Zitat von Birkai: So ganz ohne Grenzen und Konsequenzen fürs überschreiten sind Kinder auch völlig verloren.
Eins meiner Kinder lernt von Anfang an selbstständig, kennt die Grenzen, wenn es ums Feiern und Ausgeht geht, ist total bei den Eltern der Freundinnen beliebt, weil sie eben die Vernünftige ist und aufpasst, ich habe nie einen Katalog mit ihr ausgearbeitet oder sie für schlechte Noten bestraft, die Note ist schon Strafe genug und es fließen Tränen, soll ich da noch mit einer Strafe kommen? In der Oberstufe eher Quatsch, aber auch früher war sie so drauf. So kenne ich es auch von mir. Wenn die Eltern einmal im halben Jahr mal helfen mussten, was Schule betrifft, war es schon viel. Anders das Kind mit ADS Problematik. Das ist so anders, dass man da nicht die gleiche Schiene fahren kann und auf keinen Fall die selbe Leistung erwarten.
Zitat von Birkai: Belohnung für Noten finde ich übrigens auch nicht gut. Weil dies ganz schnell kippt, wenn nämlich vorher genug gelernt wurde und dann trotzdem die Arbeit schlecht ausfällt.
Auch hier: das Kind ohne ADS ist schon durch die gute Note belohnt, stahlt und ist happy. Natürlich lobe ich sie auch und anstatt ihr Geld dafür zu geben, erfülle ich ihr immer wieder den einen oder den anderen Wunsch, lasse ihr gewisse Freiheiten. Gestern bin ich zum Beispiel aus einem kurzen Urlaub zurück gekommen und sie war die Tage alleine Zuhause, auf Ihren Wunsch. Sie hat mir Bilder vom Essen geschickt, das sie selbst zubereitet hatte - mein lieber Mann, ich bin so stolz auf sie - sie kümmerte sich um die Katzen, um die Blunen und die Wohnung war in top Zustand. Ich weiß, dass ich mich zu 100% auf sie verlassen kann.
Das Kind mit der ADS Problematik kann ich doch nicht auch noch zusätzlich für schlechte Noten bestrafen! Sie leidet ja schon selbst darunter, allerdings bringe ich ihr bei, dass die Noten nicht alles sind und sie nun mal das Problem mit der Konzentration hat und ich keine Einser erwarte, auch keinen Abiabschluss. Ich versuche es abzumildern, was leider sowieso der Fall ist, sie vergleicht sich mit der Schwester und zieht ihre Schlüsse daraus. Wenn dann ich auch noch mit Strafen für schlechte Noten komme, wie soll sie sich dann fühlen? Wertlos und unfähig? Das kann ich ihr sicher nicht antun.
Ich finde in solchen Fällen muss man extrem aufpassen und sehr behutsam vorgehen. Anders wäre es, wenn beide Kinder ohne Probleme durchs Leben gingen, da bräuchte man nicht so sehr auf diese Balance zu achten.
Und hier ist ebenfalls noch ein Kind involviert. Wenn die Tochter unproblematisch ist, wird es für den Sohn nicht gerade förderlich sein sich immer als das schwarze Schaf der Familie zu fühlen. Auch wenn er das so herbeiführt, so ist er immer noch ein Kind und fasst das auf seine kindische Art auf „Ich bin nicht genug, ich bin nicht gut, ich bin anders“.
Theorien hin oder her, das Leben mit den Kindern ist eine Herausforderung und bedarf viel Fingerspitzengefühl. Kommt eine Trennung hinzu und alle möglichen Folgen, wird es noch schwieriger.