Hallo Sonntag,
ich denke, Dir geht es wie vielen hier, die nicht wirklich verstehen können, warum ich diesen Kontakt nicht final einstelle. Glaub mir, manchmal geht es mir auch so.
Wäre das umgekehrt, wäre wirklich alles umgekehrt, also ich wäre fremdgegangen und meine Frau hätte wie ich um die Familie gekämpft, dann würde ich den Kontakt nicht wollen. Er würde mich schmerzen und ich hätte Angst, das mehr daraus erwächst. Ich würde meine Frau bitten, den Kontakt einzustellen.
Zurück in die reale Welt.
Was wäre, wenn meine Frau den Kontakt herausfinden würde? Ich bin mir sicher, sie wäre erschüttert und verängstigt.
Ich würde ihr dann alle Mails (ihre und meine) zeigen. Sie könnte, nein sie müsste, sie in Ruhe lesen. Sie würde dabei Dinge aus meinem Innern erfahren, die sie zwar ansatzweise kennt, die sie aber vielleicht anders gesehen oder gedeutet hat. Sie würde erkennen, dass ich genauso wie sie, vor einem Abenteuer stand. Sie würde sehen, dass ich den "Charaktertest" bestanden habe. Sie würde erkennen, dass es eine Frau gibt, die mich sehr schätzt, die vielleicht ein bisschen verliebt in mich ist. Sie würde sehen, dass mein Denken und Handeln, das eines liebenswerten Mannes ist. Sie würde erkennen, dass ich sie liebe.
Würde sie die Emails lesen, ist es ein Stück weit so, als würde sie diesen Thread lesen. Ja, hier stehen Wahrheiten. Wahrheiten, die nicht immer einfach sind. Aber letztendlich dürfte sie alles, was hier steht, lesen und müsste auch daraus ebenfalls die Erkenntnis ziehen, dass ich sie liebe.
Wer weiß, vielleicht zeige ich ihr irgendwann diesen Thread und dann muss ich ihr die Emails ohnehin auch zeigen. Letztendlich bin ich stolz auf diesen Thread, dass ihr ihn zu einem Thread gemacht habt, der von vielen geschätzt wird. Letztendlich bin ich stolz auf das, was ich Zuhause mit meiner Frau und meinen Kindern geschafft habe.
Ja, der Kontakt zu meinen Mailfreundin bleibt schwer zu verstehen. Obgleich ich schon glaube, dass manch einer von Euch nachvollziehen kann, dass man etwas nur für sich haben möchte. Etwas, dass einem viel gibt, ohne dass man gleich sein restliches Leben dafür aufgeben muss. Etwas, dass Lücken füllt, man aber weiß, dass es kein Leben füllen wird. Vielleicht ist es bei mir auch nur eine Phase, in der ich das brauche und genieße. Vielleicht ist es ein großes Glück für mich, vielleicht am Ende auch nicht. Zum Glück kann keiner von uns in die Zukunft blicken ...
So, nun wieder zu dem, was normalerweise passieren wird.
Ich stehe vor einem wunderbaren Weihnachtsfest mit meiner Familie, insbesondere mit meiner Frau. Darauf freue ich mich und ich weiß, dass wir sehr schöne Tage haben werden. Meine Frau spricht in den letzten Tagen häufiger davon, dass sie großen Mist gebaut hat und was sie für ein Glück hatte, dass ich nicht durchgedreht bin. Dass sie dank mir noch in einer tollen Familie leben darf. Sie ist froh darüber und wird diese Freude in den nächsten Tagen sicher wieder mit mir teilen.
Nochmals Euch allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Jahr 2016!
Da es in die Zeit passt, gönne (oder belaste) ich Euch noch ein paar Zeilen von Matthias Claudius:
Immer ein Lichtlein mehr!
Immer ein Lichtlein mehr
im Kranz, den wir gewunden,
dass er leuchte uns so sehr
durch die dunklen Stunden.
Zwei und drei und dann vier!
Rund um den Kranz welch ein Schimmer,
und so leuchten auch wir,
und so leuchtet das Zimmer.
Und so leuchtet die Welt
langsam der Weihnacht entgegen.
Und der in Händen sie hält,
weiß um den Segen!
Viele Grüße, Tundil