Moin zusammen!
Zitat von CocosPool: Ich glaube auch, daß Kryptonit Menschen auch dadurch "entstehen" wenn eine Geschichte oder Beziehung nicht zuende erzählt wird.
Vielleicht ist das gar nicht mal so unklug als Erklärung. Ich finde ich mich da wieder. Einen echten Abschluss zu schaffen ist da wirklich schwer. Ich habe Jahre dafür gebraucht. Sie hatte mich letztes Jahr kontaktiert und wir haben sehr lange geredet, also mehrere Stunden am Telefon, weil sie wohl auch der Gedanke umtrieb "Was wäre wenn". Das wäre eben nicht nur die Liebesbeziehung gewesen, sondern hätte ihr Leben auf den Kopf gestellt. Aber während wir so telefonierten, fiel mir auf, dass wir irgendwie nach all den Jahren noch sehr vertraut waren, aber sie sehr weit weg von dieser Idealvorstellung von der "perfekten Partnerin" in meinem Kopf gewesen ist (mittlerweile?).
Sie war ein anderer Mensch - vielleicht war sie (damals) auch gar nicht der Mensch, den ich aus ihr gemacht habe... Who knows. Die Geschichte wurde ja nie zu Ende gelebt und geliebt. Auf jeden Fall hat mir das sehr geholfen und ich konnte endlich abschließen. Kurz nach Jahreswechsel dieses Jahr hat sie sich nochmal gemeldet und mir auch erzählt dass sie heiraten wird. Tatsächlich konnte ich mich wirklich für sie freuen und dachte "Wir haben beide damals die richtige Entscheidung getroffen". Sie, indem sie in ihrer Heimat blieb und offensichtlich den Mann fürs Leben fand, ich - indem ich sie losgelassen habe, obwohl es mich damals wirklich in Stücke gerissen hat. Wer mich hier kennt, der weiss so halbwegs wie ich ticke, vor allem die, die mich persönlich kennen. Vermutlich würde keiner von denen glauben, was für ein Häufchen Elend ich damals war. Ich war wirklich zerstört, habe geheult, geschrien und das Leben verflucht. Primär um sie loszulassen mit dem Wunsch, dass sie glücklich wird, denn diese Affäre hat ihr extrem weh getan. Aber auch, weil ich dachte und es so empfand, dass es meine Strafe sei, so zu leiden. Ich habe zwei Frauen, die mir viel bedeuteten sehr weh getan und ich dachte eben, ich verdiene genau das.
Wir waren damals einfach das was wir brauchten füreinander - in jeder Hinsicht. Das weiss ich heute und das hat sie am Telefon auch so formuliert.
Heute kann ich sagen, dass diese beiden Telefonate mich Frieden finden lassen haben und dafür bin ich sehr dankbar. Ich konnte ihr alles sagen, was ich noch zu sagen hatte. Dieses Kapitel ist für mich zu - trotzdem sage ich auch: ich weiss nun, was ich in einer Partnerschaft brauche, denn sie hat mir das alles gezeigt.
Zitat von Isnogud: Aber als Affäre? Ihr hattet Partner, die neben euch im Bett gepupst haben. Da ist es leicht, den anderen im Sicherheitsabstand zu idealisieren? Keine echte, gelebte Nähe.
Würde ich vermuten...
Puh, schwierig. Ja, oft ist es so, denke ich. Aber das was wir da hatten war definitiv echt und hatte wenig mit Abstand zu tun. Teils waren wir eine Person. Und ich bin pragmatisch genug um das zu differenzieren. In diese Richtung habe ich auch gedacht, aber (leider?) konnte ich es nicht als sowas "simples" abtun. Wäre schön gewesen, wenn es so gewesen wäre - dann wäre es eben sehr einfach gewesen. Fakt ist eben, dass sie eine sehr besondere Person in ein Teil meines Lebens war, der mich geprägt hat wie kein anderer. Sie war teils Auslöser, Teils Wunde/Problem, teils Rettung und teils Erlösung. Schwierig das in Worte zu fassen. Und genau deswegen verschweige ich sie nicht.