop gesehen. Ich hatte immer im Hinterkopf das mich ändern muss sonst ist sie irgendwann weg. Das hat mich irgendwie noch mehr gelähmt. Die Trennung kam von daher realistisch gesehen im Nachhinein nicht überraschend und trotzdem schmerzt sie so unendlich.
Wie gesagt vor 6 Wochen sagte sie mir das sie so nicht weiter machen kann. Sie beschäftigt sich seit 2 Jahren mit Persönlichkeitsentwicklung und ist seit einem halben Jahr in einer Therapie, auch um alte Verhaltensmuster und Dinge von früher und heute aufzuarbeiten. Sie versuchte mich auch öfters mit einzubinden bezüglich gemeinsame Ziele etc. Ich habe mich all dem immer verschlossen, wollte damit nichts zu tun haben (Jetzt weiß ich das ich Angst davor hatte Dinge aus meiner Kindheit aufzuarbeiten). Ich fragte sie nach der Trennung wie ihre Gefühle zu mir sind und sie sagte: Ich liebe dich aber ich kann dir nicht mehr trauen! (Trauen in Bezug das sich etwas ändern könnte). Es war keine Entscheidung von heute auf morgen und das es langfristig für uns beide sicher das beste wäre. Wir haben uns sehr im guten getrennt, schon fast rücksichtsvoll und bedauernd. Es ist viel Respekt dem anderen Menschen gegenüber da.
Ich bin vor 4 Wochen zuhause ausgezogen in eine vorübergehende WG für 1 Monat. Jetzt habe ich ein neues Zimmer für 2 Monate gefunden und dann hoffentlich auch danach bald was langfristiges damit ich auch mal zur ruhe kommen kann. Allerdings haben wir uns bis vor kurzem noch 3 Mal die Woche immer gesehen, da mein Gym gleich um die Ecke der alten Wohnung ist und ich seit der Trennung 3 Mal die Woche wieder trainiere. Ich bin dann immer Morgens gekommen, Sport gemacht, geduscht, Erledigungen am PC gemacht und dann wieder nach ein paar Stunden gegangen. Sie war immer im Homeoffice am arbeiten. In den ersten zwei Wochen habe ich noch 2-3 Mal bei Ihr übernachtet, wir haben im selben Bett geschlafen und sie hat sich an mich gekuschelt. Ich habe sie umarmt und sie sagte dieses Gefühl von Geborgenheit vermisst sie sehr. Sie sagte es fühlt sich schön an. Irgendwann sagte sie das es besser ist wenn ich nicht mehr bei ihr schlafe da es sich immer wieder wie eine neue Trennung anfühlt. Sie sagte das es für sie auch schwer ist. Daher bin ich dann bis letzte Woche nur noch zum Sport gekommen und dann wieder gegangen. Wir haben zwei Katzen an denen wir beide sehr hängen, welche aber bei ihr bleiben um sie nicht aus dem Umfeld rauszureißen. Ich melde mich sehr selten bei ihr, aber sie schreibt mir fast jeden Tag etwas, Katzenbilder oder einfach wie war dein Wochenende oder ähnliches.
Auch FaceTime oder normale Anrufe kommen fast nur von ihr. Auch schon Nachts rief sie an, sagte sie kann nicht schlafen und wir redeten über 1 Stunde. Haben auch schon bei ihr teilweise längere Gespräche geführt über das was war. Sie ist aber auch immer etwas distanziert, dann wieder umarmt sie mich lange und sagt Sachen wie: wir sind schon zwei Dummies. Da ich das Gefühl habe das sie gut drüber hinweg gekommen ist (Sie arbeitet viel, unternimmt viel und hat fast immer Programm) habe ich sie darauf angesprochen. Sie sagte das ich nicht so über sie Urteilen soll und wenn sie ehrlich sein soll hat sie noch nichts richtig verarbeitet, sie will sich aber auch nicht damit gerade befassen. Sie sagt sie hat die Entscheidung jetzt getroffen und kann dann nicht nach 4 oder 8 Wochen einen Rückzieher machen. Ich glaube sie kämpft innerlich den Kampf Kopf gegen Herz. Sie sagte mir nach der Trennung Sachen wie: Wenn ich die Zeit zurück drehen und ändern könnte würde ich alles ganz genauso machen, auch die Hochzeit (zu der ich ihr Versprach, mich einem Therapeuten anzuvertrauen - das einzige Versprechen was ich nicht nie eingehalten habe). Du bist ein so wundervoller Mensch und bringst alles mit ein toller Vater zu sein (Wir haben vor 3 Monaten noch von Kindern gesprochen!).
Hier ein WhatsApp Verlauf kurz nach der Trennung als Beispiel:
Ich: Du kannst dir nicht vorstellen wie es ist sein Zuhause, seine Katzen und vor allem die Frau seines Lebens zu verlieren und dabei zu wissen, man hätte es ändern können.
Sie: Ich weiß es, ich war dabei! Du weißt nicht wie es ist den Mann seines Lebens an sich selbst scheitern zu sehen und Jahre lang zu sehen wie nichts was du tust ihm hilft die Person zu sein die er ist! Ein Leben, Träume und Zukunft aufzubauen um am Ende zu scheitern!
Ich: Das zerreißt mir das Herz! Ich wünschte ich hätte früher die Kraft gehabt und die Ehrlichkeit mir gegenüber externe Hilfe anzunehmen und darüber zu reden. Es tut mir unglaublich leid.
Sie: Hör auf zurück zu schauen. Schau nach vorne und mach was draus! man kann geschehenes nicht ändern, man kann es nur besser machen.
Ich: Das weiß ich und ich stelle jetzt die Weichen für die Zukunft. Am Ende hast du jetzt genau das getan, was mich aufgeweckt hat und welch Ironie dabei uns aufgegeben.
Sie: Komik ist Tragik in Spiegelschrift. Ich hatte es lange befürchtet. Aber es musste wohl so sein. Schlaf gut.
Ihr seht wir hängen emotional sehr aneinander, würden uns bis auf das Problem mit meinem Rückzug auf vielen Ebenen als "Seelenpartner" beschreiben. Meine Familie liebt sie und ihre Familie liebt mich. Wir schätzen uns unglaublich als Menschen und haben eine hohe Meinung voneinander. Wäre da mein Problem nicht.
Was soll ich sagen: Nach meinem Auszug habe ich mich seeeehr intensiv mit der Beziehung zu ihr, zu meinen Eltern und zu mir selbst beschäftigt, habe 4 Wochen kein TV gesehen und stattdessen 6 Bücher bisher gelesen zum Thema Persönlichkeitsentwicklung, alte Denkmuster, Unterbewusstsein und Verhalten. Ich war beim Psychologen zum kennenlernen, starte mit den Sitzungen nächste Woche und habe mich intensiv mit meiner Kindheit beschäftigt (ich wurde als Kind 4 Jahre in der Schule massivst gemobbt). Ich habe darüber seit über 25 Jahre mit niemandem je geredet!
Es fühlt sich an als würde ich jetzt auf einem weiteren Kanal senden können, ich bin offen mir gegenüber und befasse mich damit, habe mit meiner Familie offene und wirklich lange Gespräche geführt welche früher NIEMALS möglich gewesen wären (auch mit Freunde!)
und interessiere mich wirklich für Therapie und Persönlichkeitsentwicklung! Es fühlt sich wahnsinnig befreiend an. Ich weiß das mein Partner nicht für mein Seelenleben verantwortlich ist und man über Dinge reden muss damit aus den Wunden keine Wände werden.
Um zum langsam zum Schluss zu kommen: Sie (und auch meine Freunde, unsere Familien) hat schon gemerkt das ich mich gerade sehr verändere, allein von der länge der Gespräche, den Themen und der Offenheit. Sie sagte mir aber auch schon das es sie nervt oder "wütend" macht wenn sie es hört und merkt. Sie hat das Gefühl das ich das für sie mache und weniger für mich. Sie findet es gut aber ich soll es für mich machen. Ich möchte sagen das ich es wirklich in erster Linie für mich mache das ich der Mensch sein will der ich wirklich bin! Aber natürlich schmerzt die Trennung so unglaublich und natürlich hoffe ich auch innerlich das dass vielleicht uns wieder zusammenführen kann.
Trotz allem Melden meiner Ex und auch liebevollen Gesprächen ist sie trotzdem auch immer wieder kühl, schreibt nur kurze WhatsApp, habe ich meinen Wohnungsschlüssel jetzt abgegeben, hat sie schon alle Bilder aus der alten Wohnung entfernt und haben wir auch schon über die Auflösung des gemeinsamen Kontos und wie eine Scheidung ablaufen würde geredet.
Es würde mir sehr gut tun, eure Sicht der Dinge zu sehen und vielleicht Ratschläge oder Meinungen zu erhalten.
Wie ihr alle bestimmt nachvollziehen könnt schmerzt es immer noch so sehr und es ist auch wahnsinnig schwer abzuschließen!
LG