Zitat von carlos7: Eine offene Beziehung ist keine regellose Anarchie. Eine OB heißt doch nichts anderes, als dass man unter bestimmten Randbedingungen auch mit anderen Menschen als dem eigenen Partner Sex haben kann.
Ja, das mag die ordnungsgemäße Definition der sexuell scheinbar Freigesinnten sein. Das macht es aber nicht besser (als den üblichen Zustand), sondern nur um eine Nuance absurder.
Entweder, ich überlasse eben auch in einer Beziehung dem anderen seine freie Selbstbestimmung (angeblich ist ja jeder Mensch frei geboren, zumindest nach Ansicht der humanistischen Idealisten; sehr weit ist der Mensch damit aber nicht gekommen, wie es scheint), nicht nur die sexuelle, oder ich mache mit meiner offenherzigen und großzügigen Freisinnigkeit nicht ernst, setze sie mir nur als eine Art Federschmuck des Unkonventionellen auf, beschränke und bestimme weiter nach Belieben und preise irgendwelche Halbheiten als befreites Lebensmodell an.
Und da wird man ja fragen dürfen: Wozu sich da irgendwelche Comicfiguren auf die Halbmastfahnen malen?
Mein schlichter Verdacht dazu ist: Es geht hierbei (offene Beziehung) keineswegs um irgendeine Freiheit, sondern einer von beiden oder auch beide begeilen sich eben an den sexuellen Außenaktivitäten des anderen. Ist ja auch nichts Verwerfliches, eine der häufigsten sexuellen Phantasien überhaupt, aber dies darzustellen wie einen entschlossenen Ausbruch aus dem engen Konventionskorsett, geht an den Tatsachen halt auch meilenweit vorbei. Wenn ich zwar eine "offene Beziehung" führe, aber dennoch wie eh und je und banal allgemein über die Sexualität des anderen bestimme, dann unterscheidet sich diese Verkrampfung auch nur höchstens um ein I-Schwänzelchen von der gewöhnlichen.
Aber natürlich: Jeder, wie er meint, kann, muss, darf ...
Für mich ist das nichts weiter als Show, ein Als-Ob, eine offenbar "moderne" Inszenierung, die eine Beschränkung aufhebt, um fünfer- oder zehnerlei andere einzuführen - wozu immer es gut sein mag.
Und der Mann der TE scheint mir in diesem Sinne ein besonders krasser Fall zu sein. Eine Mischung aus stockkonservativ und vorgetäuschter Sexual-Revolutionär.