Zitat von acre: Da bin ich voll bei dir. Ich erlebe es gerade bei Freunden, dass das Fachpersonal vom Jugendamt versucht aus den Kindern herauszubekommen, was ihre Wünsche sind. Es ist eine relativ schräge Situation, denn auch wenn sie dafür geschult sind und Erfahrung haben, müssen sie innerhalb ihrer begrenzten Zeit ein Vertrauensverhältnis aufbauen,
Ich stelle es mir auch sehr sehr schwer vor dieses Vertrauensverhältnis herzustellen. Bei manchen Kindern geht das sicher einfacher bei anderen ist es wohl nahezu unmöglich. Die Schwierigkeit besteht, aus meiner Sicht drin, das auch das nur eine Momentaufnahme ist. Sicher kann es sein das die Kinder äußern das sie gern öfter bei X oder Y wären. Aber dieser Wunsch kann ja auch aus der Situation heraus sein. War es erst die Tage davor bei X und vielleicht war es nicht ganz so lustig wegen Kita, blödes Wetter, X auch im Stress usw. kann es natürlich sein das die Kinder dann in diesem Moment lieber mehr bei Y wären. Sowas auch zu bewerten stelle ich mir extrem schwierig vor.
Zitat von acre: Und die Kinder (5-13 Jahre alt) verstehen, worum es in diesen Gesprächen geht.
Ja, Kinder verstehen sehr viel und deuten für sich sehr viel heraus aber nehmen sich auch viel an....und setzen gefühlt ihr eigenes Bild zusammen. Ich würde schon sagen das Kinder einfach andere Denkmuster und Strukturen haben. Teils einfacher, aber irgendwie auch sehr logisch.
Zitat von acre: Egal welches Modell es ist, sollte man gucken, dass es dem Kind damit gut geht und da gibt es ja viele Schrauben an denen man drehen kann. Im Wechselmodell kann man sich auf so unterschiedliche Modalitäten einigen und auch im Nestmodell gibt es ja verschiedene Lösungsansätze.
Das Problem was ich bei so manchen herauslese und welches ich ja auch irgendwie habe, ist das es reicht wenn ein Elternteil bestimmte Stellschrauben nicht antasten möchte oder am liebsten garnicht haben möchte weil die eigenen Interessen da nicht kompatibel sind. Gerade bei Wohnortwechseln, das muss noch nichtmal immer sehr weit weg sein um einfache Abläufe deutlich zu erschweren was dann zum Nachteil des Kindes sein kann/wird.
Wobei es da natürlich auch sehr auf das Betreuungskonzept ankommt. Nicht alle Kinder mögen das Wochenwechselmodell, andere finden es gut.
Zitat von acre: Ich halte es aber auch für wichtig, das Recht der Eltern an ihrem Kind und das Recht des Kindes auf beide Eltern zu berücksichtigen. Auch ein Kind muss sich mit dem unbliebsameren Elternteil aus einandersetzen
Ich würde in vielen Fällen nicht unbedingt vom unliebsamen Elternteil sprechen, ich bin mir recht sicher das in vielen Fällen die Kinder beide gleichwertig lieben. Aber je nach Ablauf der Trennung ist es für beide Elternteile ja auch immer erstmal eine ungewohnte Situation und auch die Eltern gehen damit anders um. Und die Kinder merken das und spüren wahrscheinlich auch wo der Fokus des jeweiligen Elternteils liegt. Und ich denke mal das gerade kleinere Kinder vorrangig Sicherheit und Stabilität suchen, eben weil sie ja gerade das was für sie das beständigste sein sollte verloren ist.
Also ich denke das die Kinder weniger danach entscheiden "wen habe ich lieber" sondern "wo fühle ich mich sicherer/aufgehobener".
Zitat von acre: Aber ein 6 jähriger sollte nicht danach entscheiden dürfen bei wem es weniger Regeln gibt oder so.
Nein natürlich nicht, auch das "schönkaufen" sollte man unbedingt vermeiden. Also mit größeren oder kleineren Geschenken das Kind "locken".
Wobei ich aber auch der Ansicht bin das beide Elternteile nicht alles gleich handhaben müssen. Bei jedem ist es ein wenig anders und deswegen dürfen auch unterschiedliche Regeln gelten.
Bei uns war letztens das Thema "nachts zu Papa ins bett kommen" aufgegriffen wurden. NF möchte das ich das so handhabe das die maus bei sich im Bett bleibt und wenn sie wach wird soll ich mich zu ihr setzen statt ihr zu erlauben zu mir zu kommen. Weil "Was ich in der Erziehung verkacke muss sie ja ausbaden".
🙄 Warum das ein Problem ist weiß ich nicht, denn angeblich schläft sie bei ihr ja durch und kommt nachts nicht zur Mama. Bei mir schon. Grund ist ganz einfach: Bei der Mama schläft sie gleich im Nebenzimmer, bei mir im Haus schlafe ich aber eine Etage tiefer und da hat sie halt Angst. Ich sehe im Moment keinen Grund ihr Bedürfnis nach Sicherheit da jetzt auf Wunsch von NF zu unterbinden. Gerade weil die Kleine auch öfter mal äußert das sie versuchen will oben alleine durchzuschlafen.
Zitat von acre: Ich glaube, das Reden alleine nicht reicht. Man muss es auch ein Stück weit im Umgang mit dem Ex vorleben.
Mir sind mal bei einer Frage meines Kindes zur Next komplett die Gesichtszüge entglitten und er hat das gesehen.
Ja, das gelingt mir auch nur bedingt...zumindest wahrscheinlich nicht so gut das die Kleine nichts mitbekommt. Ein Erwachsener würde evtl. nichts wirklich merken, aber Kinder haben sooo feine Antennen.
Zitat von acre: dass es in der Entscheidung gar nicht um Liebe zu den Elternteilen geht, sondern die Kinder ihre eigenen Faktoren betrachten.
Ja....aber es fühlt sich auch nach so vielen Jahren noch so an als hätte ich aus rein egoistischen Motiven entschieden. Und wahrscheinlich habe ich das auch. Ich weiß es nicht. Ich werde es auch nie erfahren.
Zitat von Susi01: Ich als seine Ehefrau war nichts mehr wert. Dieser Schmerz sitzt echt tief u befürchte er geht nie ganz weg.
Ja, diese Befürchtung habe ich auch. Ich kenne zwar auch Menschen wo nach garnichtmal soooo langer Zeit sich jemand neues auftat und sie augenscheinlich wieder richtig glücklich sind. Aber man weiß halt nicht wie tief die Wunde sitzt und ob sie evtl. mal wieder aufgeht.
Zitat:Womit ich halt oft hadere ist das ich er bin die er los haben wollte
wieso haderst du damit, möchtest/kannst du es nicht akzeptieren das es so war/ist?
Ich denke ich kann das relativ gut nachempfinden und ich denke das dieses Wissen einen sogar noch mehr verletzt als der Betrug oder Warmwechsel an sich. Weil es sich, zumindest für mich mit dem was ich inzwischen so erfahren durfte, anfühlt wie verraten und ausgenutzt. Und man fragt sich warum man es nicht gesehen hat, ob man blind war oder andere Maßstäbe hatte.