Zitat von Sabine13: Jetzt empfindet er plötzlich wieder Verpflichtungen seiner Frau gegenüber. Sie ist arm und krank. Und er verpflichtet ihr beizustehen.
Er liebt sie nicht. Sie liebt ihn nicht. Aber da ist ein krankhaftes Abhängigkeitsverhältnis.
Und da er die Trennung nie aufgearbeitet hat bricht jetzt alles über ihn herein.
Klassiker in dieser Generation. Hier wurde ein vollkommen schiefes veraltertes moralisches Bild bei ihm implementiert. Das funktioniert ganz besonders erfolgreich, wenn in der Kindheitsphase ein Entwicklungstrauma dazu kam. Und ich wette das hat mit seinem Verhältnis mit seiner Mutter zu tun.
Versteh mich bitte richtig, das ist kein Freifahrtschein für ihn und schon gar keine Entschuldigung dafür nicht an diesem Thema zu arbeiten. Nur das kann nur er selbst machen und Du "darfst" mit den Ergebnissen leben oder eben gehen.
Zitat von Sabine13: Sie ist krank. Und obwohl sie ihn verlassen hat, hat er das Gefühl er betrügt sie. Weil die Ehe noch aufrecht ist. Er hat kein Gefühl der Freiheit. Wie ein innerer Zwang.
siehe oben
Zitat von Plentysweet: Nein. Ich denke beim Lesen hier, daß es einfach nicht gepasst hat, eine Loslösung von der Ex nicht vollzogen wurde, da die Überzeugung für die neue Beziehung nicht groß genug war.
Das sehe ich etwas anders. Ich denke schon, dass er aus dieser Spirale gerne rauskommen würde aber den "Ausgang" nicht findet.
Ob es gepasst hat oder nicht, kann man hier ja gar nicht beurteilen. Eine emotionale Loslösung von der Ex ist unter den oben genannten Umständen ein Kraftakt, den so gut wie keiner alleine bewältigen kann. Diese Menschen sind zerissen zwischen den gefühlten Anforderungen moralischer Art (kann man ja nicht machen) und dem was sie wollen (die neue unbelastete Beziehung)
Zitat von Sabine13: denen ich hätte sehen können, wie sehr er sich an diese kaputte Ehe geklammert hat. Mit der rosa Brille habe ich das alles nicht wahrgenommen.
Hier müsste unterschieden werden, ob er sich wirklich an die Ehe geklammert hat oder ob er aus verschobenen moralischen Gewissensthemen den Absprung nicht geschafft hat.
Zitat von Sabine13: Und dann wurde ihm bewusst, dass es das ist was er will und braucht. Seine Familie. Vereint. Und er ist emotional zusammengebrochen.
Auch ein guter Punkt. Evtl. ist es genau das nicht was er will. Wohl aber das was er "braucht". Brauchen in dem Sinne von bekannt, vermeintlich gesellschaftlich gefordert und fehlende Alternativstrategien.
Aber ich möchte nochmal deutlich betonen: ich weise hier nur auf eine mögliche Variante hin, wie der betroffene Gegenpart das Ganze erleben könnte.
Für Dich ändert sich ja leider nichts am Resultat. Denn egal ob der andere nun mehr oder weniger etwas dafür kann, es ist für Dich extrem unbefriedigend und nachvollziehbarerweise nicht tragbar. Die einzige Aussage die es für Dich evtl etwas leichter machen könnte - schöner wird es trotzdem nicht - es ist kaum möglich, solche Konstellationen von Anfang an zu erkennen um anders damit umzugehen, denn es gibt sicher auch ganz viele Menschen, die noch in Trennung leben und trotzdem nicht mehr emotional drin hängen. Verlier da bitte nicht jedes Vertrauen drin.