Zitat von autschi24: Sie lenkt sich extrem mit Sport ab. 6x die Woche jeweils für 3-4h. Sie hat auch schon lange Depression, aus der ich ihr immer geholfen habe
Einem depressiven Menschen kann man nur sehr bedingt helfen, denn er ist für Deine gut gemeinte Hilfe meist nicht empfänglich. Und von der Depression kommt auch ihre Gefühllosigkeit, Sie fühlt sich innerlich wie abgetötet, nichts macht mehr Freude, Liebe kann man nicht mehr spüren und empfinden. Man fühlt sich einsam, oft wie eingeschlossen und sucht Auswege um der inneren Leere zu entgehen. Sport ist eine Möglichkeit, die wenigstens nicht schädlich ist. Andere schlafen viel, wenn sie können oder flüchten sich in Spielhallen, denn da fühlen sie dann doch etwas oder in Dro. oder sonstwas. Auch eine Affäre ist eine Fluchtmöglichkeit.
Einem Depressiven zu helfen, ist fast nicht möglich. Da läuft auch etwas im Gehirn falsch aber was genau, weiß man noch nicht. Auch Medikamente können einem helfen, dem anderen aber nicht.
Tja, dann wird man sich irgendwann fremd, entfernt sich und mancher glaubt dann, allein wäre es bessser. Dann wäre wenigstens der Partner nicht mehr da, der einen auch oft nervt, denn auch seine good-will-Tour hilft nichts, sondern kann auch als Belastung empfunden werden.
Zitat von autschi24: Es wird nicht mehr das gleich Szenario sein. Meine Wärme, meine Sprache, mein "ich hol euch was zu trinken" wird einfach fehlen. Auch im Haus wird es spürbar sein. Mein Platz wird leer bleiben. Keine kurzen "kann ich dir was erzählen", oder "wollen wir kurz draussen einen Kaffee trinken" mehr. Auch die Kinder werden immer merken das meine Anwesenheit fehlt. Das ist das Problem meiner Frau. Sie behält das im Haus. In meiner Wohnung gibt es keinen Platz von ihr. Das wird anders für mich als für sie.
Manchmal muss erst etwas verlieren um es schätzen zu können. Und beim ein oder anderen kommen dann doch Gedanken wie der, dass man vielleicht nicht alles hätte bedenkenlos aufgeben sollen.
Aber was sie dann fühlt, denn sie fühlt sich ja eher fühllos, ist eine andere Frage, die Du nicht beantworten kannst und sie auch nicht. Denn sie weiß nicht, wie es sein wird und Du weißt es auch nicht.
Aber es stehen großen Veränderungen an, in die alle Beteiligten erst hinein wachsen müssen. Denn ein System wird gesprengt. Vielleicht könnte man es retten, aber dazu braucht es die Bereitschaft beider.
Zitat von autschi24: Und sie behält alles hier.
Das schmerz massiv!
Ja, das schmerzt und brennt wie Feuer. Die behält ihr Umfeld, die Kinder, ihr Leben. Auf Dich kommen gewaltige Veränderungen zu, die Dir nicht gefallen werden, zumindest zunächst nicht. Denn Du verlierst sehr viel, eigentlich Dein gesamtes gewohntes Leben. Das wirst Du als ungerecht sehen, was verständlich ist. The winner takes it all, the looser ...
Aber manchmal wird aus dem momentanen Looser auch ein Winner und umgekehrt.
Bei allem, was Dir jetzt so durch den Kopf geht, gilt auch, dass sich der Mensch an veränderte Gegebenheiten anpassen kann und diese dann oft gar nicht mehr so negativ sieht, auch wenn es sich jetzt wie aufgezwungen für Dich anfühlt. Und ob das Glück bei ihr Einzug hält, bleibt abzuwarten.
Das Glück besucht man den einen, dann den anderen und auch Du wirst wieder Besuch von ihm bekommen.
Zitat von Hola15: Ich frag mal provokativ: Hängst du mehr an ihr oder an der Rolle des Kümmerers?
Weil, ich lese jetzt außer dieser Rolle, die einem ja auch was geben kann, wenig bis nichts heraus was sich attraktiv/ behaltenswert anhört.
Das ist nicht provokativ, sondern es ist überlegenswert. Der Kümmerer zieht oft Gewinn aus der Rolle. Ich kümmere mich um dies und jenes, ich bin zuverlässig, der Fels in der Brandung, hilfsbereit. Also bin ich ein guter Mensch. Für denjenigen, der davon zunächst profitiert, kann das Kümmern auch zu einer Last werden. Und dann kommt oft genug die Abwertung. Ach, der mit seiner Kümmerei, der immer alles für mich tut und tun will ... Der Kümmerer wird auch oft langweilig, denn allzu selbstverständlich wird alles. Der Reiz fehlt dann, die Langeweile und der Überdruss halten Einzug und töten die Gefühle ab.Und was selbstverständlich ist, schätzt man nicht mehr.
Was nicht heitß, dass man sich, wenn man sich des Kümmeres entledigt hat, nicht doch auch danach sehnt. Wäre er jetzt hier, dann ... bräuchte ich mir meine Limo nicht selbst holen. Und vieles andere auch.
Tröste Dich, es wird auch für sie eine große Veränderung und ob die so positiv ist, bleibt abzuwarten.
Zitat von autschi24: Ich hoffe es das ich das schaffe. Und das Kopfkino leiserdrehen kann.
Ich rede mit vielen Menschen. Alle Freunde halten zu mir. Sie hat mit ihnen gebrochen, weil sie sie nur noch als Therapeuten gesehen hat damals, nicht als Freunde. Sie geht zu Therapie... 2x im Monat für 40min am Telefon. Viel zu wenig wie ich finde. Aber ihre Entscheidung.
Lieber Autsch, das Kopfkino lässt irgendwann nach, denn diesen Dauerstress hält das Gehirn nicht ewig aus. Zweimal im Monat Therapie und dann noch virtuell, erscheint mir auch zu wenig. Virtuell ist eine Krücke, vielleicht auch hilfreich, aber auch '"verkürzt". Mimik, Gestik, der direkte und spontane Dialog bleiben auf der Strecke. Aber zwingen kann man niemanden.
Zitat von autschi24: von den Eltern wenig Liebe, gehänselt in der Schule weil sie dick war, von Freunden verlassen, immer wieder. Kein Selbstwert, nur Außenbestätigung, sie wird älter und sieht es im Spiegel. Sie hat nie gelernt nach innen zu schauen.
Depression...
So was wirkt immer nach. Liebe die man sucht und nicht findet. Abwertung durch andere, emotionales Kaltstellen, gefühlte Einsamkeit und das nagende Gefühl der Unzulänglichkeit, Wäre ich anders, dann ... würden sie mich lieben, anerkennen, wertschätzen.
Wer das zu wenig erfahren hat, glaubt nicht an sich und auch nicht an sein Glück. Denn das Unglück ist das Altbekannte, das kennt man, aber das Glück, das man sucht, ist für die anderen, nicht für mich. Und damit steht man sich dann auch selbst im Weg.
Wenn man das nicht erkennt, kann man nichts dagegen tun. Und diese Wertlosigkeit kann ihr niemand nehmen, auch Du nicht, denn alles was von außen kommt, wirkt nicht nachhaltig.
Sie müsste sich selbst einen Wert geben, lernen sich selbst anzunehmen und für gut zu befinden. Wer sich selbst mag, kommt auch mit der Umwelt besser zurecht, denn die spiegelt einem ja das, was man ausstrahlt. Davon ist sie sehr weit entfernt und dann kommen so Gedanken, wenn ich an der Stellschraube drehe, dann kommt vielleicht ein Besserung.
Sie wird nicht kommen, solange sie nicht begreift, dass sie die Mangelerscheinungen von früher selbst auffüllen muss. Sie kann Sport machen so viel sie will, aber sie wird vor sich selbst nicht davon rennen können. Alles holt sie wieder ein, ob mit Dir oder ohne Dich.
Zitat von autschi24: .Noch würde ich sie nehmen,weil es dann erstmal den Schmerz betäubt. Was danach kommen würde...Keine Ahnung.
Die Schleife würde sich von vorne drehen, denn jeder wird in den alten bekannten Mechanismen so weiter machen wie bisher. Das ist nur Aufschub, ein momentanes Seelenpflaster um den Schmerz nicht spüren zu müssen. Manchmal ist ein Cut besser und dieser Cut kann sich auch für Dich als sehr positiv herausstellen. Jetzt noch nicht, denn es ist alles zu frisch, aber auf lange Sicht kann der Verlierer auch gewinnen. Warte es mal ab.