Zitat von Urmel_:Bei dem Text wird er Autor aber Opfer seiner fehlenden Abgrenzung.
In vielen Fällen ist es ja eher selten eine Ehe oder Beziehung, die auf einer gesunden Basis steht, die durch eine Affäre (...)
Hier kann man durchaus eine Grundsätzliche Diskussion starten und ich bin durchaus im Grunde Urmels Meinung.
Das fängt schon damit an, wie man eine nicht mehr funktionierende Ehe definiert. Hier hat sich in den letzten Jahren gewaltig etwas geändert.
Ich meine nicht Gewalt, Sucht, Krankheit oder andere wirklich zerstörerischen Dinge. Es braucht eigentlich nichts besonderes, nur Alltag, um zu sagen, funktioniert nicht mehr. Und die Freundin sagt, geh wenn du ihn nicht mehr liebst. Aber wie fühlt sich Liebe nach 15 Jahren an? Ich weiss es auch nicht, aber mit Sicherheit sehr blass im Vergleich mit der Verliebtheit in den ersten Jahren. Es gibt Menschen die wissen das und gehen damit um und andere starten einen Vergleich und werden davon überrumpelt.
Dabei wird aus meiner Beobachtung eine (emotionale) Verantwortung auf den Partner übertragen, der er nicht gerecht werden kann. Und es gibt es durchaus Henne-Ei-Problem: Ging zuerst die Liebe und kam dann die Verliebtheit oder war es andersherum. Beides ist wohl möglich und gerade letzteres erlebe ich in meinem Dunstkreis erschreckend oft.
Ich habe es selber erlebt wie Eigenschaften, die meine Ex super fand plötzlich als Trennungs- (und Affairen) -grund benannt wurden.
Daher ist der Rat, sich selber nicht zu sehr mit den eigenen Fehlern zu beschäftigen und die Gründe eben nicht nur in der Ehe zu suchen, aus heutiger Sicht goldrichtig. Es wären vielleicht Gründe für eine Trennung, für Gespräche, etc. aber nicht für eine Affaire!
Daher würde ich heute härter durchgreifen und wesentlich mehr Verachtung und weniger Verständnis aufbringen.
Denn an Ende des Tages geht es um Vertrauen. Wir können darüber philosophieren ob die Ehe heute anders sein muss, die Rollen neu verteilt werden, der Mensch überhaupt monogam veranlagt ist, etc.
Aber wenn man sich den Preis für die Affaire in vielen Fällen mal vor Augen führt und zwar wortwörtlich im wirtschaftlichen Sinne aber eben auch für Kinder, Verwandte und Freunde, sollte einem klar werden was es kostet: Eine vernünftige einvernehmliche Trennung, die zudem in vielen Fällen vielleicht in 1 Jahr gar kein Thema mehr gewesen wäre, weil die Krise überstanden ist.
Aus meiner Sicht hat daher der Partner an einer Affaire extrem selten schuld. Er hat ggf. schuld am scheitern der Ehe - zwei paar Schuhe.