Ahhhh, mal wieder die Anziehungsdebatte und damit das auch noch ein bissl mehr Glitzer kriegt, packen wir gleich mal die Genderdebatte mithinein… Zack, Zeitgeist ich komme.
Mhm, naja, ich denke ja, daß hier doch an einigen Stellen vielleicht doch Ursache und Wirkung verwechselt werden.
Man nehme das Klischee eines Hausmanns, weils das ja in Reinform auch echt an jeder Straßenecke heutzutage schon gibt. Nun gut, wir lesen heute alle mal Brand Eins, Cicero und informieren uns auf der letzten Hipster Website du jour und unterstellen, es gäbe besagten Hausmann.
Hausmann kümmert sich richtig gut um die Kinder, macht den Abwasch und kocht. Ehefrau macht große Karriere und big money und eines Tages, stellt sie beim Anblick des windelwechselnden Hausmanns fest, daß der jetzt vielleicht nicht mehr so viel Biss hat, um sie vor den Einbrechern dieser Welt zu beschützen und schwups is die Anziehungskraft hin.
These1: andersherum wird ein Schuh draus, ob Frau den windelwechselnden Typen als Heimchen oder Superhero wahrnimmt, hat damit zu tun wieviel Anziehungskraft (noch) vorhanden ist. Die Anziehungskraft schwindet nicht durch die Entscheidung für oder gegen das eine oder andere Betreuungsmodell, sondern die Verschiebung in der Bewertung des Modells macht die (fehlende) Anziehungskraft sichtbar (!).
Wenn man fremdgehende Männer mal fragt (und jetzt von diesen hübschen Exemplaren abgesehen für die das schon immer Lebensmodel war), also wenn man diese Typen mal fragt, warum die denn so fremdgehen, kommt immer so ein hmpf, naja, nu, ich habe mich nicht mehr wahrgenommen, bewundert oder geliebt gefühlt.
Da Hausarbeit mit ganz viel sozialer Aufmerksamkeit und sozialer Achtung verbunden ist, fühlt man sich natürlich beim Erledigen dieser, wie ein besonders wertvolles Mitglied der Gesellschaft und ist deshalb auch so überhaupt nicht anfällig für Aufmerksamkeitswährung von auch Fremdmärkten.
These2: Wer viel Hausarbeit erledigt, egal ob Mann oder Frau, bekommt wenig Anerkennung. Ob man diese dann bei anderen oder durch eheschädigendes Verhalten sucht, ist vor allem Frage des eigenen Selbstwerts und Egos jedenfalls aber mal keine Gender-Frage.
Das hier durchaus zitierte Argument , daß Frauen sich halt gern beschützt fühlen wollen und das in einer Zeit wo Kohle und Macht, Keule und Körperkraft ersetzt haben, es mithin eben auch auf Kaufkraft und Status, im Gegensatz zu Kinderbetreuungsqualitäten und Kochkünsten, ankommt, um sich „beschützt“ zu fühlen, ist mit Verlaub aber vor allem nur eins, fehlende Selbstliebe und ebensolche Selbsterkenntnis aufgemaschelt mit fragwürdigen Biologismen und in das Gender-Geschenkpapier eingepackt, damit man/frau statt sich selbst mal ein bissl mit sich auseinanderzusetzen, gleich die sozialkritische Gesellschaftsdebatte anstoßen kann.
Gleiches meine Herren, gilt auch für die Bevorzugung von „femininen“ Frauen.
Jede Frau ist dem Wortsinne nach feminin und wer beschützt werden will, damit die eigene Libido funktioniert, der soll und darf das gerne leben, sich aber gleichzeitig darüber klar werden, daß auch das nur fe. also Präferenz ist. Und wenn das Ganze dann aber zu so einer Emo/Gefühls-/Anziehungsdebatte verkommt, dann finde ich das schwierig.
Was ist denn das bei Lichte betrachtet? Wo Schutz gesucht oder gewünscht wird, muß ja zwangsläufig an irgendeiner Stelle auch Gefahr wahrgenommen werden. Die realistischen Gefahren können damit nicht wirklich gemeint sein, kein Partner der Welt kann einen vor Krankheit, Krieg, Schmerz oder Verlust schützen (nun gut vielleicht gibt es ja diesen Militärmediziner, der auch noch so viel Kohle hat, daß er ganz vieles abwenden könnte. Der steht aber in der Nahrungskette so weit oben, daß der sich wohl kaum auf nur eine Frau einließe…

).
Also die echten Gefahren, kann kein Partner abwenden, um welche Gefahren geht es denn hier eigentlich, vor denen frau sich denn dann ganz gern beschützt sehen will?
Der starke Hecht an der Angel, der den eigenen Wert erhöht? Die liebende Vaterfigur, der die Kindheitstraumata heilt? Und wenn so ein Kerl es halt nicht schafft, daß frau sich beschützt fühlt, was löst das dann aus? Frau fühlt sich in der eigenen Weiblichkeit bedroht oder nicht wahrgenommen?
Na geh, das ist Ego und vor allem höchstpersönliche Alt-und Neulasten, die niemand für einen tragen oder übernehmen kann außer man/frau selbst.
Gleiches gilt im übrigen auch für diesen „femininen“ Kram. Wer gerne beschützen möchte, darf sich ruhig mal fragen, ob außerhalb der eigenen Libido, da nicht auch die Frage zu beantworten wäre, warum Mann sich denn „männlich“ fühlen will, wenn Mann es doch per Definition ohnehin ist.
Für mich ist das ganze hier keine Genderdebatte im gesellschaftlichen Sinn, von der ich schon glaube, daß es wert ist diese zu führen und sie geführt werden muß, aber das ist ein politisches Thema, und diesem ist nun überhaupt nicht damit geholfen, daß wir s.uelle Präferenzen, fehlende Selbstverantwortung, fehlenden Selbstwert und das fehlende Hinterfragen von vermeintlichen Werten miteinander vermischen und verwechseln.
@urmel sagt immer, Gefühle sind nicht verhandelbar. @keto, ich glaube, das gilt eben auch für Anziehungskraft. Die ist da oder nicht. Und manchmal war die da und ist es dann nicht mehr.
All das können wir viel, viel weniger beeinflussen, als wir gerne möchten.
Und genau das ist doch der Punkt: Warum muß Anziehungskraft denn halten? Warum ist es so wichtig, herauszufinden, wie man sie bleiben machen kann?
Ich verstehe den Wunsch nach Stabilität. Ich verstehe auch den Wunsch nach Sicherheit. Ich verstehe das Bedürfnis nach Körperlichkeit und auch das nach Liebe. Ich verstehe nur immer noch nicht ganz, warum Stabilität und Sicherheit aus der Liebe von jemandem anderes herausgezogen werden müssen, wenn es doch viel logischer wäre, sich selbst Sicherheit und Stabilität durch Selbstliebe zu verschaffen und dann könnte man ja mal so schauen, was einem im Rahmen von Körperlichkeit und Liebe so über den Weg läuft und wie das mit eigener s.ueller Präferenz zusammenpaßt.
Was ich allerdings überhaupt nicht verstehe, ist, wieso wir hingehen und von anderen erwarten, daß sie uns in etwas so essentiellem, wie unserer Weiblichkeit oder Männlichkeit bestätigen sollen, anstatt diese Debatte mit uns selbst zu führen.
Ich bin nicht weniger oder mehr Frau, weil ich (keine) Kohle verdiene, (keine) Kinder zur Welt bringe oder irgend jemand sagt, daß ich ein Kleid/eine Hose anziehen soll. Und ehrlich, natürlich orientiere ich mich an „Kirchen und drei Strassen weiter rechts“, weil mir tatsächlich bis heute nicht klar ist, wo Norden sein soll. Ab und zu mache ich den Versuch, herauszufinden, wie man weiß, wo Norden ist… Sonne soll ja da durchaus hilfreich sein, aber eigentlich ist es mir total wurscht, ich komme schon an mein Ziel und wenn ich halt jemanden frage… Und weißte, wenn sich mein Typ auch an „Kirchen drei Strassen weiter rechts“ orientiert und nicht weiß, wo Norden ist, dann ist mir das so lange egal, wie ich den halt mag.
Und vielleicht mag ich den für immer. Vielleicht aber auch nicht. Und vielleicht ruiniere ich es auch mal wieder, weil ich noch immer nicht so ganz mit mir selbst klar komme. Vielleicht ruiniert der es aber auch, weil er es halt nicht so hinkriegt. Aber nix davon wird sich dadurch ändern, daß mir theoretisch klar ist, wie Anziehungskraft funktioniert.
Manches lässt sich aber dadurch verhindern, daß ich mich ein ums andere Mal, um mich selbst bemühe, statt dem anderen den schwarzen Peter zuzuschieben, ich den Mut habe, ehrlich mit mir zu sein und ich vielleicht auch ab und zu mal Verantwortung dafür übernehme, daß sich meine Wünsche ändern; und naja, dann auch mal außerhalb des persönlichen Kontext über Sexismus zu reden (und zwar im Hinblick auf beide Geschlechter; Männer sind nicht per se die besseren Chefs und Frauen nicht per se der bessere Elternteil) das könnte dann vielleicht auch helfen.