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Nach Trennung neu verliebt - aber sie ist verheiratet

BostonCeltric
Danke euch – gerade die Perspektiven zu der wieder auflebenden Jugendliebe finde ich spannend.

Ich glaube tatsächlich gar nicht so sehr an dieses Narrativ von „die eine verpasste Liebe findet nach Jahrzehnten wieder zusammen“. Dafür bin ich vermutlich zu rational 😄
Die alte Verbindung war aus meiner Sicht eher der Türöffner für den erneuten Kontakt. Hätten wir uns als komplett Fremde auf einem Fest mit unseren Kindern getroffen, hätten wir vermutlich keine Nummern ausgetauscht.

Gleichzeitig liegen zwischen damals und heute aber 20 Jahre. Man hat völlig andere Erfahrungen gemacht, andere Werte entwickelt, Kinder, Verantwortung etc. Ich habe also nicht das Gefühl, dass ich irgendeiner Jugendfantasie hinterherlaufe. Im Prinzip lernt man einen neuen Menschen kennen.

Den Punkt mit dem „Trampolin“ bzw. dem möglichen Fallenlassen finde ich allerdings spannend. Das Risiko sehe ich grundsätzlich auch. Was ich mich dabei frage:

Wenn jemand sich in einer unglücklichen Beziehung erst durch neue Gefühle den finalen Impuls holt, heißt das automatisch, dass diese neuen Gefühle nicht echt sind?
Oder kann beides gleichzeitig wahr sein – also dass die bestehende Beziehung ohnehin am Ende war und die neue Person nur der Katalysator?

Gestern hat sie mir geschrieben, eher belangloses was ich so mache an meinem kinderfreien Wochenende und wie es mir geht.

#61


M
Zitat von Wirdschon:
September getroffen, Januar gebeichtet

4 Monate Affäre, in der du an sie geglaubt hast. Und dann kommt die Wahrheit um die Ecke gebogen. Ein Schock für dich,denn 4 Monate hast du nicht gewusst, vermutlich nicht mal geahnt, dass ihr Leben anders aussieht.4 Monate Hinhaltetaktik, Vorspiegelung falscher Tatsachen und Lügen nach allen Seiten.
Und das obwohl sie sich nach eigenen Worten freie Zeit aus den Rippen schneiden muss. Davon fiel dir aber offenbar nichts auf.
Wie ging das denn an Weihnachten, wo Liebende gerne auch mal Zeit für sich haben? Da war sie wahrscheinlich mit Eltern, Geschwistern usw. stark eingebunden.

Und so belügt sie halt zwei Männer. Ihren Noch-Ehemann, mit dem sie angeblich nur noch auf dem Papier zusammen ist und dich, der gutgläubig das Glück gepachtet hatte.

Und dann relativierst du ihr Vorgehen. Du willst es "differenziert" sehen und an das Gute in ihr glauben. Auch das ist die typische Affärendynamik. Auch wenn Schatten aufziehen, so werden sie ignoriert oder so hingedreht, dass sie weniger bedrohlich sind.

Zwei Menschen belügen und betrügen, mit denen man eng verbunden ist. Das muss man erst Mal schaffen. Aber es geschah ja nur aus Angst. Dass irgendwann die Stunde der Wahrheit kommen wird, dürfte ihr klar gewesen sein, aber bis dahin machen wir weiter wie gehabt. Weiß denn ihr Mann von ihrem Doppelleben? Oder ist es dem egal?

x 2 #62


A


Nach Trennung neu verliebt - aber sie ist verheiratet

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Worrior
So viel Lüge, Betrug, Verleumdung und Verrat, davon sollte man sich befreien.

x 2 #63


BostonCeltric
Ich versuche nicht, die Lüge kleinzureden. Ich möchte aber verstehen, wie Menschen sich in sowas immer tiefer reinmanövrieren. Am Ende dieser Frage kann natürlich auch die Antwort kommen, dass sie diese Muster in den letzten Jahren zig Mal gezeigt hat oder gar keine, dessen bin ich mir bewusst.

Wenn auf die erste Frage zum Beziehungsstatus einmal eine Lüge gesetzt wird, entstehen danach zwar immer wieder Momente, in denen man ehrlich sein könnte gleichzeitig wird es aber kurzfristig auch „bequemer“. Das Thema ist erstmal vom Tisch, weil eine Erklärung geliefert wurde und man schiebt die Wahrheit weiter vor sich her. Moralisch macht es das nicht besser, psychologisch finde ich es aber nachvollziehbar. Ich vermute sogar, sie hätte die Wahrheit gesagt wenn ich noch mit meiner Frau zusammen wäre.

Wichtig ist aber auch: Ich habe sie nicht ertappt. Anfang Januar hat sie die Karten von sich aus auf den Tisch gelegt, obwohl ich nichts konkret hinterfragt oder angezweifelt hatte.

In meinem Alltag gab es ehrlich gesagt auch nicht permanent Anlass zur Skepsis. Ich habe meine Kinder im Wechselmodell, einen vollen Freundeskreis, meinen Sport und brauche grundsätzlich auch Freiräume. Weihnachten habe ich z. B. mit meiner Familie und meinen Kindern verbracht – da war es für mich nicht ungewöhnlich, dass sie ebenfalls familiär eingebunden war.

Und genau das ist ja der bittere Teil: Wäre sie von Anfang an ehrlich gewesen, gäbe es dieses Problem gar nicht. Dann hätte man entweder gesagt „okay, kein Kontakt“ oder maximal lockeren Kontakt auf einer völlig anderen Basis weil sich ohnehin keine andere Ebene entwickelt hätte.
Ich bin auch völlig bei euch: Wenn mir ein guter Freund diese Geschichte erzählen würde, wäre meine erste Reaktion wahrscheinlich ähnlich kritisch.
Gleichzeitig bin ich emotional eben näher dran und kann das Gute, das ich in ihr gesehen habe, gerade noch nicht komplett loslassen. Wohlgemerkt für mich selbst, dieses Signal sende ich nicht in ihre Richtung.

Vielleicht muss ich mir diese kritischen Perspektiven hier auch einfach oft genug anhören.

x 2 #64


Usambara
Ich glaube dieses immer auch die guten Seiten sehen wollen oder sich an das Gute erinnern das geht den meisten Menschen so.

Man will es einfach nicht sehen oder nicht wahr haben dass diese anderen Sachen da sind.

Denn es bedeutet die Enttäuschung zu akzeptieren. Man wurde ent täuscht und man realisiert ja dann das man sich getäuscht hat falsche Vorstellungen, Lügen oder Projektionen aufgesessen ist die nichts mit der Realität zu tun haben.

Man will nicht glauben dass man es nicht gesehen hat, es tut weh und so sucht man immer weiter nach dem Guten.

Wie sagte hier jemand mal so schön : Eine heruntergefallene Pizza hat auch zwei Seiten. Würdest du sie dennoch essen? (vielleicht sagst du jetzt, kommt drauf an wohin sie gefallen ist, kann man nicht so pauschal sagen, nicht jede Pizza muss dann dreckig sein etc...)

Aber das ist nicht das worum es geht.

Es ist das bewerten der REALEN Situation, der wirklichen Vorgänge vorzunehmen und wie diese zu meinen/deinen/ihren Grundwerten passt.

Wenn das Fundament, der Anfang schon mit wesentlich wichtigen Sachen nicht passt, ist Misstrauen, Zweifel und Unsicherheit dein Freund und Helfer in künftigen schwierigen Situationen/Phasen der Beziehung und nicht Vertrauen und Sicherheit und Loyalität. Dieses kann sie nicht bieten.
Wenn das aber für dich wichtige Eigenschaften sind musst du für dich entscheiden.

Egal ob viele andere Sachen gut sind.

x 1 #65


I
Zitat von BostonCeltric:
Ich versuche nicht, die Lüge kleinzureden. Ich möchte aber verstehen, wie Menschen sich in sowas immer tiefer reinmanövrieren. Am Ende dieser Frage kann natürlich auch die Antwort kommen, dass sie diese Muster in den letzten Jahren zig Mal gezeigt hat oder gar keine, dessen bin ich mir bewusst. Wenn auf die erste ...

ich finde dieser eine Satz, dass Sie erst nach ein paar Monaten mit der Wahrheit rauskam, ziemlich interessant. Du kennst meine Meinung ja bereits, aber dass setzt dem ganzen die Krone auf. Sie hat getestet, wie es sich mit dir entwickelt. Sie hat es als "gut genug" deklariert. Sie hatte ja genug Zeit zu testen ob sich der Absprung lohnen könnte und kam dann mit der Wahrheit raus.

Wärst du es nicht Wert gewesen, hätte Sie dich fallen lassen und wäre zurück zu Ihrem Partner, wie Sie ja es auch bereits während der Affäre machte. Dann hätte Sie dir auch nicht die Wahrheit gesagt. Das ist ein Warmwechsel aus dem Bilderbuch aber noch abgebrühter als ohnehin schon.

#66


BostonCeltric
Zitat von ImErnst12:
ich finde dieser eine Satz, dass Sie erst nach ein paar Monaten mit der Wahrheit rauskam, ziemlich interessant. Du kennst meine Meinung ja bereits, aber dass setzt dem ganzen die Krone auf. Sie hat getestet, wie es sich mit dir entwickelt. Sie hat es als "gut genug" deklariert. Sie hatte ja genug Zeit zu ...

Den Gedanken finde ich tatsächlich interessant – also dass ich erstmal auf „Tauglichkeit“ geprüft wurde und erst nach bestandenem Prüfsiegel der finale Absprung erfolgen sollte.

Und ganz ehrlich: Natürlich habe ich mir diese Frage auch gestellt.

Was mich an der Theorie allerdings etwas zweifeln lässt:
Sie hat mir Anfang Januar von der Ehe erzählt und ich habe danach den Kontakt komplett eingestellt.
Die Trennung mit ihrem Mann wurde nach ihrer Aussage aber erst rund drei Monate später eingeleitet. In dieser Zeit war ich faktisch komplett außerhalb ihrer Reichweite, sie konnte mich also weder weiter „testen“ noch irgendeine emotionale Sicherheit durch mich aufbauen.

Und selbst in den Monaten davor hatten wir durch die Rahmenbedingungen gar keine klassische Beziehungsrealität:
- keine Übernachtungen
- kein gemeinsames Wochenende
- wenig gemeinsame Zeit
- kein gemeinsamer Alltag

Und jetzt kommt vielleicht die unromantischste Hypothese ausgerechnet von mir selbst:
Vielleicht war ihre Ehe gar nicht dieses völlige Katastrophenszenario, was sie verkauft hat. Vielleicht war es eher das, was viele Eltern mit kleinen Kindern erleben:

Vollzeitjob, Care-Arbeit, permanenter Organisationsmodus, wenig Paarzeit, körperliche Erschöpfung, man funktioniert mehr als dass man lebt. Beide fühlen sich vom anderen nicht mehr gesehen oder begehrt und verlieren sich zunehmend als Paar.

Aber ich halte es durchaus für möglich, dass sie zunächst eher in dieses Gefühl „gerutscht“ ist: wieder gesehen werden, wieder Leichtigkeit spüren, wieder als Frau wahrgenommen werden und nicht nur als Mutter/Organisatorin des Familienalltags (ohne Wertung gegenüber ihrem Mann!).

Vielleicht war die ursprüngliche Intention nicht einmal „ich suche jetzt einen neuen Partner“, sondern eher das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, emotionaler Nähe und einem Teil von sich selbst, den sie lange nicht gespürt hat.
Und weil wir zusätzlich diese gemeinsame Vergangenheit hatten, hat es sich für sie womöglich emotional anders angefühlt als ein klassischer Seitensprung mit einer fremden Person – was objektiv natürlich nichts daran ändert, dass es trotzdem Betrug war.

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I
Zitat von BostonCeltric:
Den Gedanken finde ich tatsächlich interessant – also dass ich erstmal auf „Tauglichkeit“ geprüft wurde und erst nach bestandenem Prüfsiegel der finale Absprung erfolgen sollte. Und ganz ehrlich: Natürlich habe ich mir diese Frage auch gestellt. Was mich an der Theorie allerdings etwas zweifeln lässt: Sie ...

Findest du es nicht erschreckend, dass du unbewusst zum Teil eines Betruges gemacht wurdest? Also ich meine, dass du unbewusst Teil des Leides des Vaters und der Kinder bist? Das dir deine Entscheidung durch Lügen abgesprochen wurde?

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