n-ever
Gast
ich dachte nicht das ich mich so bald wieder hier blicken lasse, vor einer Woche war noch alles in Ordnung. dachte ich.
Ich bin seit circa 14Monaten in einer Fernbeziehung, wir sehen uns so gut wie jedes Wochenende, bei Feiertagen usw auch häufiger.
Die Beziehung verlief ein wenig wie Achterbahnfahren, es gab bereits drei Trennungen.
Grund war jedesmal die Entfernung, bzw Frust darüber dass sich an der Entfernung erstmal nichts ändern wird.
Die ersten beiden Trennungen waren nur kurz und von langen,intensiven Gesprächen geprägt (1-2 Wochen),
nach der dritten Trennung hatte ich es jedoch mit Kontaktsperre versucht und wir hatten knapp einen Monat Funkstille.
In der Zeit habe ich sehr viel über uns und ihn nachgedacht und beschlossen nicht aufzugeben.
Er hatte sich extrem gefreut und wir waren direkt nach dem ersten Treffen wieder zusammen.
Seitdem lief es einfach super, besser hätte ich es mir nicht wünschen können.
Am letzten Wochenende hatte ich plötzlich so ein mulmiges Gefühl dass er mir etwas verbirgt. Ich habe ihn darauf angesprochen und habe es als Nachwirkung meiner schlechten Ex-Erfahrungen interpretiert und er meinte er sei eben nicht wie mein Ex und das müsse ich wohl noch lernen.
Am nächsten Tag fiel mir dann auf dass er jedesmal wenn ich aus dem Raum gehe an sein Handy geht
und gleich den Bildschirm wegklickt und es aus der Hand wirft wenn ich wiederkomme.
Da ich mit Untreue schon Erfahrungen machen musste, konnte ich das recht gut einordnen und hab ihn gefragt ob ich das lesen darf. Er hat mir dann mit seltsamem Gesichtsausdruck das Handy gegeben und ich konnte also reinschauen.
Der Moment war völlig unwürdig, als ich mit zitternden Fingern durch die Chats gegangen bin. Es hat sich total verkehrt angefühlt, so ein Mißtrauen will ich in der Beziehung eigentlich gar nicht haben, aber ich musste auch wissen, was da los ist.
Was ich gefunden habe war die App "Tinder" die ich bis dato nicht kannte und in der er seit Monaten aktiv ist sowie Messengerchats mit etlichen mir unbekannten Frauen. Ich habe das nicht alles gelesen, wollte ich nicht, aber grob überflogen. Soweit ich das sagen kann hat er größtenteils harmloses Zeug geschrieben, aber eben auch auf näheres kennenlernen, telefonieren und treffen hingearbeitet. Einige Verläufe wirkten bruchstückhaft, deswegen gehe ich davon aus, dass brisantere Ausschnitte gelöscht sind.
Ich war irgendwie geschockt, mein Freund saß mir dabei gegenüber und meinte: "das ist wie eine Sucht, du musst mir helfen". Er war total beschämt und fing sogar an zu weinen.
Ich weiß noch gar nicht, was das eigentlich bedeutet.
Das er auch Kontakt zu anderen Frauen haben kann, solang das angemessen bleibt, ist doch völlig normal, dennoch hat er sich verhalten als ob er viel mehr angestellt hätte.
Er hat mich dann gebeten regelmäßig sein Handy zu kontrollieren, da er sonst nicht davon los kommt.
Wir haben dann zwar mehrere Stunden geredet, aber irgendwie ging es mehr um seine Kindheit, sein Bedürfnis nach Bestätigung usw. er sagt er hätte mich nicht betrogen, sie nie getroffen und nichtmal telefoniert.
Ich frag mich dann wofür er sich so schämt?
Ich war da erstmal Verständnisvoll (für die Kindheitsprobleme usw) und dann. ich weiß nicht wieso, es war schon spät Nachts und wir total übermüdet. hat er mir einen Heiratsantrag gemacht und ich hab ja gesagt.
Am nächsten Morgen haben wir nur noch über die Verlobung geredet und dann ist er abgereist (Fernbeziehung).
Erst nach und nach ist mir gedämmert was nun eigentlich los ist. Tinder ist eine SingleApp.
Und statt mit mir zu klären was er damit eigentlich vorhatte, hat er abgelenkt und ein bisschen "Drama" spielen lassen. Dann den Heiratsantrag aus Trennungsangst.
Ich hab ihm dann geschrieben, dass wir die Verlobung erstmal ruhen lassen sollten, bis wir das Thema geklärt haben.
Er hat erneut darum gebeten, dass ich ihn kontrolliere, "er schafft es sonst nicht".
Freitag fahr ich hin und dann gibt es hoffentlich eine Aussprache.
Innerlich bin ich sehr unruhig. Ich habe das Gefühl nur die halbe Wahrheit zu kennen und selbst wenn nicht:
was ist das bitte für eine Erwartung an mich, ihn zu kontrollieren?
Wenn er nicht von selbst treu sein kann, dann ist er es einfach nicht, oder?
Ich befürchte fast, er möchte ein wenig dominiert werden um sich in der Beziehung wohl zu fühlen. Ich habe aber genug mit meinem eigenen Leben zu tun, um noch auf wen Anderes aufpassen zu müssen. Er nimmt mich sehr oft in die Verantwortung und kommt manchmal im Privatleben unselbstständig rüber.
Ich bin ein verantwortungsbewusster, mütterlicher Typ. Aber ich will niemanden dominieren, und erst recht nicht aufpassen müssen, dass "mein Kerl" sich anständig benimmt.
Wenn er unter diesen Umständen zur Untreue neigt, dann ist das wohl das Aus für unsere Beziehung, oder?
Gibt es da noch andere Sichtweisen?