Ich musst eine Weile über @rheinländers Worte nachdenken. Und ich musste mir überlegen, wie ich es am besten erkläre. Aber jetzt habt ihr mir durch die Diskussion gute Anhaltspunkte gegeben.
Zitat von Jamirah: Ich glaube, wir alle, die nach einer Trennung auf eine neue Liebe hoffen oder gehofft haben,
Ich weiß nicht, ob das mein Ziel ist. Sicher möchte ich irgendwann gern wieder in einer Beziehung leben, aber der erste Gedanke nach der Trennung war, die Kinder da gut durchzubringen und der zweite wieder glücklich zu werden.
Zitat von Unterwegs2023: Dein Zitat 1 fühle ich sehr, kann mir aber die "Form" einfach nicht vorstellen und kann mir nicht mehr vorstellen, wie sich so etwas entwickelt (Anwärter gibt's, aber Beziehung? Wie geht das? Offenbar noch nicht bei mir)
Zitat von Unterwegs2023: Ich würde aber auch mutmaßen, dass Du aus diesem Grund nicht von den inneren Tiefen aus offen bist für jemand Neuen.
Ich bin im Moment nicht beziehungstauglich. Dafür gibt es aber mehrere Gründe. Der romantische Slot (wie @Caecilia es so schön geschrieben hat) ist vielleicht zu 90% frei. Es sind noch Reste von Ex übrig, aber damit stresse ich mich nicht. Allerdings ist mein Leben so voll, dass ich nicht das Gefühl habe jemand besonderem die Zeit und Kraft zu geben, die derjenige verdient hat. Rein logistisch bin ich immer noch beim Piloten.
Insgesamt schlagen ja hier Leute auf, die in wenigen Tagen und Wochen nach so einer Trennung sich neu orientieren konnten und Menschen, die Jahre brauchen.
Ich denke, für die anderthalb Jahre bin ich ganz okay.
Zitat von Unterwegs2023: Fotos von früher kann ich schlecht ansehen, weil ich so gern dieses Gefühl wieder hätte: lieben und geliebt zu werden.
Kein Problem für mich. Hier hängen Bilder vom Ex. Es schmerzt mich nicht. Sehr selten erfüllt mich Wehmut, weil es alles Fotos aus dem Familienalltag sind. Aber selbst die Wehmut ist selten.
Zitat von Caecilia: Und das Beste: Ich habe kein Herzrasen, kein überschießendes Adrenalin, kein sich aufbäumendes Solar plexus bemerkt.
Deshalb wünsche ich dir den Mut, dich diesen Situationen zu stellen. So geht es mir schon seit ungefähr einem Jahr. Es regt mich nicht auf Ex zu sehen.
Zitat von KomischerVogel: Aber ich stelle mir das schwierig vor, weil ich mir dann vielleicht die Frage stellen würde, "Warum das Ganze?"
Ich habe meine Antworten. Ich muss nicht mehr nach dem Warum? fragen. Weder, warum er gegangen ist, noch warum er es auf die Art und Weise gemacht hat.
Zitat von KomischerVogel: Und die Art der Trennung bzw vielmehr das Verhalten danach, bleibt ein Problem.
Vielleicht ist das bei uns einfacher. Jenseits der Akutphase gab es keinen Streit. Es gab keine subtilen Anspielungen (zumindest von seiner Seite. Ich war nicht immer besonders nett), es gab kein "Ausnehmen" und auf sein Recht beharren. Es gab ein gemeinsames Verständnis, dass wir beide daran nicht kaputt gehen wollen, emotional, sozial und wirtschaftlich.
Zitat von KomischerVogel: Der hohe Preis, der zu zahlen ist, der ist es wert, bezahlt zu werden, nur um den Partner loszuwerden.
Diesen Punkt habe ich erst verstanden, als ich es selbst gefühlt habe. Ich habe Ex angesehen und da war kein partnerschaftliches Empfinden mehr. Da war nur noch, das will ich nicht. Und ich stelle es mir sehr schwer vor mit diesem Gefühl in einem in diesem Leben zu bleiben, nur weil alles andere noch anstrengender wäre.
Zitat von Unterwegs2023: ich fühle nichts an Liebe mehr.
Ich finde diesen Zustand zu beschreiben schwer. Es ist noch Liebe da. Aber wie für einen Kollegen mit dem man mal so richtig in der sch. gesteckt hat und jetzt noch ein bisschen mehr respektiert. Unser jetziger Status ist nicht zwischen Liebe und Freundschaft einzuordnen. Lustigerweise haben wir neulich zum ersten Mal darüber gesprochen, ob wir jemals wieder Freunde sein können. Aber auch da weiß ich aktuell gar nicht, ob ich das will.
Zitat von Heffalump: Aber Freundschaft muss man sich auch verdienen
Sehe ich anders. Meine Freundschaft kriegt man einfach so. Das bedeutet nicht, dass sie bedingungslos ist, aber sie ist nicht an Leistung gebunden.
Zitat von Unterwegs2023: Dafür braucht mein Ex in der Zwischenzeit aber keine Rolle in meinem Leben zu spielen.
Jein. Wenn man sich nach x Jahren zum ersten Mal am Krankenbett oder bei der Dro. sieht, kann es natürlich sein, dass die Idee, was der richtige Weg ist, ähnlich ist.
Es scheint mir aber leichter, wenn man sich zwischendurch immer mal wieder austauscht. Den Blick auf das Kind miteinander abstimmt, die Ecken ausleuchtet, die der andere nicht sieht und zwischen sich einen zielorientierten Umgangston findet.
Zitat von Jamirah: Ihr hört zu, seid Euch dadurch doch auf eine Art und Weise nah, auch wenn ihr nicht weitermachen wollt. Ziel ist das Verzeihen
Mein Ziel ist das Verzeihen. Ich bin noch nicht vollständig da, aber ich kann es schon erahnen.
Ex Ziel ist wahrscheinlich eher nicht noch mehr zu zerstören als absolut nötig. Was jetzt nötig war, ist sein Ding.
Meistens habe ich mit Ex die Beziehungsebene vollkommen verlassen. Wir nehmen uns ab und an mal Zeit, da manches noch mal anzugucken. Aber in meinem Alltag spielt er nur noch als Kindsvater eine Rolle und inzwischen auch wieder auf eine Art und Weise, die ich wertschätzen kann.
Zitat von Rheinländer: Ich meine damit, immer das alte vor Augen geführt zu bekommen, in meinen Augen nicht komplett abschließen zu können und dadurch den Absprung in sein eigenes neues Leben nicht zu finden.
Ich weiß, was du meinst. Aber ich mache das alles nicht, weil ich so sehr an dem Vergangenen hänge. Ich mache es, weil ich eine Zukunft möchte in der ich mir manche Freiheiten wieder gönnen kann.
Ein zuverlässiger, flexibler Kindsvater bietet mir so viel mehr Freiheit als jedes Verschließen vor der Vergangenheit.
Wenn ich mir morgen ein Bein breche, kann ich getrost auf Kur fahren, weil meine Kinder versorgt sind. Ich kann jetzt mit Freunden spontan in den Urlaub fahren, weil Ex dann da ist. Ich kann jetzt im schlimmsten Fall die Stunden reduzieren, weil wir uns nicht an die Düsseldorfer Tabelle halten, sondern an Bedürfnisse (das funktioniert in beide Richtungen). Dafür, dass wir ein klassisches Residenzmodell haben und ich die Kinder 4/5 der Zeit, habe ich wahnsinnig viel Privilegien.
Vielleicht ist mein Zwischenergebnis, dass sich die Spähren Beziehung und Familie komplett getrennt haben.