Guten morgen an euch alle,
ich bin durch die Suchmaschine auf dieses Forums gestoßen, weil ich einen Weg suche, den Schmerz meines Lebensgefährten besser zu verstehen. Viele der Beiträge habe ich bereits gelesen und bin schockiert, wie sie den Erzählungen meines Freundes ähneln.
Allerdings in einer anderen Sichtweise, denn er war Derjenige, der mit einer N. zusammenlebte. Diese Beziehung hat ihn so weit gebrochen, dass er sein Leben beenden wollte. Das Schicksal oder ein Schutzengel verhinderte dies aber Gott sei Dank. Diese Tragödie ist bereits über ein Jahr her und inzwischen ist er durch eine Langzeittherapie und viel Geduld einiger Menschen in seinem Umkreis, auf einem guten Weg und nimmt wieder aktiv am Leben Teil.
Mit der N. lebte er 11 Jahre lang zusammen. Sie hatte von Anfang an eine starke Anziehungskraft auf ihn, die er sich nicht erklären konnte. Obwohl sie ihm nahe legte, alle 10 Jahre würde sie ihre Partner wechseln, ihren damaligen Mann als Ar. betitelte und über ihre Freundinnen ständig lästerte, ließ er sich übereilt auf eine Beziehung ein.
Ich werde die Einzelheiten jetzt nicht vertiefen, da er mir seine Erfahrungen im Vertrauen erzählt hat. Was mich hier her führt sind seine wiederkehrenden Rückfälle von Schuldgefühlen und Selbstzweifel. Für mich ist es schwer, weil ich dann das Gefühl bekomme, er wünscht sich seine N. zurück, um diesmal alles besser zu machen. In unserer Beziehung rechtfertigt er alles, was er meint falsch zu machen, ohne dass ich überhaupt etwas negatives geäußert habe. Er entschuldigt sich für Kleinigkeiten, die ich nicht mal als tragisch empfinde, weil sie mich weder verletzen noch stören. Ich mag seine kleinen Macken, sie machen ihn zu dem, der er ist, liebenswert.
Er ist davon ab sehr sensibel, wodurch er auch schon als Memme, Sensibelchen u.a. betitelt wurde. Dabei sehe ich seine Sensibilität als Stärke. Wir können lange, tiefgründige Gespräche führen, uns gegenseitig beim Anderen ausruhen und trotzdem den eigenen Interessen nach gehen. Mit Vertrauen hat er allerdings kein Problem, ich kann mich dadurch gut um mich selbst kümmern, zb. durch einen Besuch bei meiner Freundin oder allein bei einem Spaziergang. Umgekehrt hat er aber ein schlechtes Gewissen, wenn er einfach mal Zeit für sich braucht, zb. um ein Buch zu lesen oder einfach beim Fernsehen den Kopf von der Arbeit abzuschalten.
Viele Verhaltensmuster, die mich manchmal traurig machen, weil er sich damit so darstellt, wie es ihm einst eingetrichtert wurden. Und trotzdem macht er sich manchmal noch Gedanken, wenn er hört, dass es ihr schlecht geht. Um es kurz zu erwähnen, seine Ex hat sich hintenrum in seine Familie eingeschlichen. Ist also mit jemandem aus seiner Verwandtschaft zusammen. Sie wollte keinen Kontakt zu ihm, und dass er aus ihrem Leben verschwindet, geht aber in seiner Familie ein und aus.
Dadurch verlor er nicht nur sie, sondern auch noch einiges mehr... Und sie ist natürlich das Opfer.
Ich bin froh, dass er einen engen Kontakt zu seinem Sohn hat (aus der Ehe vor der N.) und sich seit September über einen kleinen Enkel erfreuen darf. Alles Erlebnisse, die ihn wieder auf die Beine bringen und die Vergangenheit allmählich verblassen lassen.
Ich denke für einen Einblick reicht es erstmal, um die Situation etwas zu schildern. Die meisten Erlebnisberichte hier gehen ja eher um den narzisstischen Mann, aber auch Frauen können so extrem sein, dass ein Mann daran zerbricht. Obwohl ich hier auch die Seite eines Mannes vorhin gelesen habe, mir fällt das Pseudonym jetzt nur abrupt nicht ein.
Ich wünsche euch erstmal einen guten Start in den Sonntag.
Viele Grüße