So lange Du in der Lage bist, für die Kinder zu sorgen und alles Erforderliche in Sachen Trennung zu regeln, ist Deine innere Stagnation, die sich natürlich auch auf die Energien auswirkt, nicht schlimm. Ganz im Gegenteil. Du musst verdauen, was passiert ist.
Nach dem ersten Adrenalin getriebenen Aktionismus - @Küstenperle hat das sehr schön beschrieben - fallen viele in ein Loch. Ich vernichtete zwei Tage lang wie eine Getriebene jedes Zeichen seiner Existenz, putzte uns säuberte alles, damit gefühlt nicht eine einzigen Hautschuppe von ihm verbleiben konnte. Ich brauchte das wohl für meine seelische Hygiene. Danach tat ich wochenlang nichts anderes als zu atmen. Jeden Tag. Nur atmen und das Allernötigste tun. Es ist eben ein Schockzustand, dem man da ausgesetzt ist.
Aber irgenwann nimmt man die ersten Verrichtungen wieder auf, die über die zur Sicherung des reinen Überlebens hinaus gehen. Dafür brauchen die Menschen unterschiedlich lange und es hat auch damit etwas zu tun, wie man aus so einer Tremmung "entlassen" wurde. Also damit, wie viele Fragen noch offen sind, wie fair sich der andere verhält, wir rücksichtsvoll usw. Und natürlich hat es auch damit zu tun, wer zu einem steht, wie die Freunde und Verwandten beistehen, woraus man zuvor sein Selbstbewusstsein generiert hat etc. Das alles sind Faktoren, die auf die Dauer der Verarbeitungszeit einwirken.
So lange Du keine Termine versäumst und für Deine Kinder sorgen kannst, nimm Dir die Zeit, die brauchst, um zu trauern, um wütend zu sein, um zu vermissen, um immer wieder das Gleiche zu denken, zu erzählen, zu fragen und auch um zu hoffen - egal wie unbegründet diese Hoffnung ist. Denn das Herz ist oft viel langsamer als der Verstand.
Ich glaube, die meisten Verlassenen haben diese "was wäre wenn"-Gedanken. Aber ich glaube auch, dass viele von ihnen, sich auf einmal - für sie selbst unerwartet - abwenden würden, wenn das was-wäre-wenn-der-Partner-bereuen-und-zurückkommen-Gedankenspiel wirklich eintreten würde. Dann wäre es nämlich in vielen Fällen auf einmal vermutlich gar nicht mehr erstrebenswert.
Irgendwann wird es besser werden. Ein schwacher Trost jetzt - ich weiß. Aber hey, wir sind alle noch hier und das in durchaus unterschiedlichen Phasen der Verarbeitung unserer individuellen Erfahrungen.
