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Midlife Crisis und Trennung mit Kindern

Nordmeer

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@whynot60 das kann gut sein, dass er unser Familienleben ausprobiert hat und für sich gemerkt hat, dass ihn das alles überfordert, bzw. er einem weiterem Gefühl nachgehen muss. Ich denke auch, dass er in seinem Leben nur schwer ankommen wird. Ich hatte heute einen ersten längeren Kontakt mit ihm, weil ich unseren Hund von ihm abgeholt habe und er mich dann wieder Organisatorisches fragte. Ich fand es erschreckend, wie normal er mit mir spricht, als wäre alles geregelt und wir können zur Tagesordnung übergehen. Das ist auch das, was mich sehr trifft. Vielleicht würde mir die Kommunikation leichter mit ihm fallen, wenn ich nur ein bisschen sehen würde, dass ihm bewusst ist, was er an Gefühlen ausgelöst hat mit seinem Abgang und das nicht nur bei mir sondern vor allem bei seinen Kindern. Da ist einfach nichts. Auch in seiner Kommunikation versucht er von mir Vorschläge oder Lösungen zu bekommen im Umgang mit unserer Tochter. Ich mag darauf nicht antworten. Er hat sich die Situation ausgesucht und darf da alleine durchgehen. Und in jedem Satz und in jeder Mail betont er, dass sich das alles ändern wird, wenn er eine Wohnung hat.

05.05.2022 22:29 • #46


Nordmeer

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Im Alltag habe ich regelmäßig Momente in denen ich mich wie gelähmt fühle und mir dann die Tränen laufen. Ich war einkaufen und als sich der Einkaufswage immer mehr füllte, kam das Gefühl, dass ich wieder für uns vier einkaufe und ich wollte nur noch raus aus dem Geschäft. Ich war vor zehn Wochen glücklich und das nicht immer alles rund läuft, das gehörte für mich einfach zum Beziehungsleben dazu.
Das was mir täglich Kraft gibt, sind unsere Kinder. Ich weiß, dass er gerade viel ausgeht und das es auch jemand neues bei ihm gibt, aber ich freue mich, dass ich die Kinder um mich habe. Das ich sie begleite und viele Momente aus ihrem Leben mitbekomme.

05.05.2022 23:08 • x 3 #47



Midlife Crisis und Trennung mit Kindern

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DieSeherin

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ich schicke dir einfach nur mal schnell eine umarmung

06.05.2022 08:07 • x 1 #48


whynot60


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Zitat von Nordmeer:
Ich fand es erschreckend, wie normal er mit mir spricht, als wäre alles geregelt und wir können zur Tagesordnung übergehen. Das ist auch das, was mich sehr trifft. Vielleicht würde mir die Kommunikation leichter mit ihm fallen, wenn ich nur ein bisschen sehen würde, dass ihm bewusst ist, was er an Gefühlen ausgelöst hat mit seinem Abgang und das nicht nur bei mir sondern vor allem bei seinen Kindern. Da ist einfach nichts.


Ja, das ist bitter, und das verstehe ich natürlich auch.
Wenn ich mit meiner Einschätzung nicht ganz falsch liege, dann muss man hier aber bedenken, dass er Dir gegenüber einen vermutlich weiten Vorsprung hat. Das heißt, innerlich, für sich hat er die Beziehung, wie es aussieht, schon vor längerer Zeit, vielleicht vor Jahren schon abgeschlossen. Daher konnte er auch auch von jetzt auf gleich gehen und zeigt keinerlei Anzeichen eines belastenden Gefühls oder irgendeiner Bewusstheit.
Man könnte sagen: Seelisch war er schon lange weg, er konnte bereits alles verarbeiten und abschließen - und der letzte Schritt war nur noch, dass er Dich auch physisch verlässt.
Es ist eine schlimme Erfahrung, ohne Frage. Aber alle diese Dinge sind erklärbar. Nur sind sie, für Dich unsichtbar, im Hintergrund abgelaufen, und die physische Trennung war dann nur noch der letzte und logisch Schritt.

Trotz allem würde ich es an Deiner Stelle aber auch so sehen: Gerade durch diesen Schritt bist nun auch Du befreit (auch wenn Du Dich noch erholen musst von diesem Schlag). Die Alternative wäre gewesen, mit einem Mann zusammenzusein, der mit Dir im Grunde gar nichts mehr zu tun hat. Und ich glaube, das wäre sogar schlimmer gewesen. Du wärst in Deinem ganzen Sein und Wesen, das anderen sehr wertvoll sein kann, reduziert gewesen auf eine Art Einrichtungsgegenstand, der halt da ist. Und ich glaube, es gibt bessere Schicksale als ein solches.

07.05.2022 01:08 • x 6 #49


Nordmeer

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@whynot60 mit Sicherheit hat er sich schon lange von mir verabschiedet. Was ich nicht zusammenbringe, ist die Art, wie er sich mir gegenüber als liebender Mann und Familienvater verhalten hat. Hatten andere Freunde, Bekannte Probleme oder haben sich getrennt, dann hat er oft gesagt, bei Problemen muss man reden und wenn das nicht klappt, dann holt man sich Hilfe (Therapeut, Beratung). Er hat es nicht gemacht und das hat ihn auch unser Sohn gefragt, als mein Ex ihm über die Trennung gesprochen hat. Das ganze Trennungsverhalten ist schräg und auch im Nachgang erlebe ich ihn nicht als Mann, dem die Tragweite seines Handelns bewusst ist.
Am letzten Samstag war seine Zeit mit unserer Tochter. Er hat sie mittags abgeholt, sie waren was essen und dann wollte sie zu einem Freund gebracht werden, bei dem ein Grillfest anstand. Er schrieb mir dann, dass unsere Tochter möchte, dass ich sie abends abhole. Ich hatte zugesagt. Im Nachgang habe ich gemerkt, wie er sie dazu hingesteuert hat. An dem Samstagabend war er selber auf eine Geburtstagsparty eingeladen. Wäre er in der Verantwortung für unsere Tochter geblieben, so hatte er bis 22:30 Uhr nichts trinken können. Als ich unsere Tochter abgeholt habe, habe ich sie gefragt, warum denn Papa sie nicht abholen sollte? Ihre Antwort darauf: Papa musste doch zu einem Geburtstag und das ist wichtig für ihn....ich war sprachlos. Eine Party ist ihm wichtiger, als die Zeit mit seiner Tochter. Im Außen erzählt er jedem was für ein toller Vater er ist und was er nicht alles für seine Kinder tun würde. Er bekommt es aber nicht hin, sich einen eigenen Wohnraum als Anlaufstelle für seine Kinder zu schaffen. Er wird nächste Woche zu einem weiteren Freund ziehen...bis das Finanzielle geklärt ist.
Ich weiß, dass ich in einiger Zeit wahrscheinlich total dankbar dafür bin, dass ich ihn los bin und ich wirklich sehe, wie der Mensch ist, den ich vor 14,5 Jahren geheiratet habe.

09.05.2022 12:23 • x 2 #50


whynot60


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Zitat von Nordmeer:
mit Sicherheit hat er sich schon lange von mir verabschiedet. Was ich nicht zusammenbringe, ist die Art, wie er sich mir gegenüber als liebender Mann und Familienvater verhalten hat. Hatten andere Freunde, Bekannte Probleme oder haben sich getrennt, dann hat er oft gesagt, bei Problemen muss man reden und wenn das nicht klappt, dann holt man sich Hilfe (Therapeut, Beratung).


Wie es aussieht, ist in Deinem Mann ziemlich massiv das ausgebrochen, was man zweiten Frühling nennt, und das kann einen Menschen so verändern, dass er sich selbst an jene Vorsätze nicht halten kann, die er davor vielleicht tatsächlich hatte, und sich auch Ideale und Ziele und Gewohnheiten grundsätzlich ändern.
Und ganz offenbar hat dieser Vorgang bei Deinem Mann schon viel früher begonnen als es sich dann geoffenbart hat. Leicht verständlich ist das natürlich nicht, weil man üblicherweise ja zumindest eine gewisse Lebenskontinuität erwarten kann, aber bei manchen kann es zu ganz wesentlichen Umbrüchen kommen, die dann halt noch eine Zeitlang, und seien es Jahre, verborgen werden. Im Grunde hat man es dann mit einem fremden Menschen zu tun, an dem zwar das Äußere noch dasselbe ist, aber das Innere mehr oder weniger vollständig verändert ist.
Das erklärt auch, warum er sich Euren Kindern gegenüber offenbar nicht mehr sonderlich verantwortlich fühlt und auch das so hindreht, wie es ihm gerade gefällt. Landläufig würde man sagen, er ist auf einem Egotrip. Und sein Verhalten entspricht dem eines Aussteigers, dem es in der gewohnten Lebenswelt schlichtweg einfach nicht mehr behagt und der auf ganz neuen Wegen ist.
Es muss also nicht unbedingt sein, dass Dein Mann schon damals so war wie heute und Du Deinen Mann, auch wie er war, neu sehen müsstest. Sondern denkbar ist ebenso, dass der Mann, den Du kennengelernt hast, heute ein deutlich anderer ist. Und insoferne schiene es mir viel wesentlicher, dass Du Deinen Mann einfach so siehst, wie er heute ist, ohne nun gleich alles Frühere in Zweifel zu ziehen (damit ziehst Du nämlich auch Dich selber in Zweifel, und das wäre nicht gut).
Was ihm tatsächlich anzulasten ist, ist, dass er nicht früher darüber geredet hat und offenbar auch sein ganzes Verhalten beibehalten hat, obwohl es seinen inneren Zuständen gar nicht mehr entsprochen hat.
Was Du los bist, könnte man sagen, ist nicht Dein Mann, sondern ein Fremder, der er geworden ist. Und die Plötzlichkeit wird sich wohl daraus erklären, dass er den Dir bekannten Mann noch eine Zeitlang gespielt hat.

Jedenfalls solltest Du Dich vielleicht bemühen, so gut es eben geht, nun den Blick allmählich wieder nach vorne zu richten. Welche Gründe es auch geben, welche man finden mag - all das ändert nichts an den Folgen und der Gegenwart. Was Dir aber bleibt, ist die Zukunft, und wie sich diese gestalten wird, das liegt in Deiner Hand (rechnet man das unerfindliche Schicksal einmal ab).

10.05.2022 03:26 • x 6 #51


DieSeherin

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Zitat von whynot60:
Und insoferne schiene es mir viel wesentlicher, dass Du Deinen Mann einfach so siehst, wie er heute ist, ohne nun gleich alles Frühere in Zweifel zu ziehen (damit ziehst Du nämlich auch Dich selber in Zweifel, und das wäre nicht gut).

ganz genau! der mann, mit dem du so lange zusammen warst, war doch gut für dich! ihr habt miteinander eine lange wegstrecke zurück gelegt und nur, weil er den weg nicht mehr weiter mit euch gehen will, heißt das doch nicht, dass der hinter euch liegende, ein irrweg war

10.05.2022 11:56 • x 2 #52


Nordmeer

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Ihr habt recht. Überwiegend nehme ich diese Haltung zu meinem alten Leben auch ein. Ich habe zwei wundervolle Kinder und eine gefühlt wirklich schöne 14,5 Jahre in Partnerschaft und Familie gehabt. Schließlich habe ich ihn geliebt ...und auch seine Macken. Irgendwann möchte ich auch mit diesem Gefühl meinen Frieden mit der Situation finden. Aber jetzt geht es einfach nicht. Es ist einfach noch zu frisch mit knapp 11 Wochen. Und wenn ich unsere Kinder sehe und wie sie von ihm einfach stehen gelassen werden, dann macht mich das wütend und traurig. Und weil er einfach gegangen ist, schreibe ich in dieses Forum. Mir helfen die Rückmeldungen.
Im Alltag stehe ich stabil und ich agiere auch klar. Seine Sachen stehen, bis auf einen kleinen Rest, alle in der Garage. Das was er sich rausgeholt hat, waren sein Motorradschlüssel, seine Sportsachen und seine Konzertkarten.
Beruflich habe ich mir eine kleine lange Auszeit ermöglicht ohne finanzielle Einbußen zu haben. Auch das wurde mir heute nochmal zugesichert.
Morgen bin ich wieder bei meiner Psychologin. Hier bekomme ich ganz pragmatisch Unterstützung für meinen alltäglichen Umgang mit meinen beiden Kleinen, weil ich von der Summe der Reaktionen oft überfordert bin.
Wir hatten früher ein buntes Familienleben, auch wenn unsere Kinder gerne am Handy oder der PS saßen, so haben sie mindestens einmal am Tag zwischen uns gesessen und Nähe gesucht. Und weil wir zwei Erwachsene waren, die auch kommunikativ sind, gab es viele lustige Wortwechsel und es wurde gelacht. Das ist alles aktuell weg. Wenn die Kinder von der Schule kommen, dann holen sich die beiden eine feste Umarmung von mir und ziehen sich dann zurück auf ihre Zimmer. Mein Sohn liegt entweder auf seinem Bett und denkt nach oder er spielt Fifa mit seinen Freunden. Hier hat mir mein Exmann in der letzten Mediation noch gesagt, dass der Junge zulange spielt. Ich dachte nur, sei einfach ruhig, du Idiot. Ich spreche mit meinem Sohn darüber und es gibt auch kleine Schritte, wo er in kleinen Momenten andere Sachen macht oder bei mir ist. Zu seinen Freunden sucht er zur Zeit keinen Kontakt im wirklichen Leben.
Meine Tochter wiederum geht stark ins Außen, sie würde am liebsten zu ihrer Freundin und deren Familie ziehen. Sie verabredet sich viel. Aber auch hier gibt es immer mehr Momente, in denen sie bei uns ist. Das wir jetzt zu dritt sind und uns das wieder schön machen können, das muss erst noch ankommen.
Die Kommunikation von meiner Seite aus ist nur noch sachlich und ich versuche so reduziert zu sein wie möglich. Reiner Selbstschutz. Er hat mich tief verletzt. Ja, er ist fremd, aber er hat auch eine Verantwortung.
Was ich in den letzten Wochen geschafft habe, ist, dass er sich mittlerweile auf verlässliche Betreuungszeiten bei unserem Familienhund einlässt. Er wollte immer einen Hund haben und hat nach seinem Abgang auch nicht nach ihm gefragt.
Die Hundebetreuung hat ihm nicht gepasst, weil er den Hund nicht in seine WG mitnehmen kann. Mir ist es egal, wie er was regelt. Ist er mir am Anfang nur bei meinen Arbeitszeiten entgegengekommen, so gibt es jetzt feste Tage mit festen Zeitfenstern. Ich bringe den Hund um 6:30 Uhr und hole ihn um 16 Uhr ab. Als nächstes sind die Wochenenden dran. Bei der Jahreszeit ist es ihm durchaus möglich sich mit dem Hund in unserem Kleingarten aufzuhalten und dort auch zu übernachten. Bei dem Vorschlag hat er mich erst ausgelacht, aber es war mir ernst und ich bekam auch Unterstützung durch die Mediatorin. Jetzt übernimmt er den Hund auch mal Nachts, damit wir drei auch freier was planen können. Ich schaue nur noch auf mich und die Kinder und gebe seine Verantwortung an ihm zurück und lass es stehen...soweit es geht.

10.05.2022 14:20 • x 4 #53


whynot60


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Zitat von Nordmeer:
Ihr habt recht. Überwiegend nehme ich diese Haltung zu meinem alten Leben auch ein. Ich habe zwei wundervolle Kinder und eine gefühlt wirklich schöne 14,5 Jahre in Partnerschaft und Familie gehabt. Schließlich habe ich ihn geliebt ...und auch seine Macken. Irgendwann möchte ich auch mit diesem Gefühl meinen Frieden mit der Situation finden. Aber jetzt geht es einfach nicht. Es ist einfach noch zu frisch mit knapp 11 Wochen.


Es ist nur zu verständlich, dass Du jetzt noch in der Phase der Enttäuschung und der Wut bist. Das ist völlig normal und nichts als menschlich.
Und auch Eure Kinder müssen sich mit der veränderten Situation natürlich erst einmal abfinden.
Alles nicht so einfach.
Ich wollte Dir nur ein bisschen Hoffnung machen, dass Du - und ebenso Deine Kinder - mit Gewissheit irgendwann auch wieder ein ganz anderes Leben führen wirst, das nicht so niedergedrückt und überschattet und aus den Fugen geraten ist.
Und wie Du schreibst, beginnst Du ja auch damit, die Dinge zu managen und gibst Deinem Mann die Verantwortung zurück. Du bist also ohnehin auf einem guten Weg.
Nur würde ich eben raten, die Vergangenheit nicht schechter zu machen als sie war. Weil das auch einen verdunkelnden Schatten auf die Zukunft wirft. Die Trennung war mies, ja, vor allem, weil sie so aus scheinbar heiterem Himmel kam, und auch, sich schon viel früher innerlich aus dem Staub zu machen und das zu vertuschen, ist alles andere als die feine Art. Aber man sollte diesen Schmerz und die Wut nicht über die gesamte gemeinsame Vergangenheit hinschütten. Sonst kann das unter Umständen zum Leim werden, auf den man sich in der Zukunft selber geht. Indem man etwa gar zu misstrauisch ist und jedes Steinchen den Schatten eines Berges wirft. Darum geht es, nicht darum, dass Du gegenwärtig enttäuscht, wütend und traurig bist.

11.05.2022 03:35 • x 2 #54


bifi07

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@whynot60
Sehr treffend geschrieben!

Leider ist es oft so, wie meine alte Chefin immer sagte:
Wenn der Kunde den Laden verlässt, ist es sehr oft das letzte, was ihm von seinem Einkauf in Erinnerung bleibt, euer Gesicht an der Kasse...also lächeln...

Genauso verhält es sich oft nach einer schmerzvollen Trennung.
Die letzten Gespräche, Gesten oder Streiterein bleiben eher in Erinnerung, als die schöne Zeit, die man hatte.
Vor allen Dingen, wenn keine Hoffnung mehr besteht.
Mir ging und geht es teilweise heute noch so.

Aber man soll die Zukunft nicht von der Vergangenheit bestimmen lassen...nur aus ihr lernen.

11.05.2022 07:07 • x 2 #55


whynot60


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Zitat von bifi07:
Die letzten Gespräche, Gesten oder Streiterein bleiben eher in Erinnerung, als die schöne Zeit, die man hatte.


Ich glaube, das kommt halt darauf an, wie die Dinge emotional besetzt sind (und ob sie überhaupt emotional besetzt sind; es gibt ja auch viele Erinnerungen, die ganz neutral sind). Und welches Gewicht sie haben, das hat wiederum mit der eigenen Natur zu tun.
Der eine behält eher das Schöne und Erfreuliche in Erinnerung, der andere eher das Unschöne und Unerfreuliche. Und bei wieder anderenentemotionalisiert sich überhaupt mehr oder weniger alles, und alle Erinnerungen sind ohne Gefühlsgehalt, sondern sozusagen Begebenheiten gleicher Ordnung.
So verschieden die Menschen sind, so unterschiedlich sind auch ihrer Erinnerungen und deren Bedeutung.

Aber jedenfalls sollte die Zukunft nicht von Vergangenem belastet sein, sonst drückt das die Stimmung unnötig hinab.
Besser also, man behält das Lächelnde in behüteter Erinnerung und nicht das Weinende.

12.05.2022 04:42 • x 2 #56


bifi07

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Zitat von whynot60:
Besser also, man behält das Lächelnde in behüteter Erinnerung und nicht das Weinende

Schön, wenn das funktioniert!
Aber auch das sehe ich, gerade in der Anfangszeit der Trennung etwas kritisch, denn das würde ja bedeuten, das man nur dem Schönen nach hängt und man umso schlechter loslassen kann.
Für später ist das sicher okay, allerdings gibt es viele Wunden, die nur schlecht oder auch nie ganz verheilen.

12.05.2022 06:16 • x 1 #57


Nordmeer

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@bifi07 das drückt mein aktuelles Gefühl aus. Die Trennung ist seit drei Monaten und das was mir zu schaffen macht, ist sein aktuelles verantwortungsloses Verhalten. Er erzählt jedem, dass er immer für seine Kinder da ist und alles für sie tut, aber er macht es nicht. Den Schmerz bei beiden Kindern zu sehen, weil der Vater nicht präsent ist, macht mich unendlich traurig. Er möchte nicht der Wochenendpapa sein und nutzt dabei nicht die ihm zur Verfügung stehende Zeit um mit seiner Tochter zusammen zu sein, weil er lieber auf einen Geburtstag geht. Er macht nichts außer Whatsapp Nachrichten an unseren Sohn zu schreiben.
Es ist mir egal, ob er sich schon länger im zweiten Frühling befindet, man geht einfach nicht so mit Menschen um. Und egal wieviel Trauer und Wut ich in mir trage, ich werde sein Verhalten nicht ändern können, das kann er nur selber.
Aber ich brauche ein Ventil. Seit der Trennung mache ich jeden Tag Sport, damit ich nicht durchdrehe und klar denken kann. Die Kilos haben sich bei mir damit auch stark verringert und ich habe mehr Kraft.
In mir drin schwanke ich, weil ich es einfach nicht verstehe. Und ich frage mich, was sind die Werte einer Beziehung.

12.05.2022 23:01 • x 4 #58


whynot60


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Zitat von bifi07:
Aber auch das sehe ich, gerade in der Anfangszeit der Trennung etwas kritisch, denn das würde ja bedeuten, das man nur dem Schönen nach hängt und man umso schlechter loslassen kann.


So war das nicht gemeint! Würde jemand schon zwei Tage oder zwei Wochen nach einer Trennung wieder froh und munter herumhüpfen, so zeigte das nur überdeutlich, dass derjenige nicht (mehr) liebte und man ihm nichts (mehr) bedeutet hat.
Ich rede hier von einer Zeit, in der die Trennungsphase mit allem, was sich damit verbindet, schon vorbei ist. Das kann unter Umständen ja auch erst nach Jahren sein. Aber dann sollte man eben die schönen Zeiten hervorheben in der Erinnerung und nicht die bitteren. Denn sonst - überhaupt, wenn einem so etwas mehrmals passiert - würde man selber bitter werden.
Erinnert man sich überhaupt vorwiegend an die schlechten und schlimmen Dinge, die einem das Leben eingebracht hat, so untergräbt einen das nur. Und das wäre eben nicht gut.
Aber eine Zeitlang traurig, enttäuscht, wütend zu sein und in dieser Phase auch die schlimmen Erinnerung vor Augen zu haben, das ist eine völlig übliche Reaktion und der Lauf der Dinge.

13.05.2022 01:54 • x 3 #59


bifi07

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@whynot60
Dennoch ist es auch nach 9 Jahren noch bei mir so, dass ich mich eher an die Trennung, als an die schöne Zeit erinnere. Das heißt aber nicht, dass ich verbittert oder nicht mehr beziehungsfähig bin, wie meine jetzige langjährige Partnerschaft beweist...
Wenn es allerdings um den Ex geht, verstehe ich immer noch vieles nicht, obwohl ich die Trennung verarbeitet hab. Ich muss es eben so nehmen, wie es gekommen ist.

Ich könnte mir aber vorstellen, dass sich einige so schwer mit der Vergangenheit tun, dass es für eine neue Beziehung kaum Chancen gibt. Und das meine ich damit, dass man aus der Vergangenheit lernen, sie aber nicht die Zukunft bestimmen soll.

Liebe TE!
Ich hoffe für dich, dass du einen guten Weg für dich und deine Kinder findest mit der jetzigen und kommenden Situation umzugehen.
Mache dir nicht so viele Gedanken um deinen Ex, denn sein Verhalten wirst du nicht ändern können. Es muss schon von ihm selbst kommen!

LG, bifi

13.05.2022 08:43 • x 2 #60



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