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Neuanfang mit Ex - wie verhalten?

stabilo88

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Hallo ihr Lieben,

vielleicht könnt ihr mir helfen - wir waren 5 Jahre ein Paar, bevor sie sich letztes Jahr im Sommer getrennt hat. Die Beziehung war nie leicht, es gab mehrere kleine On/Off-Phasen von einigen Tagen, aber wir haben uns immer wieder gefunden.

Seit Sommer hatten wir keinen Kontakt, bis sie sich nun im Januar wieder bei mir gemeldet hat. Nach einem Gespräch haben wir festgestellt, dass auf beiden Seiten noch sehr viele Gefühle da sind - sie sich aber zuletzt von mir erdrückt vorgekommen ist, was sie durch die Trennung beendet hat. Sie meinte, je mehr sie im (Arbeits-)Stress war um so mehr wollte ich von ihr. Sie habe sich deswegen zurückgezogen.

Deswegen haben wir nun gesagt, wir lassen es langsam angehen, lernen uns langsam neu kennen. Wir telefonieren, wir WhatsAppen und wollen uns alle zwei Wochen am Wochenende sehen, wenn sie die Kinder (nicht meine) nicht hat.

Soweit alles schön und gut. Aber ich habe das Gefühl, dass wir damit nicht weiter kommen. Die Distanz ist aus meiner Sicht zu groß. Ich kommuniziere ihr, welche Dinge mir nach der Trennung wichtig waren zu verändern, was ich an mir gearbeitet abe. Ich habe ebenfalls die Beziehung mit ihr reflektiert und darüber gesprochen. Dennoch habe ich das Gefühl, mehr "zu investieren" - wenn man das so sagen kann - bringe sehr deutlich zum Ausdruck, dass ich an einem Re-Start sehr interessiert bin, mit ihr an einem Gelingen arbeiten möchte und sie liebe.

Von ihr kommt sehr wenig. Ich weiß, sie schaut sich das gerade an, ob ich sie wieder erdrücken könnte. Aber das tue ich nicht. Ich bettle nicht, ich komme nicht needie auf sie zu, baue keinen Druck auf - bin sehr bei mir selbst, habe genügend andere Dinge zu tun, stelle sie nicht in den Mittelpunkt meines seins, was sie ja sofort merken würde.

Dennoch kommt von ihr nichts. Kein - was wir am Wochenende machen, sie frägt am Telefon nicht, wie es mir geht, keine Anstalten sich Zeit für uns zu reservieren . kein nichts . . wir haben am Telefon neutrale Gespräche, fast banale . ich merke, ich bin ihr etwas wert, sie denkt an mich, sie sagt, sie hat mich lieb . es gibt ein "guten Morgen" und "Guten Abend" . aber kommt von sich aus nicht in die Gänge, auf mich zuzugehen, mir ebenfalls durch Taten zu zeigen, dass sie an einem Neuanfang wirklich von Herzen interessiert ist. Darauf angesprochen wird das Gespräch sehr schnell aggressiv, weil ich laut ihr zu schnell und zu viel will.

Erst letzten Samstag habe ich mit meinem Sohn eine riesen Portion Gulasch gekocht. Als ich ihr das gesagt hatte, meinte sie - ach, wie schön waäre es, wenn du mit ihm heute am Sonntag mit den Resten kommst und wir alle geminsam essen, Familie und so . das könnte sie sich richtig gut vorstellen. Daraufhin bin ich zu ihr, wurde von den Kids überschwänglich begrüßt, von ihr gabs nichtmal einen Kuss.

Wie soll ich mich denn nun verhalten? Wie kommt man langsam in "die Gänge" mit einem Neuanfang? Wie findet man langsam die Nähe wieder? Das Vertrauen? Baut eine neue Beziehung auf, die die Fehler der Vergagenheit vermeidet? Ich habe so das Gefühl, es plätschert so vor sich hin, bis ihr in ein paar Wochen das alles zu Langweilig und uninteressant vorkommt und sie erneut die Reissleine zieht.

Aber kann man eine solche Dynamik in diesem zarten Stadium eines Neubeginns überhaupt steuern? Was kann ich tun, um nicht in die Freundschaftszone zu geraten? Wie gesagt - ich vermeide gerade jeden Druck, jede Erwartungshaltung, jedes "auf das Tempo drücken" . der Lockdown und auch meine persönliche Auslastung mit anderen Dingen machen das auch gerade sehr einfach. Aber verliert man sich in der Distanz nicht eher, als dass man Nähe gewinnt?

Wie soll ich mich richtig verhalten?

13.01.2021 16:06 • #1


DieSeherin

DieSeherin


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Zitat von stabilo88:
Von ihr kommt sehr wenig. Ich weiß, sie schaut sich das gerade an, ob ich sie wieder erdrücken könnte. Aber das tue ich nicht. Ich bettle nicht, ich komme nicht needie auf sie zu, baue keinen Druck auf - bin sehr bei mir selbst, habe genügend andere Dinge zu tun, stelle sie nicht in den Mittelpunkt meines seins, was sie ja sofort merken würde.


hmmm... vielleicht bist du aber trotzdem ein wenig zu "forsch" in deiner art, diese beziehung 2.0 zu thematisieren und die alten defizite aktiv aufräumen zu wollen? vielleicht hat sie sich unter "langsam angehen lassen" etwas leichteres und unbefangeneres vorgestellt?

13.01.2021 16:24 • x 1 #2



Neuanfang mit Ex - wie verhalten?

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stabilo88

stabilo88


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Ja, verstehe ich ... ich bin nur ratlos, wie? Müssen nicht beide sich engagieren? Aktuell halte ich die Füße ruhig ... melde mich auch tagsüber nicht bei ihr ... schreibe nicht, rufe nicht an. Dann kommt wieder der Vorwurf, sie wüsste ja gar nicht, was ich den ganzen Tag so mache. Wie mache ich es denn nun richtig? Wie kann ich ein gesundes Distanz/Nähe-Verhältnis aufbauen, ohne dass man sich gegenseitig verliert?

13.01.2021 16:27 • x 2 #3


DieSeherin

DieSeherin


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Zitat von stabilo88:
Wie mache ich es denn nun richtig? Wie kann ich ein gesundes Distanz/Nähe-Verhältnis aufbauen, ohne dass man sich gegenseitig verliert?


hast du sie das mal genau so gefragt?

13.01.2021 16:28 • #4


stabilo88

stabilo88


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Ja. Sie meinte, sie will dies mit telefonieren, schreiben und alle zwei Wochen sehen ... dass wir uns neu kennenlernen.
Und ich wolle zu viel. Das könne sie mir aktuell nicht geben.

Alles gut soweit. Aber warum ist dann der "Flow" beim telefonieren und schreiben dennoch so einseitig?

13.01.2021 16:31 • x 1 #5


Tanika


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Wenn ihr beide einen Neuanfang wollt, würde ich parallel eine Paartherapie machen. War ja nicht das erste on/off. Da scheint ja grundsätzlich etwas nicht zu stimmen, was sich eher manifestiert hat. Oft sieht das nur jemand von Außen sehr deutlich und kann euch Methoden an die Hand geben, wie ihr da raus kommt.

13.01.2021 16:34 • x 1 #6


DieSeherin

DieSeherin


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Zitat von stabilo88:
Aber warum ist dann der "Flow" beim telefonieren und schreiben dennoch so einseitig?


wahrscheinlich genau, weil:

Zitat von stabilo88:
Und ich wolle zu viel. Das könne sie mir aktuell nicht geben.


und wenn sie sich beschwert, dass sie ja gar nicht weiß, wie dein tag so läuft, weil du dich ja nicht meldest, dann musst du halt eine klare ansage machen: sie soll sich klarer positionieren!

ganz davon abgesehen, habe ich aber ehrlich gesagt das gefühl, dass das nicht viel sinn macht, dieser "aufwärmversuch".

13.01.2021 16:35 • x 1 #7


stabilo88

stabilo88


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Ich denke, ich bin tendenziell der ängstliche Bindungstypus, sie der Vermeidende. Das hatte ich in unseren Gesprächen bereits angesprochen, sie wollte sich das Buch dazu durchlesen. Aber hat sie bis heute nicht gemacht ...

13.01.2021 16:37 • #8


stabilo88

stabilo88


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Zitat von DieSeherin:
und wenn sie sich beschwert, dass sie ja gar nicht weiß, wie dein tag so läuft, weil du dich ja nicht meldest, dann musst du halt eine klare ansage machen: sie soll sich klarer positionieren!


Das hatte ich mal gemacht - bei einem anderen Thema - sie hatte keine Antwort drauf. Generell denke ich, schwächt es mich, wenn ich sie frage, was und wie sie es (nur in diesem Zusammenhang natürlich) gerne hätte. Will Frau nicht einen souveränen, aus der Stärke heraus handelnden Mann?

13.01.2021 16:40 • #9


Tanika


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Zitat von stabilo88:
Ich denke, ich bin tendenziell der ängstliche Bindungstypus, sie der Vermeidende.

Ist oft so bei on/off Beziehungen, dass einer oder beide Bindungsprobleme haben. Je nach Ausprägung kommt ihr dann nur durch eine Einzeltherapie da raus. War jahrelang in der gleichen Situation und weiß wie belastend das für beide Teile der Partnerschaft ist.
Gerade die Nähe/Distanz Problematik ist dann oft ein ganz großes Thema.

13.01.2021 16:41 • x 2 #10


Snipes

Snipes


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Zitat von stabilo88:
Ich denke, ich bin tendenziell der ängstliche Bindungstypus, sie der Vermeidende. Das hatte ich in unseren Gesprächen bereits angesprochen, sie wollte sich das Buch dazu durchlesen. Aber hat sie bis heute nicht gemacht ...


Das ist auch nicht nur ihr Job. Wenn es so sein sollte, wie Du es beschreibst, kommt ihr um klare Absprachen sowie eine Paartherapie bzw. Einzeltherapie für jeden von euch nicht herum. Ihr bleibt sonst in euren alten Mustern und Ängsten gefangen und das wird kein gutes Ende nehmen,

Mit Buch meinst Du sicherlich "Stefanie Stahl" und das ist nicht verkehrt, wird aber nicht die Lösung sein. Begleitend zur Therapie ja, aber nur das Buch alleine zeigt ihr nur die Symptomatik auf, die sie aber alleine nicht ändern kann. Wenn Du mit ihr darüber sprichst musst Du sehr behutsam sein, denn nicht Du bist ihr Therapeut und kannst es auch nicht sein.

13.01.2021 16:42 • x 1 #11


stabilo88

stabilo88


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Zitat von Snipes:
Mit Buch meinst Du sicherlich "Stefanie Stahl"


Nein, das Buch heißt "Warum wir uns immer in den falschen verlieben" und zeigt zu den Mustern auch Lösungswege auf.
Aber auch die müssen, wie du richtig sagst, auch beide wollen und aktiv angehen. Momentan spüre ich das nicht.

Mein Dilemma ist eben - lasse ich sie zu sehr an der langen Leine, werden wir uns wahrscheinlich verlieren. Gehe ich behutsam in den Dialog, fühlt sie sich bedrängt. Kann man hier nur verlieren?

13.01.2021 16:48 • #12


Tanika


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Zitat von Snipes:
Mit Buch meinst Du sicherlich "Stefanie Stahl"

"Jein" von Stefanie Stahl wäre dann aber eigentlich der Klassiker und Mittel der Wahl in eurer Situation. Das Buch ist sehr gut. Aber....

Sehe es aber auch wie Snipes. Das Buch kann nur Anstoß sein zur Veränderung. Heilung alleine wird es nicht bringen.

13.01.2021 16:51 • #13


Tanika


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Zitat von stabilo88:
Mein Dilemma ist eben - lasse ich sie zu sehr an der langen Leine, werden wir uns wahrscheinlich verlieren. Gehe ich behutsam in den Dialog, fühlt sie sich bedrängt. Kann man hier nur verlieren?

Das kannst du hier drehen und wenden und nochmal und nochmal ... habt ihr bestimmt auch schon oft in der Vergangenheit auch in persönlichen Gesprächen gemacht. Hab ich mit meinem Ex auch. Aber das ist wie Kaugummi und wird nicht den gewünschten Erfolg bringen. Das Problem bei euch beiden, ihr oder dir sitzt viel tiefer.

13.01.2021 16:53 • #14


Snipes

Snipes


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Zitat von stabilo88:
Mein Dilemma ist eben - lasse ich sie zu sehr an der langen Leine, werden wir uns wahrscheinlich verlieren. Gehe ich behutsam in den Dialog, fühlt sie sich bedrängt. Kann man hier nur verlieren?


Du hast Dir das in dem Satz davor ja schon selber beantwortet, denn es geht ja darum, dass ihr beide die Beziehung und die dadurch notwendigen Veränderungen haben wollen müsst. Nur einer kann das nicht bewerkstelligen und deine Freundin solltest Du besser nicht an die Leine legen Um den Dialog kommt ihr aber nicht herum und es geht ja eigentlich nur um zwei Fragen: "Wollen wir beide unsere Beziehung am Leben erhalten?" und wenn ja "Sind wir beide bereit uns dazu Hilfe von außen zu holen?". Damit solltest Du anfangen und dann schreibst Du hier nochmal bzgl. ihrer Antwort.

13.01.2021 16:55 • #15



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