blackeyed
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Es ist tatsächlich wie ein Zwang, wie eine Sucht.
Ich habe in den ersten Wochen meine komplette Energie, meine letzte Kraft dahingehend gebraucht/verbraucht, ihm NICHT zu schreiben.
Eines Abends war mein bester Freund zu Besuch und ich war komplett neben der Spur, nervös, kalter Schweiss auf der Stirn, zittrige schweissige Hände, mir war schlecht und schwindelig und ich konnte mich auf nichts konzentrieren. Wie ein J. eben.
"Ich kann nicht mehr. Ich muss ihm schreiben. Ich halte das nicht mehr aus. Ich brauche noch ein Gespräch. Erklärungen. Antworten. Einfach Kontakt zu ihm."
Mein bester Freund war nicht begeistert, aber er meinte, nachdem er mir mögliche (unbefriedigende) Szenarien vorgekaut hat, danach ganz ruhig: "Ok. Wenn es Dich soviel Kraft kostet seit Wochen NICHTS zu tun, dann schreib ihm. Aber tu mir einen Gefallen - es ist 23 Uhr - schreib ihm morgen Vormittag."
Mir fiel eine riesen Last vom Herzen, ich wurde schlagartig ruhiger. OK, morgen Vormittag dann.
Am nächsten Tag dachte ich an die möglichen Szenarien (ich hole mir meinen kurzen "Schuss" meiner Dr*oge - also kurz Kontakt - und wie gehts dann weiter? Paar Tage später würde ich wieder einen brauchen. Und dann?)
Lange Rede kurzer Sinn:
Ich habe ihm nicht geschrieben.
Ich hatte in der Akut- Phase dann mein Mantra gefunden: "HEUTE schreibe ich ihm nicht. Morgen weiss ich es noch nicht. Aber heute nein."
Ich kenne dies von trockenen Alk.: "Heute trinke ich nicht. Morgen vielleicht. Das entscheide ich am nächsten Tag."
Sinn des Ganzen ist es, dem Hirn den Druck zu nehmen und sich quasi selbst zu überlisten.
Du musst den Entzug NUN beginnen. Und er kann lange dauern. Wochenlang oder auch Monate.
Du bist ja wieder rückfällig geworden. Passiert. Ab jetzt beginnst Du wieder bei Tag Null.
Aber Du musst den Druck, der sich dabei aufbaut, aushalten.
Ich habe, wenn gar nichts mehr ging, Freunde angerufen. Wenn das nur kurz half, habe ich mich in die Badewanne gelegt. Oder bin an die frische Luft. Oder hab mich auf den Boden gelegt, bis "die Welle" vorbei war. Oder hab hier wie blöde im Forum gelesen. Das alles hat mich von den Entzugserscheinungen abgelenkt.
Ich war wie ein getriebenes Tier, ständig auf der Flucht sozusagen. Wie eine Irre
Mein zweites, trotziges Mantra war dann: "Eher schiess ich mir ins Knie, bevor ich diesem Ars*chloch schreibe."
Nach Wochen des Grauens im kalten Entzug hat der Drang tatsächlich nachgelassen mich melden zu wollen. Ich denke, die Zeit ging dann auch Hand in Hand mit Akzeptieren des "Ist-Zustandes" (es ist vorbei) und Begraben der Hoffnung (Er will mich zurück).
Der Schmerz ist nach wie vor präsent. Täglich. Bei mir sind es nun 5 Monate.
Aber man lernt mit dem Schmerz zu leben. Momentan gehört er zu mir, zu meinem Leben.
Aber eines Tages geht auch er für immer.