Zitat von acre:Das finde ich interessant und denke darüber immer mal nach. Sicher, es gibt bestimmt Abläufe, die sich furchtbar gleichen, aber ist es deshalb schlimmer als andere Formen der Trennung.
Würden wir uns besser fühlen, wenn wir ohne Next verlassen worden wären?
Mein Leid ist doch, dass ich nicht mehr geliebt werde, obwohl ich noch geliebt habe. Und jetzt müssen wir uns irgendwie zusammenraufen, weil wir durch die Kinder aneinander gebunden sind.
Ich glaube, ich weiß, was Du meinst. Der Austausch gegen Next fühlt sich aber eben wie "Weggeworfen" an. Ich denke (weiß ich natürlich nicht), eine Trennung ohne Next, mit Anstand und auf Augenhöhe ist nicht so vernichtend. Sicher nicht schön, aber man kann das schon würdiger gestalten als so eine Nummer.
Darauf wollte ich aber gar nicht hinaus. Mit "emotionaler Abhängigkeit" meinte ich mehr eine Entwicklung in der Beziehung.
Ich habe schon versucht, es NF irgendwo Recht zu machen, habe mich angepasst, habe ständig Fehler bei mir gesucht und mich gerechtfertigt, hatte häufig ein schlechtes Gewissen, obwohl ich im Nachgang betrachtet nicht viel (oder jedenfalls nichts gravierendes) verkehrt gemacht hatte.
Ich habe mich verantwortlich für Dinge gefühlt, für die ich nicht verantwortlich war, etwas das ihr völlig abging, sie war schnell mit Vorwürfen bei der Hand.
Ich dagegen habe sie immer mehr idealisiert. Total bescheuert.
Wenn ich heute schaue, dann haben mich die Jahre emotional einfach ausgesaugt. Zu diesem Blick auf die Beziehung war ich gar nicht in der Lage, als ich noch drin steckte. Sie war mein Traum. Ich habe einfach nicht sehen können, wer sie war, wie sie ist oder wie sie geworden ist (noch heute kann ich nicht sagen, ob sie so geworden ist oder schon immer so war).
Schwer zu erklären.....
Zitat von Susi01:Das mit der emotionalen Abhängigkeit finde ich sehr interessant. Hier war es so das er generell ein großes Selbstbewusstsein hat u ich genau das Gegenteil. Ich fühlte mich ihm gegenüber immer kleiner, hässlicher, dümmer..... Und durch solche Aussagen wie gestern wird das Gefühl in mir ausgelöst immer noch ...
Meine NF hatte auch häufig ein sehr selbstbewusstes Auftreten. Im tiefsten Inneren würde ich aber eher Unsicherheit und Selbstzweifel vermuten, die gar nicht reflektiert werden, weil es zu schmerzhaft gewesen wäre.
Aber es war schon so, wenn sie einen Raum betrat, hat sie schon viel Raum im Raum eingenommen.
Ich war schon irgendwie auch stolz auf sie. Hört sich doof an.

Zitat von SchlittenEngel:V.a. dann, wenn sie auf jemand treffen, der sich leicht für alles verantwortlich fühlt/ dem es besonders wichtig ist, dass es seinen Lieben gut geht, ein Kümmerer ist. Was wahrscheinlich oft so ist, weil wer da selbst egoistischer unterwegs ist oder sich zumindest super abgrenzen kann, geht selbst, weil es nervt.....
An diese Verlasser- / Fremdgeher Persönlichkeitszüge glaube ich auf jeden Fall auch.
Im Kern Menschen, die denken, andere müssten dafür sorgen, dass es ihnen gut geht und die nie zufrieden sein können und denken, dass was sie grad aktuell nicht haben ist besser.
Ja. Das ist sicher so. Ich hatte immer ein hohes Verantwortungsgefühl. War immer verlässlich.
Und ja, im Kern hat sie so gedacht, wie Du das beschreibst. Das wird ja schon dadurch deutlich, dass sie mich für Ihr Unglück verantwortlich gemacht hat.
Zitat von SchlittenEngel:@Caecilia Ich, 120%

und es war auch ein ziemlicher Prozess zu erkennen, wie stark ich damit dieses „Problem“ beim anderen auch ermöglich, ermutige und sogar verstärke…..oder überhaupt erst mal zu realisieren, dass andere Menschen da ganz ganz anders ticken.
Und jetzt noch was: Nach außen sah das mit Sicherheit umgekehrt aus. NF trat immer als Übermutter und Übermensch auf. Hilfsaktion hier, Schule, Organisationen, Arbeit, sonst was. Immer in der ersten Reihe, wenn es darum ging, "anderen zu helfen" und "sich zu engagieren".
Nach außen wirkte sie extrem mit- und einfühlsam.
Nicht falsch verstehen: Ich finde es gut, wenn jemand hilft. Wenn aber jemand immer und zwar wirklich immer in der ersten Reihe steht, dann ist Vorsicht geboten. Habe ich jetzt auch verstanden.

Zitat von Caecilia:Das würde ich gerne doppelt und dreifach liken - trifft 1:1 auf meine Ex-Beziehung zu. Ich bin (leider) ein extremer Kümmerer, der sich immer für alles und jeden verantwortlich fühlt. Seid Ihr auch so? Wie kommt man da raus?
Willst Du denn da raus? Bist Du das denn nicht?
Man sollte sich nicht ausnutzen lassen. Verantwortungsgefühl ist ja nichts schlechtes.
Zitat von Heffalump:Ich - ja. Liebe kann ja enden. Ich möchte nicht der Grund sein, warum er auf Liebe verzichten muss, nur weil er mich nicht mehr liebt.
Das ist ein bischen philosophisch. Kann Liebe enden oder war es dann nie Liebe?
Ich glaube, ich habe einfach jemanden geliebt, den es gar nicht gab. Da bin ich natürlich selber dran Schuld. So würde ich es einordnen.
Aber ganz klar: Auch wenn das bei einer Trennung der erste Reflex ist: Ich möchte nicht, dass jemand bei mir bleibt, der mich nicht liebt, nur weil es so bequem ist oder gar aus Mitleid, selbst wenn ich ihn liebe.