Ich habe eine andere große Baustelle im Moment, die schmerzhaft ist und wahnsinnig kräftezehrend.
Und ich fühle mich damit sehr allein. Es ist kein Partner da, der mich kennt und all die langwierigen Umstände. Da ist niemand, der mich in den Arm nimmt oder in den Ar. tritt.
Ich hatte irgendwie ein paar Monate Pause, wo die Trennung zwar noch nicht verdaut, aber nicht mehr so schwer im Magen lag. Und jetzt bin ich in einer Situation wo mein warmwechselnder Ex-Mann eine Stütze ist.
Zitat von Jamirah: Meine Mutter sagte immer wieder, ich will, dass es Dir gut geht.
Das kenne ich auch. Da ist meine Antwort auch immer sehr von der Tagesform abhängig. Aber es gibt auch manchmal die Antwort: Du kriegst nicht immer was du willst. Und jetzt musst du aushalten, dass es mir schlecht geht.
In der wirklich schlimmen Phase waren sie bedingungslos unterstützend und auch meinungslos. Da war ich wieder ihr Kind, das sie füttern und auf den Arm nehmen wollten. Aber jetzt, wo ich wieder stabiler stehen kann, verschiebt sich das wieder. Sie können jetzt ihre Rollen als Großeltern wieder nach ihrem Gusto gestalten. Können sich ihren eigenen altersgerechten Befindlichkeiten zuwenden, schrullig werden und ihre Macken rauslassen. Und ich kann wieder in die Rolle der erwachsenen Tochter gehen.
Deine Mutter hat ja ein Stück weit recht, aber was bringt es deiner Tochter? Kann man es auch stehen lassen? Oder ist ihr Verständnis der Zerrissenheit deiner Tochter wichtig?
Zitat von Heffalump: Und, Außenstehende, dazu gehören auch Eltern, wissen nie die ganze Wahrheit,
Das stimmt. Aber ich meinte eher, diese Langwierigkeit, diese punktuelle Dünnhäutigkeit. Das ist für Außenstehende schwer zu fassen.
Zitat von Jamirah: Aber die andere Seite, Eure Freunschaft und Liebe, die Verletzung, die Wut bleiben unbearbeitet.
Das stimmt so nicht. Es ist eine andere Verarbeitung als bei einem totalen Kontaktabbruch. Wir betreiben Expostionstherapie miteinander.
Es ist aber keine Wunde, die wir ignorieren. Es ist eine ätzend große Wunde in mir und eine andere in ihm. Er lässt alle meine Fragen (manchmal die gleiche mehrmals) zu, erträgt meine Verzweiflung und sucht nach seinem eigenen Weg manches zu mildern.
Wir saßen neulich im Park und haben gleichzeitig über die anderen Leute gelästert und über unsere Beziehung gesprochen. Für mich ist es einfacher von ihm zu hören, warum er sich so verhalten hat, als es zu mutmaßen.
Ich habe mich früh entschieden zu verzeihen und noch viel mehr, dass mir diese Erfahrung nur wenig nehmen darf. Wenn ich als Mensch halt großzügig bin, warum soll ich es Ex gegenüber nicht sein? Wenn mir dieser Mensch wichtig ist, warum soll ich ihn komplett loslassen.
Er ist der Vater meiner Kinder und falls eines von ihnen in dreißig Jahren so verletzt wird, will ich mir mit ihm die Klinke in die Hand geben, weil wir dieses Kind dann bedingungslos unterstützen.
Das bedeutet aber nicht, dass ich in die Partnerschaft zurück will. Ich möchte gern eine neue Partnerschaft, wieder verliebt sein, jemanden neu kennenlernen, mich nochmal anders kennenlernen.