Zitat von KomischerVogel: Eine Scheidung war vermutlich moralisch schwerer zu verkraften als finanziell.
Mh, ich hatte moralisch geschrieben, meinte aber gesellschaftlich und finanziell. Ich glaube, da vertust Du Dich tatsächlich ziemlich arg. Zum Nachlesen, ist wirklich interessant:
https://www.lautschrift.org/2022/02/02/...scheidung/ - Zitat aus der Quelle, da geht's um 1900: "Die Ehefrauen waren neben ihrer Haushaltstätigkeit dazu verpflichtet, im Geschäft ihrer Männer mitzuarbeiten – ohne Entgelt, versteht sich. Auch im Falle einer Scheidung gab es keinen finanziellen Ausgleich für diese etwaige langjährige Arbeit. Die Arbeitskraft der Frauen war für das BGB von 1900 also weitestgehend wertlos; sie hatten in Haushalt und Geschäft zu schuften, ihr Vermögen ging durch die Eheschließung automatisch als eingebrachtes Gut auf den Mann über, genauso wie all das, was sie während der Ehe erwarben."
Zitat von KomischerVogel: Die kann ich dann auch nicht mit der Karrierefrau vergleichen, die sie sonst vielleicht geworden wäre.
Ah, jetzt habe ich erst verstanden, wie Du das gemeint hast. Ok. Ja, was Du schreibst, ist richtig. Aber (ich bleib jetzt auch mal bei Mann und Frau, weil das einfach die häufigste Konstellation ist und hier ja auch zu dem Missmut führt):
Der Mann arbeitet konstant durch. Wenn er nicht unfähig ist, bleibt er in seiner Position, die er vor Familie und Kindern hatte - oder steigt auf, weil er konstant durcharbeitet. Kann sein, dass er ohne Kinder mehr Karriere gemacht hat. Aber durch die Kinder verliert er nichts (wenn er nicht unfähig ist

).
Die Frau hat vielleicht studiert, 2-3 Jahre Berufserfahrung und setzt z. B. drei bis fünf Jahre aus bei zwei Kindern. Wenn das finanziell geht, machen das viele eher etwas länger, weil Kinderbetreuung einfach nicht funktioniert in D. Dann steigt sie wieder ein, in der Regel in Teilzeit.
Hier kommt mein Punkt 1: Ist sie jetzt wie der Mann wieder auf der Position, die sie früher hatte? Ich rede nicht von Karriere - ich rede von ihrer früheren qualifizierten Arbeit, ggf. mit Verantwortung für Teams, Projekte, Ergebnisse, Ziele? Wenn sie nicht einen wahnsinnig kulanten Arbeitgeber hat, wird das in Teilzeit schwierig, wenn sie vorher Vollzeit gearbeitet hat. Ich spreche aus Erfahrung. (Mein erstes Kind war der Grund, warum ich mich selbständig gemacht habe. Hat bei mir funktioniert, weil ich es konnte. Können aber nicht alle und wollen nicht alle.) Und dann die Stelle wechseln z. B., um sich etwas zu verbesseren karriere-technisch. Mach das mal mit Kindern. Ganz im Ernst.
Der Mann kann seine Karriere vielleicht auch nicht ganz so durchziehen wie ein kinderloser Mann. Aber die Frau hat massive Nachteile beruflich.
Und die gehören ausgeglichen, und das ggf. auch langfristig, - egal, wie furchtbar und mies und gemein ein Warmwechsel ist (siehe Zahlen unten zum Gender Pay Gap durch Teilzeit).
Vielleicht nur ergänzend, weil eben Männer doch oft Karriere machen, wenn sie Kinder haben: In Teilzeit Karriere machen ist ein Witz in Tüten. Als Frau bist Du die, die in der Regel bei Krankheit des Kindes zuhause bleibt. Die unzuverlässig wird. Bei der sich der Arbeitgeber überlegt, ob sie nicht doch schnell ein zweites oder drittes Kind bekommt. Ja, aber dann doch besser nicht noch mehr Verantwortung, oder?
Und das Schlimme an diesem allem ist, dass Frauen einfach oft wirklich weniger Lust auf Karriere haben, vor allem nicht, wenn sie dann sich komplett durchbeißen müssen und permanent beweisen, dass sie's können, obwohl sie kleine Kinder haben.
Und deswegen ist Dein Straßenkehrer-Zahnärztin-Beispiel auch schräg, weil die Differenz in Gehalt und Aufstiegsmöglichkeiten derart unterschiedlich ist. Kannst aber gern die Verkäuferin und den Chefarzt nehmen: Die Verkäuferin wäre vielleicht Abteilungsleitung geworden, wenn sie nicht in Teilzeit gegangen wäre.
Das ist übrigens auch untersucht, Zitat: " Wie wichtig das (Anmerkung: Teilzeit ist gemeint) für die Einkommensunterschiede ist, hatte eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) gezeigt: Zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr liegt der Gender Pay Gap demnach bei sieben Prozent, bis 40 steigt er dann auf 22 Prozent an." Quelle:
https://www.businessinsider.de/karriere...-freizeit/Zitat von MissLilly: Meine persönliche Erfahrung in dem ganzen ist, dass es dem Staat in aller erster Linie darum geht, dass er so wenig wie möglich bzw. gar nicht für seine Bürger aufkommen muss.
Ich hab nicht schlecht gestaunt, als mir die Anwältin gesagt hat, dass wir den Versorgungsausgleich nicht "ausschließen" dürfen, sondern den Ausschluss beantragen müssen (was wir getan haben). Jetzt muss das Familiengericht prüfen. Ich war zuerst ganz angetan: Der Staat sorgt sich also, dass nicht ein Ehepartner den/die andere/n übers Ohr haut. Aber nein, der Grund ist genau nur das, was Du schreibst. Der Staat hat keine Lust, einspringen zu müssen, wenn der Versorgungsausgleich ausgeschlossen werden soll und danach eine/r auf Staatskosten leben müsste ....