Liebe Tara,
es hat jetzt keinen Sinn, solche Gedanken zu wälzen. Du bist nicht in der Verfassung, Dinge objektiv zu sehen oder dich zu beruhigen.
Deine maßlose Enttäuschung kann hier (leider) fast jeder nachvollziehen. Allerdings macht es keinen Sinn, in einen Wettbewerb um die Opferrolle einzutreten - verletzte Gefühle sind auf allen Seiten, und schwache Menschen solidarisieren sich dann entgegen allem Ehrgefühl. Vergiss die alle.
Dass du momentan alleine dastehst, grämt dich in deinem Zustand übermäßig, auch wenn du mehr Kraft hättest, würde dich das verständlicherweise zu Tode ärgern. Aber tu' das bitte nicht.
Ich habe das Gefühl, dass du deine Freunde zukünftig besser auswählen solltest, denn zumindest für mich ist ein Charakter schwer nachzuvollziehen, der sich nicht scheut, dir in deiner Situation und kurz vor der OP Vorhaltungen zu machen; das müssen sehr schwache Menschen sein, und etwas unterbelichtet dazu.
Nach der OP fängt ein neues Leben für dich an - zu allererst damit, dass du dich von altem Ballast befreist und dir etwas Besseres gönnst. Der Psycho-Onkologische Dienst kam mir gestern in den Sinn, zu dem soll dich das ganze leiten, und da wirst du bisher ungekannte Hilfe erfahren, die du sonst gar nicht annehmen hättest können.
Irgendwo ist da der Haken, dass du in deinem Leben oder bei deinen Freundschaften zu viele Nachteile in Kauf genommen hast, als sei es das Selbstverständlichste von der Welt. Damit ist jetzt Schluss.
Die Enttäuschung von heute wirst du auch noch verkraften. So eine Vollnarkose wirkt da Wunder
Tara ... alles was du jetzt noch denkst, kannst du nicht mehr zählen. Es ist nicht gesund, du bist zu sehr am Boden. Lass das Denken sein. Und frag' nach einem Beruhigungsmittel, das kriegt man normalerweise vor einer OP, oder ist das nicht mehr so?
Ich drücke dich und sende dir ganz viele unsichtbare Kraftreserven
