Lieber kleiner Tiger,
heute möchte ich dir auf deinen Beitrag vom 24.08.2019 eine Antwort geben.
In gewissen Fällen, da kann die Trennung eine Erlösung sein (bei Gewalt usw.), aber in der Regel gehört eine Trennung natürlich immer zu den schlimmsten Negativerfahrungen, die nur sehr schwer zu verarbeiten sind.
Damals wäre ich mit meinen Kindern beinahe auch an der Trennung zerbrochen und natürlich hatte ich da ebenfalls solche Denk- bzw. Verhaltensweisen, wie du sie momentan beschreibst. Ohne meine Kinder, Familie, Freunde und Kollegen, hätte ich diese Situation vermutlich nicht so gut gemeistert.
Bei mir ist mittlerweile einige Zeit in`s Land gegangen und ich habe längst wieder in das normale Leben zurückgefunden. Ich bin mit meinem Leben ganz zufrieden und komme alleine sehr gut klar. Deshalb lesen sich meine Worte heute vermutlich sehr einfach niedergeschrieben, aber es war ein sehr langer, sehr beschwerlicher und steiniger Weg. Unser Leben ist ein ständiger Lernprozess und auch ich musste viele Dinge dazulernen, erstmal begreifen, neu überdenken und letztendlich akzeptieren.
Du hast vollkommen recht, nach der Trennung und insbesondere nach dem Ende einer Langzeitbeziehung, da sind die Schmerzen unerträglich und kaum noch auszuhalten. Im ersten Moment ist man richtig fassungslos, komplett hilflos und absolut orientierungslos.
Die Enttäuschungen sowie Verletzungen und die Wunden sind so groß, dass man im schlimmsten Fall das eigene Leben in Frage stellt und dieses vielleicht sogar beenden will.
Solche Kurzschlussreaktionen (Gedanken) sind nicht untypisch. In dieser Phase denkt man völlig unbewusst, überwiegend an den verlorenen Partner und nicht mehr an das, was man wirklich hat (Kinder, Familie Freunde usw.).
Nach einer so langen Zeit, da verliert man ja nicht nur seinen Partner und bisherigen Wegbegleiter, sondern man verliert auch einen wichtigen Teil seines Lebens. Da kann man die vielen Erinnerungen nicht einfach löschen oder gewisse Gewohnheiten von heute auf morgen abstellen.
Letztendlich werden wir und unsere emotionalen Reaktionen sehr präzise von unserem Unterbewusstsein gesteuert. Das Hauptproblem besteht eben darin, dass niemand sein Unterbewusstsein überlisten oder sogar abschalten kann. Somit kann sich natürlich auch niemand gegen all die Erinnerungen, quälenden Gedanken sowie Träume oder gegen das ungewollte Kopfkino wehren.
Aber wir können unser Unterbewusstsein zumindestens durch positives Denken beeinflussen und das macht dann viele Dinge wirklich einfacher. Wenn wir uns sagen, das schaffe ich nicht, dann werden wir es nicht schaffen. Wir leiten genau diesen Befehl, vollkommen unbewusst, an unser Unterbewusstsein weiter.
Wie auch immer, kein Mensch ist wie der andere und so unterschiedlich wie wir Menschen sind, so unterschiedlich gehen wir mit Problemen bzw. mit gewissen Situationen um. Aber das ändert nix daran, dass man nach einer Trennung sehr viel Geduld während der Aufarbeitung aufbringen und auch mal mit kleineren Schritten zufrieden sein muss. Und ja, es wird immer wieder Höhen sowie Tiefen bzw. vereinzelte Rückschläge geben. Aber das gehört bei der Aufarbeitung dazu und betrifft alle Betroffenen gleichermaßen.
Wir müssen uns immer wieder bewusst machen, dass es Situation geben wird, wo uns Hätte, Wenn und Aber nicht mehr weiterbringen. Es gibt immer Entwicklungen und Dinge in unserem Leben, die wir nicht beeinflussen, nicht ändern und schon garnicht verhindern können.
Zitat von Kleiner-Tiger:Ich bin aber sehr weit weg davon einen würde-und respektvollen Umgang mit meinem Mann zu haben. Kann mir das auch nicht vorstellen in Zukunft!
Das muss und das kann nur jeder für sich selbst entscheiden. Es gehören außerdem immer zwei Menschen dazu, um einen würde- sowie respektvollen Umgang zu ermöglichen. Anderseits gibt es natürlich auch Paare, wo so ein Umgang aus verschiedensten Gründen absolut nicht möglich ist.
Ich bin glücklich und dankbar dafür, dass wir dieses freundschaftliche Miteinander noch immer haben. Eigentlich erwähne ich es in meinen Beiträgen gelegentlich nur deshalb, damit auch andere Menschen erkennen, dass es nicht immer mit einem Rosenkrieg enden muss. In meinem Umfeld ist so ein Umgang übrigens ganz alltäglich und völlig normal, also ich bin diesbezüglich nix Besonderes.
Zitat von Kleiner-Tiger:dass du trotzdem noch hier bist um anderen Mut zu machen, macht dich sehr sympathisch.
Ich hatte mir zwischendurch eine Auszeit gegönnt, weil mich gewisse Geschichten sehr tief berührt und teilweise echt mitgenommen haben. Zwischenzeitlich hoffte ich ein wenig, dass unsere Menschen etwas vernünftiger werden. Aber wenn ich mir die Threads so ansehe, dann ist es nicht wirklich besser geworden.
Es gibt in diesem Forum viele fantastische Menschen, von denen auch ich noch lernen kann. Ansonsten versuche ich, wie viele andere auch, einfach etwas Mut zu machen bzw. neue Sichtweisen und Denkanstösse zu vermitteln.
PS
Du bist übrigens auf einem guten Weg und es wird auch bei dir irgendwann wesentlich besser werden

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VG Holzer60