Zitat von RoteTablette: Und diese Erfahrungen gibt es, sie sind z.B. im Netz (und auch in Büchern) zu finden, man muss nur suchen. Kostet Zeit, ja, aber das ist gut angelegte Zeit.
Hier stelle ich mal die Hypothese auf, dass gerade Foren und das Internet allgemein hier auch einen gewissen Bias haben:
Geschichten mit negativem Ende suchen deutlich häufiger Austausch, Verarbeitung oder Warnräume.
Menschen, bei denen es nach einem chaotischen Start irgendwann stabil wurde, sitzen oft nicht Jahre später in Foren und schreiben „läuft übrigens immer noch gut“.
Das heißt nicht, dass die negativen Erfahrungen falsch sind – nur dass das Sample möglicherweise verzerrt ist.
Zitat von ImErnst12: Aus der Sicht des Vaters und Ehemann, also wärest du an seiner Stelle, würdest du dann immer noch das Wort "unsauber" benutzen? Klingt so verharmlosend. Sei mal Ehrlich.
Wenn ich mich bewusst in die Perspektive des Ehemanns versetze, dann ist „unsauber“ vermutlich tatsächlich zu weich formuliert. Da bin ich ehrlich genug.
Aus seiner Perspektive war das ein massiver Vertrauensbruch. Das kleinzureden wäre unfair.
Ich selbst war vor einer Weile auch in der Position des Mannes, ich kann mich daher ziemlich gut reinversetzen. Meine Ex hat sich damals ebenfalls in jemand anderen verliebt und das war ein schmerzhafter Prozess. Wir haben im Nachgang aber sehr offen darüber gesprochen, wie es überhaupt so weit kommen konnte.
Und ich habe dadurch gelernt, dass solche Situationen oft deutlich komplexer sind als es auf den ersten Blick scheint.
Zitat von E-Claire: Willkommen hier.
Du schreibst, Du bist getrennt lebend. Heißt das, dass Du noch verheiratet bist? Wie lange bist Du denn schon getrennt?
Ansonsten, sie hat von sich aus in einem überschaubaren Rahmen reinen Tisch gemacht. Obwohl ihr nicht mehr "zusammen" seid, hat sie die ihren Aussagen nach absehbare Trennung vollzogen.
Ja, komplett ehrlich war sie am Anfang nicht. Ja, es hat ne Runde gedauert bis sie reinen Tisch gemacht hat.
Wohl dem, der immer alles richtig macht.
Das Herz will, was es will und anstatt mit dem Herz sinnlos zu verhandeln, lässt sich das ganze auch einfach von der anderen Seite angehen. Minimiere halt das Risiko.
Lasst erst einmal die Kids außen vor. Kein Zusammenziehen oder finanzielles Vermengen von Dingen und schauen, dass sich alle Konsequenzen, für den Fall, dass es schief geht, im überschaubaren Rahmen halten. Beim geringsten Anzeichen für Wiederholung oder on/off bist Du draußen. Oder du merkst, dass Du ihr keine echte zweite Chance einräumen kannst, auch dann bist Du halt draußen.
Was soll schon passieren, wenn Du ihr unter diesen Maßgaben noch mal ne Chance einräumst?
Liebeskummer? Tja, no sh*t Sherlock. Die große Liebe ist aber im Vollkaskomodus nicht zu haben.
Ich bin seit Januar letzten Jahres getrennt. Geschieden werden wir jetzt im Mai. Dein Punkt mit der Risikominimierung statt Vollkasko-Mentalität ist ehrlich gesagt spannend. Ein erster Schritt wäre aus meiner Sicht aktuell erstmal deutlich kleiner: Sich überhaupt nochmal in Ruhe treffen. Ohne Kinder. Ohne Heimlichkeit. Ohne direkt irgendeine Zukunft zu konstruieren. Einfach erstmal herausfinden was ist nach all dem emotionalen Chaos überhaupt noch real ist und was da außerhalb von Verbotenem und Projektion überhaupt Substanz hat. Mich interessiert auch, wie reflektiert geht sie heute mit dem um, was passiert ist?
Das wäre für mich erstmal der nächste logische Schritt nicht direkt ein Sprung in irgendein Patchwork-Familienkonstrukt.
Und wenn bereits auf dieser kleinen Ebene wieder alte Muster sichtbar werden würden, wäre ich vermutlich ohnehin sehr schnell raus.
Realistisch sehe ich eher drei mögliche Szenarien:
1. Sie zeigt langfristig dieselben Muster nochmal: dann wäre ich maximal auf die Nase gefallen und hätte eine sehr klare Lektion gelernt.
2. Mit mehr Abstand merke ich selbst, dass die Situation gerade vor allem durch Intensität und Unerreichbarkeit so groß wirkt und im Alltag relativ schnell entzaubert würde.
3. Trotz eines maximal turbulentem und unehrlichem Start entwickelt sich langfristig tatsächlich etwas Tragfähiges.