Wasbleibt2016
Gast
ich bin jetzt seit fast 8 Wochen getrennt. Sieben Wochen habe ich sehr gelitten,
mir Hoffnungen gemacht, unendliche Sehnsucht gehabt...ihr kennt das alle....
...und mich mit Fragen gequält bis zur "Selbstzerfleischung", weil ich vieles einfach nicht nachvollziehen konnte.
Vor drei Tagen war ich bei einer Freundin und wir haben über meinen Ex gesprochen.
Ich erzählte ihr, dass ich mich oft ungeliebt und nicht gewertschätzt gefühlt habe
und noch viele andere Dinge, die während unserer Beziehung passiert sind.
Am nächsten Tag schickte sie mir einen Artikel:
4 Merkmale, die einen Narzissten entlarven.
Und was soll ich sagen? Es fiel mir wie Schuppen von den Augen.
Fehlende Empathie, keine bis wenig Gefühle zeigen, immer nur von sich reden,
Desinteresse, spitze Bemerkungen, sich nicht entschuldigen können,
banale Dinge als etwas Besonderes aufbauschen, Machtspielchen, alles
drehen wie es ihm passt etc.pp.
Alles hat auf einmal einen Sinn ergeben und ich habe mich ein Stück weit befreit
gefühlt, weil endlich diese Selbstzweifel und dieses Gefühl "nicht genügt haben"
u.v.m. weg waren. Diese ganzen quälenden Fragen konnte ich nun für mich beantworten.
Das Gefühl, dass er mich wohl einfach nicht genug geliebt hat, war sehr schmerzhaft,
weil ich, wie bestimmt sehr viele hier, viel dafür getan habe, dass er sich geliebt, geborgen
und als etwas besonderes fühlen konnte.
ABER: Es ist nahezu unmöglich einem Menschen mit narzisstischen
Wesenszügen zu genügen. Er kann keine echte Liebe geben, er kann und wird vermutlich
niemals verstanden haben oder verstehen, wie verletzt ich mich in manchen Situationen
gefühlt habe. Er kann das vielleicht theoretisch erfassen, aber nicht nachempfinden.
Deshalb neigt man auch dazu einem Narzissten immer wieder zu erklären wieso, weshalb, warum.
Weil man nicht verstehen kann, dass er NICHT versteht. Er kann aber nicht.
Was soll ich sagen? Alle, die so eine Beziehung erlebt haben: Wir haben keine Schuld.
Es lag nicht an uns. Wir hatten keine Chance.
Wenn wir nicht mit der Zeit verkümmern wollen, müssen wir einsehen, dass diese Person
nicht die richtige für uns ist. Wenn wir bereit sind uns völlig aufzuopfern und eine Person
bis in alle Ewigkeit anzuhimmeln, sie nicht zu kritisieren und keine emotionalen Erwartungen
haben, dann kann man vielleicht eine erträgliche Partnerschaft mit einem solchen Menschen
führen...aber, wer will das schon?
Und noch etwas: Er tut mir leid, sehr sogar. Ich weiß, dass er sich als Kind
ungeliebt gefühlt hat. Da liegt die Wurzel allen Übels.
Unabhängig von dieser Erkenntnis, hatten wir vorher schon ein Treffen vereinbart
für Morgen (Freitag). Ich sehe ihn jetzt in einem anderen Licht.
Vieles, was ich eigentlich ansprechen wollte, lass ich jetzt bleiben. Er wird es nicht
verstehen. Ich versuche jetzt einfach unser Verhältnis zu normalisieren, da wir uns
täglich begegnen und so wie es die letzten Wochen gelaufen ist, ist es einfach kein Zustand.
Er bedeutet mir immer noch sehr viel und es macht mich sehr traurig, dass ich ihm
wahrscheinlich einfach nicht helfen kann. Er ist noch so jung und ich habe Angst, dass
sich diese narzisstischen Züge weiter verschlimmern und vielleicht in einer narzisstischen
Persönlichkeitsstörung enden.
Ich hoffe das Beste und bleibe erstmal an dem Thema dran.
Kann man sowas vielleicht durchbrechen? Im Keim ersticken, ist wohl zu spät,
aber irgendwie aufhalten, vielleicht?
Nachdem was ich bisher gelesen, gesehen und gehört habe,
mache ich mir keine großen Hoffnungen. Aber ein Auge werd ich auf ihn haben, erstmal.
und bin für jeden Rat dankbar.
Danke fürs "Zuhören"
Jawull