Zitat von LillyP: Liebe Anna, wie geht es dir zur Zeit?
Liebe Lilly, danke, dass du fragst!
Ich habe mich die letzten Wochen zurückgezogen, viel aufgearbeitet, reflektiert, habe mir Gedanken über die Beziehung und mich gemacht, mich viel mit Freunden und meinem Therapeuten ausgetauscht, einiges unternommen.
Die meiste Zeit geht es mir okay bis gut, manchmal - vor allem, wenn es abends still wird - weine ich und der Schmerz ist wieder ganz da.
Es ist harte Arbeit für mich, aber es fügen sich auch viele Puzzleteile zusammen und ich erkenne viele Ungereimtheiten, die mich schon in der Beziehung stutzig machten, mich aber erst jetzt aufhorchen lassen.
Im Folgenden einige Beispiele.
Er hat mich hier und da auf mehr oder weniger subtile Art und Weise abgewertet und es oft als Scherz verpackt:
- ich sei zu introvertiert und ruhig (das sagte schon seine Mutter nach dem ersten Kennenlernen über mich - "Das ist ja ein schönes Mädchen, aber so still!"); ich muss dazu sagen, dass ich meiner eigenen Meinung nach weder introvertiert, noch schüchtern bin. Wenn ich in Gesellschaft nichts zu sagen habe, dann sage ich einfach nichts und höre stattdessen zu. Ich habe in der Veranstaltungsbranche gearbeitet, Referenten betreut und moderiert, habe also kein Problem damit, auf Menschen zuzugehen. Ich muss aber nicht im Mittelpunkt stehen und nur um des Redens Willen reden.
- ich sei zu emotional - auch im Berufsleben. Ich müsste da noch abhärten; das käme bestimmt noch mit zunehmender Erfahrung.
- zwischendurch äußerte ich, auch gerne irgendwann selbstständig und mein eigener Chef zu sein (er ist selbstständig). Die Ideen, die ich hatte, bewertete er als nicht gewinnbringend oder durchdacht genug. Ein Satz von ihm blieb mir auch im Kopf: "Jeder Häuptling ist ein Indianer, aber nicht jeder Indianer kann ein Häuptling sein."
- in unserem letzten wirklichen Gespräch Anfang März sagte er mir, ich sei ja auch noch attraktiv und schön, aber körperlich nicht mehr so anziehend. Zu der anderen fühle er sich hingezogen, zu mir aber nicht mehr. Ich wiege 58 Kilo bei 1,65m - so dramatisch kann es nicht sein.
- bzgl. meines Körpers kamen in den Jahren immer mal wieder kleine Sticheleien. Er selbst ist null trainiert, hat Übergewicht. In einer meiner sportlich aktiveren Phasen sagte er, er würde es gut finden, dass ich das so durchziehe. Als ich darauf meinte, dass er zuvor gesagt hatte, er würde auch gerne wieder aktiver werden, bräuchte aber einen Motivator und dass er mich doch als Motivation nehmen könnte, meinte er, das motiviere ihn nicht, er bräuchte richtige Gegner.
- er bezeichnete mich als "süß"; mein Verhalten war süß, wenn ich sauer war, war ich süß, wenn ich unvorsichtig war, war ich süß. Gut aussehend war ich wohl auch, aber nie nannte er mich se*y, anziehend, begehrenswert o. ä.
- wenn ich mir die Nägel farbig lackierte oder Lippenstift trug (was nicht oft vorkam), passte ihm das nicht.
- er machte ungefragt Kommentare zu meinem Schmuck ("deine Ohrringe sehen aus wie einem Pirat") oder meiner Kleidung ("Oma")
- als ich noch in der Trennung letztes Jahr Lösungen vorschlug, z. B., dass ich doch öfter mal zu Feierlichkeiten beim Golfen mitgehen könnte, wenn ihm das wichtig sei, sagte er, das seien ja auch zwei ganz unterschiedliche Welten. Wie genau das gemeint sei, konnte er nicht definieren.
- in Bezug auf Reisen sagte er "im Spaß", er zeige mir die Welt. Seit ich 18 bin, reise ich recht viel und habe bereits vor ihm einiges gesehen...
usw.
Hinzu kam, dass er auf Familienfeiern oder Geburtstagen meist als letzter kam und als erster ging, wenn er keine Lust mehr hatte. Ich blieb meist noch. Bei meinen Freunden war er so gut wie nie dabei, wenn etwas anstand.
Mir waren gemeinsame Essen wichtig - z. B. das gemeinsame Sonntagsfrühstück. Wenn er schon fertig war, ich aber noch nicht, stand er dennoch auf und legte sich aufs Sofa.
Von seiner Ex erzählte er in der Anfangszeit viel und die beiden hatten ein recht enges Verhältnis - sie waren zweieinhalb Jahre voneinander getrennt, als wir zusammenkamen. Sie war/ist inzwischen verheiratet, nachdem sie die Beziehung zu meinem Ex nach fast drei Jahren vor deren geplanter Hochzeit beendet hatte. Darauf angesprochen, sagte er, er erzähle ja nur so viel von ihr, weil ich sie auch von früher kenne. Mir war es aber unangenehm. Beide trafen sich regelmäßig, spielten Karten mit ihren alten Nachbarn, wir wurden zum ersten Geburtstag ihres Kindes eingeladen. Auch das war mir unangenehm. Der Kontakt nahm etwas ab, bis er sie 2018 fest bei sich im Unternehmen anstellte, worüber er im Voraus nicht mit mir gesprochen hatte, sondern es mir einfach im Nachhinein mitteilte. Er sagte, hätte er es mir vorher gesagt, dann hätte ich emotional reagiert, hierbei gehe es aber um eine geschäftliche und nicht um eine emotionale Entscheidung. Außerdem sei das nur eine Übergangslösung. Überraschung: die "Übergangslösung" hielt bis Ende 2020 an. Sie zogen gemeinsam ein Reise-Portal hoch.
Ich fühlte mich in dieser Sache übergangen und das verletzte mich, weil ich auch nie eine RICHTIGE Entschuldigung dafür erhielt, dass auf mich und meine Gefühle keine Rücksicht genommen worden war. Die Entschuldigungen, die ich bekam, lauteten: "Es tut mir Leid, dass du verletzt bist/dich deswegen schlecht fühlst, aber...".
Nun, in dem letzten Gespräch, was wir Anfang März hatten, sagte er, wenn ich in dieser Sache schon so nachtragend gewesen sei, wie sollte ich ihm dann je die Ereignisse des letzten Jahres verzeihen. Das würde wohl nie passieren.
Es hätte nur einmal eine echte Entschuldigung gebraucht!
In Bezug auf Reisen schrieb er mir letztes Jahr nach der Trennung auch, es seien ihm eigentlich zu viele Reisen und Urlaube mit mir gewesen, die Hälfte hätte gereicht. Er hätte sich da besser durchsetzen müssen und nicht mit mir wegfahren sollen, um MIR einen Gefallen zu tun.
1. abgesehen von den Reisen mit mir, war er zusätzlich pro Jahr noch mind. sechsmal anderweitig unterwegs.
2. sagte er mir, als er wieder bei mir auf der Matte stand, er wolle so gerne mit mir wegfahren und könne sich nicht vorstellen, dass wir nie wieder gemeinsam unterwegs sein sollen.
3. befindet er aktuell in seinem dritten (Golf-)Urlaub seit Dezember - in Corona!
Zitat von Heffalump: Ist doch auch so. Du willst konkret, weil das tut man als Paar. Wenn er sich dadurch schon eingeschränkt fühlt - dann gute Nacht Marie.
Mit dieser Einschränkung argumentierte er u. a. zur obigen Aussage, es seien ihm zu viele Reisen gewesen. Reisen mit mir bedeuteten nämlich auch immer Planung und Verbindlichkeit. Die anderen Reisen seien einfacher gewesen, weil er da auch locker noch kurzfristig hätte absagen können, wenn es doch nicht passt oder etwas Spannenderes dazwischen kommt. Bei mir wäre das nicht gegangen...
Die Liste geht noch weiter, aber ich habe nun eh schon wieder so viel geschrieben... Entschuldigung
Zitat von LillyP: Notfalls nimmst du dir einen Psychologen
Den habe ich und das ist auch gut so. Ich habe festgestellt, dass ich durch die Beziehung und dieses Hin und Her danach insofern Schaden genommen habe, als dass ich nicht das Vertrauen in andere Menschen, sondern das Vertrauen in mich selbst bzw. mein Bauchgefühl verloren habe.
Wenn mir jemand etwas Nettes sagt, mir ein Kompliment macht oder Interesse an mir zeigt, kann ich das nicht annehmen.
Es fühlt sich zwar vom Bauch her gut an, aber mein Kopf wehrt direkt ab und unterdrückt das positive Gefühl, weil im letzten Jahr auf Liebesbekundungen und Nettigkeiten immer der nächste Schlag folgte.
In einem Moment war ich das Beste, was meinem Ex hätte passieren können, war die Eine, die künftige Mutter seiner Kinder, seine große Liebe und im nächsten Moment war ich nur Gewohnheit. In einem Moment der wichtigste Mensch im Leben, im nächsten Moment wurde eich für eine andere verlassen. In einem Moment war das alles der größte Fehler seines Lebens, im nächsten Moment bedeutete ihm die Geschichte mit der anderen wohl doch mehr, als er sich eingestehen wollte.
Egal, was mein Bauchgefühl mir sagte, ich drückte es weg, glaubte das, was mir von außen gesagt wurde und nicht das, was mein Bauch mir sagte. Ich war immer ein emotional geleiteter Mensch, der seinem Bauchgefühl und seiner Intuition trauen konnte. Das habe ich verlernt.
Zitat von Heffalump: Was nimmst du aus Runde eins, aus Runde zwei für dich mit, als "Lerneffekt"?
Das finde ich aktuell mit dem Psychologen heraus, stehe aber noch am Anfang.
Ich möchte das Vertrauen in mich wieder finden und für die weitere Zukunft eine emotional tiefere Beziehung.
Ich weiß jetzt, wer meine Freunde sind - und davon habe ich mehr als gedacht.
Ich weiß meine Familie und deren Rückhalt wieder zu schätzen.
Es gibt Menschen, die Gutes für mich wollen - nicht, weil sie mir sagen, was ich hören möchte, damit ich Ruhe gebe oder weil sie sich eine Gegenleistung erhoffen.
Ich hatte im März ein professionelles Fotoshooting, bei dem unglaublich tolle Bilder entstanden sind, auf denen ich stark, stolz und schön aussehe. So möchte ich mich auch wieder fühlen...
Liebe Grüße
Anna