Nachtlicht
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Zitat von paulaner:Also, ich verstehe den Aktionismus nicht so richtig.
Klar, Schock, etc.
Aber, schlechtester Zeitpunkt für solch weitreichende Entscheidungen.
Ich denke, hier geht es einfach um Angst, vielleicht auch gekoppelt mit wenig Erfahrung mit Lebenssituationen "außer der Reihe".
Der Aktionismus ist der panische Versuch, die Situation wenn schon nicht ungeschehen, dann doch wenigstens wieder gut zu machen. Die sofortige Beichte beim Ehemann, die Kündigung, die AU, der Auszug des Ehemannes aus dem gemeinsamen Schlafzimmer - viel angstgesteuertes Drama, das meiner Meinung nach mehr kaputt macht als der reine Seitensprung.
Eine mögliche andere Umgangsweise mit dem Fehltritt wäre gewesen, als erstes dem Kollegen eine klare Grenze zu ziehen ("Du, ich war betrunken, das war eine einmalige Sache, ich hoffe du schaffst es damit angemessen umzugehen und ab sofort entsprechend Abstand zu halten, dankeschön"). Dann sich zu sammeln und dem Ehemann zu erzählen, was passiert ist, einfach erstmal den Sachstand, und ihm die Gelegenheit geben seine Fragen dazu zu stellen und das für sich auch erstmal sacken zu lassen, und sich selbst in diesem Moment zurückzunehmen mit seinen eigenen schlechten Gefühlen und Ängsten. Denn für den Partner ist der Schock sicher größer, wenn er den beichtenden Part in desolater Verfassung und im Kontrollverlust erlebt. Kennt man doch, wenn man eine schlechte Nachricht bekommt, ist es hilfreich wenn der Überbringer gefasst und ruhig ist und nicht selbst aufgelöst und verzweifelt.
Das wäre eine Ebene, auf der man dann in Ruhe einen gemeinsamen Umgang als Ehepaar mit der Angelegenheit entwicklen kann und dann zeigt sich auch, ob das Gute-wie-schlechte-Zeiten-Versprechen was taugt.

