Zitat von Sway82:Brauche ich auch. Aber diese ist ja nicht an den Berufsstand oder an das Einkommen gekoppelt.
Nein, natürlich nicht. Sagt die (zum Glück nicht brotlose) Künstlerin
So, und jetzt noch mal, ihr lieben Höhlenforscher - ja, es gibt Frauen, die eine Beziehung auch ohne Anziehung eingehen. Oder in einer Beziehung bleiben, obwohl der Mann längst die Anziehung verloren hat. Sind die Männer in diesen Beziehungen glücklich? Wenn sie fremdgehen und sich das Fehlende woanders holen, vielleicht. Und da das nicht gerade wenige tun, wird es wohl auch nicht wenige Frauen geben mit diesem "Problem".
Sind die Frauen in diesen Beziehungen glücklich? Wenn sie aS.uell sind oder gute Kompensationsmechanismen gefunden haben oder fremdgehen und (s.o.) - vielleicht.
Wenn mein Partner (oder meine Partnerin, imho gilt das umgekehrt genauso, nur ist die Anziehung bei Männern nicht so anfällig und wie Elerya richtig sagt, oft auf das Äußerliche der Frau bezogen, wenn diese z.B. nach Geburten plötzlich dick geworden ist und Mann sich nicht traut, was dagegen zu sagen) sich in der Beziehung selbst aufgibt, seinen eigenen Wert aus der Beziehung/mir zieht und nicht aus sich selbst und sich deshalb ständig mir unterordnet, aus Angst, mich sonst zu verlieren, dann verliert er seine Anziehung. Erst recht, wenn er mir das Gefühl gibt, von mir in gewisser Weise "abhängig" zu sein, weil sein Selbstwert von meiner Existenz abhängt. Das ist nämlich so anziehend wie ein Müllsack.
Wenn ich beim Date einen Mann treffe und der mir schon in der ersten halben Stunde suggeriert, dass er so bedürftig ist, gut anzukommen, dass er sich meinetwegen schon beim Date verbiegt (Beispiele aus der Realität: wenn Du nur was trinken möchtest, muss ich auch nichts essen (vorher gesagt, dass er den ganzen Tag noch nichts gegessen und Hunger hat) / nein, ich bin Nichtraucher (steckt sich nach dem Date sofort draußen eine Zig. an, noch bevor ich um die Ecke bin, hat es sich aber vorher stundenlang verkniffen und wurde deshalb immer nervöser) / ich mache eigentlich lieber Urlaub am Strand, aber wenn Du lieber nach Schottland fährst, würde ich natürlich mal mitfahren, das ist bestimmt auch schön dort ....) übt dieser Mann keine Anziehung auf mich aus. Dafür kann ich nichts, das ist einfach so, weil ich instinktiv spüre, dass er gerade einen schlechten Selbstwert hat und den gerne durch mich aufpolieren würde.
Ich habe die Anziehung, die jemand auf mich ausübt, nicht im Griff. Ich kann mich gegen Anziehung wehren, wenn mein Verstand weiß, dass es nicht richtig ist. Ich kann aber keine Anziehung mit dem Verstand herbeizaubern, wenn da keine ist.
Und ich habe jahrelang in einer Beziehung ausgeharrt, in der die Anziehung komplett verloren gegangen war und habe darunter sehr gelitten. Es geht nicht allein um S. Es geht auch darum, dass die Anziehung eben dafür sorgt, dass man den anderen berühren und küssen möchte. Dass man ihm nah sein möchte. Wer je in einer langen Beziehung war, in der die Anziehung verloren gegangen ist, der weiß genau, wie sich das anfühlt. Wenn das Bett nicht groß genug sein kann, um möglichst keinen Körperkontakt haben zu müssen. Oder man gleich getrennt schläft (weil er so schnarcht, natürlich - seltsam, dass ein sehr anziehender Mann schnarchen kann wie ein Holzfäller und Frau sich trotzdem wohlig in seinen Arm schmiegt). Wenn man sich sprichwörtlich nicht mehr "riechen" kann. Wenn die Distanz auf dem Sofa abends immer größer wird. Wenn man nur noch über Belanglosigkeiten und Oberflächliches miteinander spricht, weil der Mann aufgrund der fehlenden Anziehung spürt, dass was nicht stimmt und Verlustangst bekommt und sich deshalb gar nicht mehr traut, irgendwas zu sagen, das "gegen ihn" verwendet werden könnte.
Und beide fühlen sich in so einer Beziehung schlecht - der Mann wird leiden, sein Selbstwert wird noch weiter schwinden, was das Grundproblem verschärft, die Anziehung schwindet dadurch ja auch nur immer noch weiter. Die Frau wird leiden, unter einem schlechten Gewissen und dem Gefühl, eben keine erfüllende Beziehung mehr zu haben, sondern nur noch eine freundschaftlich geführte WG im besten Fall.
Wenn ihr also glaubt, dass die Biologie keine Rolle mehr spielt in unseren Paarbeziehungen, weil wir schließlich keine Höhlenmenschen sind, dann könnt Ihr das gern so glauben und so weitermachen wie bisher. Keine Ahnung, wie erfolgreich ihr bisher damit wart, das wisst ihr selbst. Ich sehe das anders und werde auch künftig, anders als Elerya, eine Beziehung, in der die Anziehung so verloren gegangen ist, beenden. Und ich weiß, dass es auch anders geht, meine Eltern sind seit 43 Jahren verheiratet und die gegenseitige Anziehung ist sogar für Außenstehende noch immer sicht- und spürbar. Und warum? Weil sich beide niemals selbst aufgegeben haben in ihrer Beziehung, sondern immer noch genug "Ich" im "Wir" geblieben sind. Und weil sie nie die Augenhöhe verloren haben.
Es ist schwieriger für Menschen mit einem hohen Selbstwert, einen Partner zu finden. Weil der ja mindestens einen gleich hohen, besser noch etwas höheren "Wert" (Selbstwert nämlich) haben muss, um anziehend zu wirken, Augenhöhe halt. Dafür weiß man dann aber auch, wenn es mal passt, dann passt es eben tatsächlich. Und im Laufe einer Beziehung / Lebens verändert sich der Selbstwert ja ständig, unterliegt Schwankungen. Man kann dann selbst was dafür tun, oder man kann den fehlenden Selbstwert ganz einfach aus der Beziehung ziehen (ich fühle mich gerade zwar wie ein Loser, aber meine Frau ist schön und witzig und klug, also bin ich ja doch noch irgendwie ein toller Typ). Und dann geht sie halt den Bach runter bzw. kommt gar nicht erst zustande, wenn man mit diesem Gedanken auf Beziehungssuche geht.
Gute Beziehungen führen meiner Meinung nach Menschen, die in der Lage sind, ihren Selbstwert immer wieder allein (!) zu stabilisieren. Ohne dafür irgendwelche hohle Aufmerksamkeit von außen zu brauchen (durch Affären oder Onlinedating z.B., das ist die unreife Variante) oder den Partner zu benötigen.
Noch mal das Beispiel meiner Eltern - die haben es sogar geschafft, ihre Ehe zu retten, als mein Vater in höherem Alter arbeitslos wurde und meine Mutter die Alleinverdienerin war. Mein Vater hat sich auf den Haushalt gestürzt - was meine Mutter eh nie gern gemacht hat - und hat u.a. angefangen, zu kochen. Er hat stundenlang Kochsendungen geschaut, sich Kochbücher gekauft, und hat aus dem Kochen ein Hobby gemacht, in dem er heute richtig richtig gut ist. Meine Mutter war glücklich, kochen war noch nie so ihr Ding und sie konnte das auch nie, und fortan bekam sie nach der Arbeit immer was richtig Tolles zu essen, und mein Vater hat seinen Selbstwert dadurch gestärkt, dass er etwas richtig gut konnte, auch wenn er damit kein Geld verdient hat. Und meine Mutter hat ihn dafür
bewundert (!) (dass sie in der Folge zehn Kilo zugenommen hat, ist eine andere Geschichte

).
Beziehung wieder stabilisiert. Hätte auch anders laufen können, wenn er sich depressiv aufs Sofa verkrümelt und den ganzen Tag ferngesehen hätte, weil er sich nicht mehr gebraucht und nichtsnutzig gefühlt hätte.