Lieber @Rheinländer ,
zu dem Thema gab es hier auch schon sehr unterschiedliche Blickwinkel. Ich hab's nicht rausgesucht, aber z. B. @KomischerVogel und ich hatten da quasi diskutiert - und wir sahen die ausgleichende Gerechtigkeit durch bzw. nach Scheidung anders.
Meine Situation schreibe ich unten. Was ich an Deiner und an @DasWird s Schilderungen schon gut finde, ist, wie unterschiedlich allein Eure zwei Situationen sind.
Deswegen glaube ich,
Zitat von Rheinländer: Liege ich mit diesem so falsch?
Das kann man nicht allgemein beantworten. Zum einen gibt es die Fakten. Zum anderen die Gefühle. Und die Gefühle nach Scheidung sind in der Regel sehr andere als zum Zeitpunkt der Vereinbarung, wie man Erwerbs- und "Care"-Arbeit in einer Beziehung/Ehe aufteilt.
Ich finde Deinen Beitrag richtig gut, weil Du trotz diesem Zitat
Zitat von Rheinländer: Irgendwie triggert mich das sehr, wenn ich lese, dass die Frau an sich, benachteiligt ist.
Das liest sich häufig so, als wenn das ein Naturgesetz ist und ich sehe das ganz anders.
sehr fair bleibst und eben auch das schreibst:
Zitat von Rheinländer: Das war unser Deal. Den haben wir beide gemeinsam beschlossen und das ohne das einer dem anderen Druck gemacht hat.
Das scheint mir das Allerwichtigste und wird häufig von Menschen, die sich über Ungerechtigkeiten in der Aufteilung von Gütern, Vermögen, Rentenpunkten beklagen, ignoriert.
Zwei erwachsene Menschen, die zusammen Kinder und Beziehung haben, müssen sich irgendwie verständigen, wer was macht. Kinderbetreuung ist ja nicht allein die aushäusige Betreuung - wie Ihr beide eben auch schreibt: Wer steht nachts auf, wer macht den Haushalt, der mit Kindern auch ein anderer ist als ohne.
Egal, wie gleichberechtigt sich Menschen in einer Beziehung fühlen, sind es heute in der Regel immer noch die Frauen, die auf Teilzeit oder aus dem Beruf raus gehen für längere Zeit. Die Begründung ist immer: Das lohnt sich nicht anders, der Mann verdient einfach mehr. (Ist in der Regel auch so, anderes Thema

.)
In einer Situation wie bei Deiner Ex würde es mich auch nerven, wenn sie aus eigener Bequemlichkeit nicht mehr arbeiten wollte und sich im Nachgang zur Scheidung darüber beklagt, dass sie sich nicht weiterbilden konnte.
Zur allgemeinen Auswirkung von Nichtarbeit und Teilzeitarbeit von Frauen zur Kindererziehung oder auch allgemein zur Haushaltsbetreuung:
Frauen verpassen Karrieresprünge:
- weil sie über Jahre nicht da sind: Extrem wichtiger Punkt. Man steigt nach drei Jahren nicht einfach beim nächsten Karrierehalt ein. Man muss sich erstmal beweisen ---- aber das in Teilzeit? Man braucht Kontakte etc. etc.
- weil sie für Arbeitgeber weniger zuverlässig sind / scheinen - sie könnten ja wieder Kinder bekommen und überhaupt: irgendein Kind ist immer krank ....
- weil Frau mit Kind offenbar immer für die Betreuung des Kindes, besonders auch im Krankheitsfall, zuständig ist (Männer werden im Vorstellungsgespräch selten gefragt: Wie machen Sie es denn, wenn Ihr Kind krank ist?)
- weil sie als Teilzeit-Arbeitende vermeintlich für Führungspositionen nicht infrage kommt
- weil sie (Studien, soll ich raussuchen?) immer noch für den Hauptteil der Hausarbeit zuständig sind, auch wenn sie gleich viele Stunden arbeiten. Vom "Mental Load" ganz zu schweigen.
Und im Fall einer Scheidung ist es fast unmöglich und kompletter Mist, diese Nachteile in Geld zu fassen. Weil sie ja nicht sichtbar sind, man kann ja keine A-B-Studie machen. Also Kaffeesatz-Lesen: Wo wäre die Frau, wenn sie ihre Berufstätigkeit eben nicht wegen Kindern ausgesetzt oder reduziert hätte?
Hätte sie vielleicht wirklich studiert? Weil es ihr selbst aufgegangen wäre, dass sie in ihrem Job nichts reißt, den sie tagtäglich für acht Stunden gemacht hätte? Hätte sie das Unternehmen gewechselt, auch wenn es vielleicht weiter weg gewesen wäre, aber Chancen geboten hätte?
Und wie will man sowas in einen Ehevertrag fassen?
Also ja: Ich halte Frauen, die für Kinder oder für den Ehemann ihre Arbeitszeit reduzieren, für langfristig benachteiligt, wenn sie Jahre aus dem Beruf raus sind. Weil sie schlicht nicht mehr diese Karriere nachholen können, die der Mann schleichend gemacht hat in der gemeinsamen Zeit. Das Mindeste ist für mich, dass dann zumindest halbe halbe fair geteilt wird. Aber auch das fällt vielen Männern offenbar schwer.
Es braucht sehr, sehr viel Umsicht von einem Mann, der "sein Geld" abgeben muss bei einer Scheidung, zu erkennen, dass es das "gemeinsame Geld" ist und dass die Frau ihren 50-Prozent-Anteil absolut zusteht (bitte: alles "in der Regel", Ausnahmen gibt es).
Welcher Mann sagt zu seiner Frau, wenn sie mit dem Job aussetzt: Lass uns mal gleichwertig zu meinen Einzahlungen das Geld für Dich in die Rentenkasse einzahlen? Geht halt auch oft nicht, da müssen Kinder finanziert werden, ggf. eine Immobilie. Am Schluss der Ehe heißt es dann: Ich "muss" Rentenpunkte abgeben.
Nach diesem sehr kurzen Roman zum Thema (weil es schwierig ist

) noch zu meiner Situation: Ich kann das heute recht entspannt sagen, da ich 1) immer gearbeitet habe, 2) ab Punkt X mehr verdient habe als mein Ex, zwar weniger gearbeitet = oft vergleichbar pro Monat verdient und 3) mein Ex und ich fair waren finanziell nach Ende der Beziehung. Ich habe aber sechs Wochen nach Geburt von K1 wieder gearbeitet. Die beste Zeit war, als mein Ex reduzieren konnte und ich aufstocken für circa zwei bis drei Jahre - wünsche ich allen. Ich war aber beruflich erfolgreich und sehe heute keine fehlenden Karrieresprünge trotz viel Teilzeit. Das ist aber selten. Unsere Vereinbarung war dann auch: Ich Teilzeit, aber ich kümmere mich um alles, Finanzen, Versicherungen, Steuern, Haushalt (Putzhilfe, danach halbe halbe), Kochen (solange Kinder im Haus waren).
Das Wichtigste: Dass auf meinem Rentenkonto dadurch weniger war, war klar. Ich musste aber nicht die fehlenden Karrieresprünge danach ausgleichen. Und die sind oft groß. Und nochmal wichtig: Wir haben gemeinsame Entscheidungen getroffen, wer wie viel arbeitet. Und mein Ex hat diese, wie Du, nicht im Nachklapp infrage gestellt.
Zu Deinem Fazit:
Zitat von Rheinländer: Wie gesagt, es wird bestimmt sehr oft einen Partner geben, der bei einer Trennung/Scheidung den kürzeren zieht, ich sehe eben nur nicht, dass dies grundsätzlich die Frau sein muss.
Grundsätzlich sicher nicht. Aus den obigen Gründen aber wahrscheinlicher, dass es die Frau ist. Und ich glaube nicht, dass ein Ehevertrag das Problem löst ...