Hi zusammen,
ich lese hier auch weiter mit, habe aber oft das Gefühl, gerade bei den Kinderthemen nichts beitragen zu können. Gleichzeitig wollte ich auch mal gern ein Update geben, und jetzt passt es gerade. Thema Vertrauen ....

Erzähle ich etwas dem Ex, bei dem mir meine Kinder sagen, dass sie nicht wollen, dass es der Ex weiß? Lebensgefährliches wie Caecilias Beispiele schließe ich aus, denke, da ist klar.
Ich finde es in allen anderen Fällen falsch, dem Ex etwas weiterzugeben, bei dem meine Kinder mir ausdrücklich sagen, dass sie das nicht möchten. Meine Zwickmühle war: Eins meiner Kinder fand die zwei Jahre Affäre meines Ex mit anschließender Trennung aus dem Nichts moralisch derart daneben, dass er mit seinem Vater keinen Kontakt mehr wollte. Gesagt hat er das seinem Vater nicht und wollte das nicht - nach außen blieb er höflich, nahezu höflich-freundlich, so dass mein Ex nicht mitbekommen hat, wie viel da kaputtging - vorher ein tolles Vater-Sohn-Verhältnis. Mein Sohn war reflektiert, hat mit mir darüber geredet, mit dem Vater nicht. Mir hat es (trotz allem) das Herz gebrochen, dass dieses gute Eltern-Verhältnis vorbei war und mein Ex es nicht mal schnallt (ok, Kind wohnt seit fünf Jahren auswärts). Ich habe einen Mittelweg gesucht und meinem Ex gesagt, dass er doch mal schauen möge, wie sein Kontakt zu den Kindern ist - und dass vielleicht in so einer extremen Situation, es war recht bald nach der Trennung, er sich etwas mehr Mühe geben müsse, den Kontakt zu halten. Mehr nicht. Und das fand ich schon grenzwertig.
Bei mir ist es so, dass der schlimmste Verlust an dieser Trennung der Missbrauch von einem grenzenlosen Vertrauen durch meinen Ex war. Mein Vertrauen in sein Verhalten, aber auch das Vertrauen der Kinder in die Sicherheit vielleicht von Stabilität oder von Werten etc.
Das Vertrauen hat mein Ex missbraucht, und das auch gegenüber seinen Kindern.
Und deswegen finde ich es komplett fatal, wenn ich das genauso machen würde. Die Kinder haben genauso einen Vertrauensbruch erlitten durch die Trennung - vermutlich alle Kinder, weil es für Kinder meist eh aus dem Nichts kommt. Mir ist es enorm wichtig, dass sie wissen: Sie können mir vertrauen.
Klar, meine Kinder sind erwachsen, aber darum geht es gar nicht. Kinder haben schon früh sehr feine Antennen. Grundschulkinder sind meiner Meinung nach schon in meinem Alter, wo sie sehr sensibel für Loyalität und Vertrauen sind. Sicherheit, Stabilität.
Zitat von acre: Nur weil jemand den Wunsch äußert, dass ein Geheimnis nicht weitergetragen wird, muss ich mich nicht unbegrenzt daran halten. Auch wenn der Wunsch besteht, ist es meine Entscheidung als eigenverantwortlicher Mensch, was ich damit mache.
Das finde ich schwierig ab dem Moment, wo ich zusichere, dass ich das Geheimnis wahre. Wenn jemand den Wunsch äußert (bevor er/sie etwas rauslässt) und ich vorher sage: "Hör zu, ich kann Dir nicht versprechen, dass ich niemandem etwas sage, weil ich nicht weiß, ob Du in Gefahr bist, aber Du kannst darauf vertrauen, dass ich offen zu Dir bin und nichts hinter Deinem Rücken mache" (oder ähnlich) - dann finde ich das ok. Aber Geheimnis zusichern und dann darüber reden: No-go.
Wenn ich jemandem etwas anvertraue und darauf vertraue, dass es bei dem-/derjenigen bleibt - und der-/diejenige entscheidet dann, dass es auch die beste Freundin erfahren darf, weil vielleicht die Last zu groß ist oder das Geheimnis zu verunsichernd .... dann wäre ich mit Recht entweder enttäuscht oder verärgert oder verletzt. Und das gestehe ich auch meinen Kindern zu.
Vertrauensmissbrauch eben. Und das war, siehe oben, für mich das Schlimmste an der Trennung.