Fanta1
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Zitat von VictoriaSiempre:Ich wiederhole mich auch gerne (wenn vielleicht nicht zum letzten Mal ): Ich kenne keinen einzigen Fall, wo es eine lebenslange Verpflichtung zur Unterhaltszahlung gab.
Nachehelicher Unterhalt aufgrund von ehebedingten Nachteilen ist aber grundsätzlich unbefristet, so auch bei mir. Das heißt bis zum Eintritt ins Rentenalter. Aber nochmal: Es müssen hierfür extrem viele Bedingungen vorliegen, das bekommt man nicht einfach so. Der Unterhaltsberechtigte muss vor der Eheschließung einen gut bezahten Job gehabt haben, diesen zugunsten der Kindererziehung während der Ehe aufgegeben haben und dann NACHWEISLICH keinen ähnlich gut bezahlten Job mehr ergattern können. Dennoch muss der Unterhaltsberechtigte aber vollzeit arbeiten, ansonsten wird ihm ein fiktives Vollzeiteinkommen angerechnet. Also einfach nur sagen " ehm, ich find nix mehr" reicht bei Weitem nicht. Ich musste vor Gericht nachweisen, dass ich mich unermüdlich um einen neuen Job bemüht habe, musste alle Bewerbungen und Absagen auf den Tisch legen, musste Fortbildungsmaßnahmen nachweisen. Einfach nur zwei Absagen vorlegen reicht auch nicht, bei mir waren es mehr als 50, ich wollte ja unbedingt wieder arbeiten ! Irgendwann habe ich dann aus Verzweiflung diesen schlecht bezahlten Küchen-Job angenommen und war froh, als ich nach zwei Jahren endlich aus der Befristung raus war. Sich dann aus einem unbefristeten, sicheren Job wieder neu auf einen unsicheren, mit Probezeit oder Befristung versehenen besser bezahlten Job zu bewerben, ist laut Gericht nicht zumutbar und auch nicht gewünscht. Die Richterin meinte, sie habe sich mit ihren Kollegen beraten und alle seien zu dem Schluss gekommen, dass ich wirklich alles versucht habe, um den Unterhalt so klein wie möglich zu halten für den Ex und dass es aufgrund meiner Erwerbsbiographie schon erstaunlich sei, diesen unbefristeten Küchen-Job bekommen zu haben ( Merke: 2017 hatten wir noch keinen gravierenden Fachkräfte- oder Personalmangel, da musste man noch extrem um Jobs kämpfen !)
Wenn also dann zweifelsfrei nachgewiesen ist, dass die Tatsache der ehebedingten Nachteile erfüllt ist, bekommt man auf Grundlage von ungefähr zwanzig Jahren Ehedauer zwei Jahre " vollen nachehelichen Unterhalt", dann nochmal zwei Jahre einen leicht gekürzten Unterhalt auf Grundlage der langen Ehedauer und für die allermeisten Unterhaltsbegehren ist dann Feierabend, aber wenn man- so wie ich- die ehebedingten Nachteile nachweisen kann, bekommt man danach UNBEFRISTET BIS ZUM RENTENEINTRITT die Differenz aus der Summe, die man aktuell erwirtschaften kann mit seinem Einkommen und dem Einkommen, dass man erwirtschaftet hätte, wenn man ununterbrochen in seinem alten, gut bezahlten Job hätte weiterarbeiten können. Ich musste also darlegen, was ich zu diesem Zeitpunkt in der Küche verdient habe ( 30 Stunden Mindestlohn), die 30 Stunden wurden fiktiv auf Vollzeit ( 40 Stunden) hochgerechnet und dieser Betrag wurde zugrunde gelegt. Dann musste ich nachweisen, was ich in meinem alten Job verdienen könnte, wenn ich ununterbrochen dort geblieben wäre und diese Differenz wird dann unbefristet ausgezahlt. Natürlich immer vorausgesetzt, der Unterhaltszahler ist finanziell dazu in der Lage.
Ich finde es erstaunlich , wie hier einige User getriggert sind, wenn eine Frau unbefristeten Unterhalt erhält, wie sie sich fast persönlich angegriffen fühlen, als müssten sie den Unterhalt selber zahlen. Wie gehässig und abschätzig sie die jahelange Erziehungsarbeit bewerten, so als wäre das überhaupt nichts wert. Ich kann dazu nur sagen, dass die vielen Vollzeit berufstätigen Mütter damals sehr sehr gerne ihre Kinder bei mir geparkt haben ( " ach, Fanta, du bist doch zu Hause, könntest du eventuell....du weißt doch, meine berufliche Fortbildung...." ), die zum Teil völlig gestresst überhaupt nichts aus dem Schulleben ihrer Kinder mitbekamen, nicht wussten, dass bald Klassenfahrten anstanden, nicht wussten, welche Schulmaterialien besorgt werden mussten, keine Zeit zum kochen hatten und den Kindern Geld für die Pommesbude mitgaben. Da wo Großeltern einspringen konnten, lief es besser, aber die hat nunmal nicht jeder in der Nähe. Ich könnte ein Buch darüber schreiben, erkenne aber im Gegensatz zu einigen anderen Usern hier die Arbeitsleistung dieser Frauen an. Beides unter einen Hut zu bringen, wenn man Vollzeit arbeitet und keine Großeltern hat ist nunmal verdammt schwierig. Ich würde mir daher ein wenig Respekt wünschen für die Entscheidung, auf Einkommen zu verzichten, sofern man es sich finanziell erlauben kann. Anders sieht es aus, wenn von vornherein feststeht, dass irgendwann der Staat einspringen muss.
Meinem ExMann geht es finanziell bestens, auch nach der Scheidung gehört er mindestens zu den Top 10 % Verdienern, lebt in einem schicken Eigenheim mit allem Drum und Dran ( ich in einer kleinen Etagen-Mietwohnung), nennt ein Luxus-Wohnmobil sein eigen und macht drei bis vier Mal im Jahr Urlaub. Also das Mitleid mit dem armen, armen, bis aufs Hemd ausgezogenen Ex-Mann, der fortan von Wasser und Brot leben muss, ist ein Ammenmärchen, zumindest in meinem Fall.