Zitat von blechpirat:@Gast_ohne Worte
1. Seit einigen Wochen haben wir wieder eine Basis. Wir reden, wir kämpfen, wir gehen wieder Hand in Hand durchs Leben. Aber was passiert, wenn es wieder stressiger wird? Wenn ich im neuen Job erstmal wieder stärker eingebunden bin und unsere gemeinsame Zeit dadurch weniger wird? Wird sie dann wieder unzufrieden? Werde ich dann wieder misstrauisch? Wir arbeiten gerade so hart an unserer Ehe und es fühlt sich richtig gut an, mit allen Leichen im Keller aufzuräumen, aber es ist immer die Angst da, dass irgendwas kommen könnte, was diese Arbeit wieder zunichte macht.
2. Ich weiß jetzt etwas, was ich niemals wissen wollte. Meine Frau hat mit meinem Kumpel geschlafen. Natürlich verblassen diese Bilder in meinem Kopf, natürlich tut es immer weniger weh. Aber ich werde es bis zu dem Moment, in dem ich den Ar*ch zukneife wissen. Werde mich daran erinnern. Werde den Gedanken geschieben müssen. Und ich habe Angst davor, dass mir das vielleicht nicht gelingt. Wenn ich abends neben meiner Frau im Bad stehe, beide nur in Unterwäsche, dann sehe ich sie manchmal an und überlege, wo er sie wohl berüht haben mag. Und dann denke ich ganz schnell an was anderes und alles ist wieder gut. Aber ich hasse diesen Moment, in dem der Gedanke über mich kommt. Ich hoffe zwar, dass das irgendwann vorbei ist, aber ich habe Angst, dass es immer so bleiben wird.
Bei beiden Fragen kann mir aber meine Frau nicht helfen. Oder mein bester Freund. Oder meine Schwester. Oder meine Oma. Das muss ich einfach abwarten. Irgendwann ist das alles vielleicht aus meinem Kopf verschwunden. Irgendwann muss ich vielleicht sogar schmunzeln, wenn ich daran denke. Aber das wird allein die Zeit zeigen.
Ich verspreche dir, dass diese quälenden Fragen und das Kopfkino mit der Zeit nachlassen. Du musst aber auch versuchen, diese quälenden Gedanken aus deinem Kopf zu verbannen. Klammere dich an die schönen Momente, die du jetzt mit ihr erlebst und schöpfe daraus Kraft.
Du kannst die Vergangenheit nicht ändern. Aber an der Zukunft arbeiten.
Hier ist es so, dass mein Mann mir mit einer Arbeitskollegin fremd gegangen ist. Es war nicht sein erster Fehltritt (was ich aber erst im Laufe der Eheberatung festgestellt habe). Du kannst meine Geschichte hier im Forum verfolgen.
Es hat mich irrsinnig viel Kraft gekostet und mich vor die Herausforderungen gestellt, OB ich diese Ehe wirklich noch will. Explizit die ersten 6 Monate danach! So manches Mal hat mich eine Welle negativer Gedanken überrollt. Eine Welle, die wie bei dir aus quälenden Fragen bestand - von denen ich längst die Antwort wusste. Ein regelrechter Film spielte sich in meinen Augen ab...
Wir haben einige Monate Ehetherapie (Caritas) hinter uns und haben viel an uns gearbeitet. Der Betrug ist nun mehr als 2 Jahre her und ich behaupte, dass wir heute eine gute Ehe führen. Eine, auf Augenhöhe. Wir schätzen einander heute viel mehr, als jemals zuvor. Unsere Kommunikation hat sich verändert. Früher haben wir viel in uns "hineingefressen", heute reden wir offen miteinander, wenn uns etwas beschäftigt. Und so ist es in vielen Dingen.
Insofern war die Vergangenheit für uns notwendig, um etwas besseres daraus entstehen zu lassen.
Ja. Sicher. Auch heute kommen noch irgendwann Bilder in meinen Kopf. Explizit wenn ich "SIE" sehe. Mein Mann nimmt mich dann in die Arme, drückt mich und ich drücke ihn zurück.
Damit kein Alltag entsteht, unternehmen wir regelmäßig 1x pro Woche etwas miteinander. Und: Wir schenken uns Zeit für den anderen. Mal massiere ich ihm den Rücken, mal er mir die Beine...Kleinigkeiten im Prinzip...Aber genau DIE sind es, für die wir dem anderen dankbar sind. Wir sehen einander NICHT mehr als "Selbstverständlich".
Ich wünsche allen, die den Wunsch haben, es noch einmal mit dem Partner zu versuchen, viel Kraft. Seid nicht wütend auf euch, wenn ihr negative Gedanken wegen des Betrugs habt. Schämt euch nicht eurer Tränen. Und erwartet keine Wunder. Es geht mit KLEINEN Schritten vorwärts. Jeden Tag ein klitzekleines Stück. Und manchmal auch recht Große Zurück. Aber alles in allem geht es vorwärts.